
Apr. 17
Auf Schnäppchensuche?
Hallo zusammen,
die folgenden Funkflohmärkte stehen vor der Türe:
- Sonntag, der 26.04.2026: 7. FUNK.TAG KASSEL 2026
- Samstag, der 09.05.2026: 43. Bergheimer Amateurfunk-Flohmarkt
- Freitag bis Sonntag, 26. – 28.06.2026: HAM RADIO Friedrichshafen
Apr. 15
⚙️ Das Ohmsche Gesetz – technisch präzise, aber mit einem Augenzwinkern
Das Ohmsche Gesetz lautet:
Oder in der Sprache eines Lehrers mit strengem Seitenscheitel:
„Wenn du mehr Spannung gibst, fließt mehr Strom. Wenn du mehr Widerstand einbaust, fließt weniger. Und wenn du beides gleichzeitig machst, dann weiß der Strom auch nicht mehr, wo ihm der Kopf steht.“
Die drei Größen im Überblick
- U – Spannung: Der „Druck“, der die Elektronen antreibt.
- I – Strom: Die Menge an Elektronen, die pro Sekunde vorbeikommt.
- R – Widerstand: Der Spielverderber, der sagt: „Langsam, Jungs!“
🧪 Wo begegnet uns das Ohmsche Gesetz im Alltag?
1. Der Wasserkocher
Mehr Spannung → mehr Strom → schneller heiß. Weniger Spannung → lauwarmer Tee → schlechte Laune.
2. Die Handy‑Ladung
Ein Ladekabel mit zu dünnem Querschnitt hat hohen Widerstand. Ergebnis: Das Handy lädt so langsam, dass man zwischendurch ein neues Handy kaufen könnte.
3. Die Weihnachtsbeleuchtung
Wenn ein Lämpchen durchbrennt, steigt der Widerstand. Ergebnis: Die ganze Kette geht aus – und der Amateurfunker behauptet, er könne das „mit einem Multimeter und einem Bier“ in fünf Minuten reparieren. Er braucht dann aber doch drei Stunden und zwei Bier.
4. Der menschliche Körper
Wasser + Mensch + Strom = sehr niedriger Widerstand. Ergebnis: Keine gute Idee. (Ohm hätte das vermutlich als Fußnote erwähnt.)
🧠 Wie man sich das Ohmsche Gesetz besser merken kann
1. Die „Wasserrohr‑Analogie“
- Spannung = Wasserdruck
- Strom = Wassermenge
- Widerstand = Rohrdurchmesser
Je enger das Rohr, desto weniger Wasser kommt durch. Je mehr Druck, desto mehr fließt.
2. Die „Amateurfunk‑Analogie“
- Spannung = der Funkamateur, der unbedingt reden will
- Strom = die Menge an Worten, die tatsächlich rauskommen
- Widerstand = der Rest des Stammtisches, der versucht, ihn zu bremsen
Wenn der Widerstand hoch ist, redet er weniger. Wenn der Widerstand niedrig ist, redet er ununterbrochen. Wenn die Spannung hoch ist, redet er trotz Widerstand.
3. Die „Pizza‑Analogie“
- Spannung = Hunger
- Strom = Anzahl der gegessenen Stücke
- Widerstand = schlechtes Gewissen
Mehr Hunger → mehr Pizza. Mehr schlechtes Gewissen → weniger Pizza. Mehr Hunger und schlechtes Gewissen → Konflikt, der nur durch Nachtisch lösbar ist.
📡 Bezug zum Amateurfunk
Der typische Funkamateur kennt das Ohmsche Gesetz natürlich auswendig. Er erklärt es auch jedem – ob derjenige will oder nicht.
Beispielhafte Szene:
„Also Jungchen, dat Ohmsche Gesetz, dat is ganz einfach. Wenn du da 12 Volt draufgibst und der Widerstand 6 Ohm hat, dann fließen 2 Ampere. Dat weiß doch jeder! Ich hab dat schon gemessen, da warst du noch Quarz im Oszillator!“
Und dann zeigt er dir stolz einen selbstgebauten Dummy‑Load, der aussieht wie ein Heizlüfter aus dem Jahr 1952, aber angeblich „bis 500 Watt locker wegsteckt“. Tut er auch – allerdings in Form von Rauch.

🎯 Fazit
Das Ohmsche Gesetz ist simpel, aber fundamental. Es erklärt, warum Strom fließt, wie viel fließt und was passiert, wenn man Bauteile kombiniert. Es steckt in jedem Gerät, das wir benutzen – vom Toaster bis zum Funkgerät.
Und wer es einmal verstanden hat, kann nicht nur Schaltungen berechnen, sondern auch beim nächsten Amateurfunk‑Stammtisch souverän nicken, wenn der Oberstudienrat wieder erklärt, dass er das alles schon wusste, bevor Ohm überhaupt geboren wurde.
Apr. 14
Treffen am 16.04.2026, 17:00 Uhr
Ja, ist denn schon wieder Donnerstag?
Dann erinnern wir Dich an unser planmäßiges Treffen am kommenden Donnerstag, den 16.04.26, um 17:00 Uhr in der Friesdorfer Straße 197 (ganz oben, wo die Antennen wachsen!).
Du kommst doch? Es wird – wie jedes Treffen – unterhaltsam und informativ.
Apr. 12
WSPR – wenn Flüstern lauter ist als Schreien
Du kennst das: Auf dem OV-Abend wird wieder darüber gestritten, ob 100 W „QRP genug“ sind, und irgendwer erklärt dir, dass „früher mit einem nassen Bindfaden um den Balkon alles besser ging“. Währenddessen sitzen im Hintergrund ein paar Milliwatt und funken leise um die Welt. Das ist WSPR.

Was WSPR ist – und was es nicht ist
WSPR steht für „Weak Signal Propagation Reporter“ – eine digitale Betriebsart und ein Protokoll, das speziell dafür entwickelt wurde, extrem schwache Signale auszuwerten und damit Funkwellenausbreitung messbar zu machen.
Kernidee:
- Inhalt: Rufzeichen, Locator, Sendeleistung – mehr nicht.
- Zweck: Nicht „QSO machen“, sondern Ausbreitung beobachten.
- Prinzip: Viele Stationen senden automatisiert, viele empfangen automatisiert, alles landet in einer zentralen Datenbank (z.B. wsprnet.org).
Damit kannst du sehen:
- Welche Bänder gerade „offen“ sind.
- Welche Richtungen funktionieren.
- Wie sich Ausbreitung über den Tag, die Jahreszeit oder den Sonnenzyklus verändert.
WSPR ist also eher ein wissenschaftliches Messinstrument als eine klassische Betriebsart. Wer damit „Plaudern“ will, hat das Konzept ungefähr so verstanden wie jemand, der mit einem Oszilloskop versucht, E-Mails zu schreiben.

Wo WSPR eingesetzt wird
Typische Anwendungen:
- Ausbreitungsstudien: Wie weit komme ich mit 200 mW auf 20 m? Welche Dämpfung bringt die Nacht?
- Antennenvergleich: Zwei Antennen, gleiche Leistung, gleiche Zeit – welche wird häufiger und weiter gehört?
- QRP- und Minimal-Setups: WSPR ist brutal ehrlich: Wenn deine „Wunderantenne“ nichts taugt, zeigt dir das WSPR gnadenlos.
- Feldversuche und Portabelbetrieb: Kleine Sender, einfache Antennen, Powerbank – und du siehst trotzdem, ob dein Setup „funktioniert“.
Kurz: WSPR ist das Gegenteil von „gefühlt geht das gut“ – es liefert dir harte Daten, die dem Bauchgefühl der Besserwisser gern mal ins Gesicht springen.
Die Erfinder – und warum sie Respekt verdienen
WSPR stammt aus der Feder von Joseph Hooton Taylor Jr., K1JT, Nobelpreisträger für Physik (Pulsare, Gravitationswellen, so Kleinkram) und Funkamateur.
Er hat eine ganze Familie von digitalen Betriebsarten geschaffen (WSJT, JT65, FT8, usw.), alle mit einem Ziel: extrem schwache Signale zuverlässig dekodieren. WSPR ist dabei die Variante, die speziell auf Ausbreitungsbeobachtung optimiert ist.
Die Software ist Open Source, wird von einem kleinen Entwicklerteam weiter gepflegt und läuft auf praktisch allem, was eine Soundkarte und ein halbwegs funktionierendes Betriebssystem hat.
Während also manche im Shack noch darüber diskutieren, ob ein Computer „echter Amateurfunk“ ist, haben Taylor & Co. längst dafür gesorgt, dass ein paar Milliwatt mit mathematischer Präzision um den Globus flüstern.
Wie ein WSPR-Signal aufgebaut ist.
Ein WSPR-Signal klingt wie ein leicht nerviger, sehr schmalbandiger Ton, der über knapp zwei Minuten ganz langsam seine Frequenz ändert. Hinter diesem scheinbar simplen „Pfeifen“ steckt eine ziemlich raffinierte Struktur.

Grundstruktur einer Aussendung
- Dauer: ca. 2 Minuten (etwa 110–120 Sekunden reine Nutzdauer).
- Startzeit: Immer kurz nach einer geraden Minute (z.B. 12:00:01 UTC).
- Bandbreite: Nur wenige Hertz – typischerweise um 6 Hz.
- Inhalt:
- Rufzeichen
- Locator (4-stellig)
- Sendeleistung in dBm
Diese Informationen werden komprimiert, codiert und mit Fehlerkorrektur versehen, sodass am Ende eine relativ kleine Datenmenge entsteht, die extrem robust übertragen werden kann.
Die Modulation von WSPR – 4-FSK im Schneckentempo
WSPR verwendet 4-FSK, also eine Frequenzumtastung mit vier verschiedenen Tonfrequenzen.
Was bedeutet 4-FSK hier konkret?
- Vier Töne: Das Signal springt zwischen vier sehr eng beieinanderliegenden Frequenzen hin und her.
- Symbolrate: Die Frequenz wird nur wenige Male pro Sekunde geändert – jedes „Hüpfen“ entspricht einem Symbol.
- Extrem schmalbandig: Durch die geringe Symbolrate und die kleinen Frequenzabstände bleibt die gesamte Aussendung in einem winzigen Frequenzfenster.
Die eigentliche Kunst passiert aber nicht in der HF, sondern in der Signalverarbeitung:
- Die Daten werden stark komprimiert.
- Es wird eine Vorwärtsfehlerkorrektur eingesetzt.
- Der Empfänger nutzt lange Integrationszeiten und schlaue Algorithmen, um das Signal weit unterhalb des Rauschens herauszuziehen.
Ergebnis: WSPR-Signale können noch dekodiert werden, wenn sie deutlich unter der Hörschwelle liegen – typischerweise bis etwa 20–30 dB unter dem Rauschen in einem 2,5 kHz-Audiofenster.
Oder anders gesagt: Während der „Alles-Könner“ im Shack behauptet, „da ist nix zu hören“, hat WSPR längst 50 Spots in 10 000 km Entfernung gesammelt.
Vor- und Nachteile der WSPR-Modulation (4-FSK + FEC)
Technische Bewertung in Tabellenform
| Aspekt | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Bandbreite | Extrem schmal, nur wenige Hertz – sehr effizient im Spektrum. | Nicht für hohe Datenraten geeignet, nur Minimalinformationen. |
| Empfindlichkeit | Dekodierbar weit unterhalb der Hörschwelle. | Erfordert exakte Frequenz- und Zeitsynchronisation. |
| Robustheit | Fehlerkorrektur macht das System sehr tolerant gegenüber Störungen. | Wenn es zu gestört ist, gibt es keine „halben“ Dekodierungen – alles oder nichts. |
| Implementierung | Relativ einfach mit SSB-TRX + Soundkarte realisierbar. | Präzise Taktung und Frequenzstabilität sind Pflicht, Billig-Quarze können nerven. |
| Ausbreitungsanalyse | Ideal für statistische Auswertung und globale Karten. | Für echte Kommunikation (Dialog) ungeeignet. |
| Leistungsbedarf | Funktioniert mit wenigen Milliwatt – perfekt für QRP und Solar. | Hohe Sendeleistung ist sinnlos, aber wird trotzdem gern „aus Prinzip“ genutzt. |
| Betriebsabwicklung | Vollautomatisierbar, 24/7-Betrieb möglich. | Wer „Funkgespräch“ erwartet, wird bitter enttäuscht – es funkt ohne dich. |
| HF-Sauberkeit | Schmalbandig, gut kontrollierbar, wenig Nebenaussendungen bei sauberem Setup. | Schlechte Soundkarten, falsche Pegel oder übersteuerte PA ruinieren alles. |
Praktische Konsequenzen – was WSPR dir wirklich sagt
1. Deine Antenne lügt nicht – du schon eher
Mit WSPR kannst du sehr nüchtern testen:
- Wie oft wirst du auf welchem Band gehört?
- In welchen Entfernungen?
- Mit welcher Sendeleistung?
Wenn deine „supergeheime Balkonantenne“ mit 5 W WSPR weltweit kaum Spots erzeugt, liegt das Problem selten an der Ionosphäre.
2. Leistung ist nicht alles
WSPR zeigt gnadenlos:
- Ein sauberer, stabiler Sender mit 200 mW und einer brauchbaren Antenne schlägt oft den 100 W-Brüllwürfel mit schlecht angepasster Drahtsalat-Konstruktion.
- Wer „mehr Leistung“ als Allheilmittel predigt, ignoriert, dass WSPR mit Milliwatt Reichweiten erzielt, von denen manche SSB-Station nur träumen.
3. Besserwisser-Filter
WSPR ist ein wunderbares Werkzeug, um Aussagen wie:
„Mit der Antenne kommst du niemals über 500 km!“
durch einen einfachen Blick auf die WSPR-Karte zu entkräften. Wenn die Spots aus Übersee im Log stehen, ist die Diskussion meist schneller vorbei als der nächste OV-Klönschnack.
Typischer WSPR-Workflow – vom Shack zur Weltkarte
Ohne in Konfigurationsorgien abzudriften, sieht ein typischer Ablauf so aus:
- Transceiver: SSB-fähiger TRX, stabil in Frequenz, möglichst sauberer TX.
- Audio-Schnittstelle: Soundkarte (intern, USB, Interface) zwischen PC und TRX.
- Software: WSJT-X oder kompatible Programme, WSPR-Modus auswählen.
- Taktung: Systemuhr per NTP oder GPS sauber synchronisieren – Sekundenfehler sind tödlich.
- Betrieb:
- Sendeleistung einstellen (ehrlich, nicht „gefühlt“).
- Band wählen, Frequenz in den WSPR-Bereich setzen.
- Automatik laufen lassen – Sende-/Empfangszyklen im 2-Minuten-Raster.
- Auswertung:
- Spots auf wsprnet.org oder ähnlichen Diensten ansehen.
- Karten, Statistiken, Zeitverläufe interpretieren.
Und ja: Das Ganze funktioniert auch komplett empfangsseitig – ein reiner WSPR-Empfänger ist ein hervorragendes Werkzeug, um die Ausbreitung zu beobachten, ohne selbst zu senden.
WSPR als Reality-Check im Amateurfunk
WSPR ist im Kern eine freundliche, aber sehr direkte Antwort auf viele liebgewonnene Mythen im Hobby:
- „Man muss mindestens 100 W fahren, sonst geht da nix.“
- „Meine Antenne geht super, ich hab da mal einen aus Spanien gearbeitet.“
- „Digital ist doch kein richtiger Funk.“
WSPR sagt:
- Mit Milliwatt geht sehr viel – wenn Antenne, Standort und Technik stimmen.
- Eine einzelne Anekdote ersetzt keine Statistik.
- Digitale Signalverarbeitung ist kein Verrat am Hobby, sondern dessen logische Weiterentwicklung.
Wer das nicht mag, kann natürlich weiter behaupten, dass früher alles besser war. Der Rest schaut sich währenddessen in Ruhe die WSPR-Karte an und sieht in Echtzeit, wie die Welt funkt.
Apr. 08
Die Rauschzahl – Der unsichtbare Endgegner im Empfangssystem
Ein technisch anspruchsvoller, leicht schwarzhumoriger Deep‑Dive für Funkamateure, SDR‑Nerds und CB‑Funker, die glauben, dass „mehr Watt“ jedes Problem löst.

1. Warum wir über die Rauschzahl reden müssen
Die Rauschzahl ist die stille, aber gnadenlose Instanz, die entscheidet, ob du ein schwaches Signal hörst – oder nur das akustische Äquivalent eines tropfenden Wasserhahns in einer Blechdose. Sie bestimmt, wie viel Eigenrauschen ein Gerät erzeugt und wie sehr es das Signal‑Rausch‑Verhältnis verschlechtert.
Und ja, sie ist wichtiger als die Frage, ob dein Funkkollege auf 80 m wieder mit 2 kW „QRP“ unterwegs ist.
2. Was die Rauschzahl wirklich bedeutet
Ein idealer Verstärker würde das SNR unverändert lassen. Ein realer Verstärker tut das nicht – er fügt Rauschen hinzu. Die Rauschzahl beschreibt genau diese Verschlechterung.
- 1 dB → hervorragend
- 2 dB → gut
- 3 dB → brauchbar
- > 5 dB → klingt wie ein CB‑Funker, der sein Mikrofon in eine Popcornmaschine hält
Im Hintergrund wirken thermische Effekte, Elektronenbewegung und unvermeidbare physikalische Prozesse. Kurz: Die Natur rauscht. Und sie tut das völlig ohne Rücksicht auf deine DX‑Ambitionen.
3. Die Physik dahinter – verständlich, aber nicht banal
Jedes Bauteil erzeugt thermisches Rauschen. Es entsteht durch die zufällige Bewegung von Elektronen. Je höher die Temperatur und je größer die Bandbreite, desto mehr Rauschen.
Das bedeutet:
- Ein kalter LNA rauscht weniger als ein heißer
- Ein schmalbandiger Empfänger rauscht weniger als ein breitbandiger
- Und ein CB‑Funker rauscht immer – unabhängig von Temperatur und Bandbreite
4. Die Mathematik – ohne Formeln, aber mit Substanz
Die Rauschzahl vergleicht:
- SNR am Eingang mit
- SNR am Ausgang
Das erste aktive Bauteil in der Kette bestimmt fast die gesamte System‑Rauschzahl. Das ist die berühmte Friis‑Regel – oder wie Funkamateure sagen:
„Wenn der erste Verstärker Mist ist, bleibt alles Mist.“
5. Vergleichstabelle: Rauschzahlen verschiedener Geräte
| Gerätetyp | Typische Rauschzahl | Bedeutung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| LNB (Sat) | 0,1–0,7 dB | extrem wichtig | Marketingwerte sind oft optimistisch wie ein CB‑Funker vor der Polizei |
| Mastvorverstärker (VHF/UHF) | 1–2 dB | sehr gut | Ideal für DX und schwache Signale |
| HF‑Vorverstärker (Hamradio) | 0,5–2 dB | entscheidend | Pflicht für EME, Meteor Scatter, Weak‑Signal |
| SDR‑Empfänger | 3–10 dB | mittelmäßig | SDRs leben von guten LNAs davor |
| CB‑Funk‑Empfänger | 5–8 dB | ausreichend | Die Nutzer sind lauter als das Rauschen |
| Billig‑Vorverstärker aus dem Internet | 4–12 dB | katastrophal | Verstärkt alles – außer dem Nutzsignal |
6. Warum die Rauschzahl im Amateurfunk so wichtig ist
6.1. Schwache Signale sind Alltag
Ob EME, QRP, Satellit oder einfach nur „ich will Island hören“ – das Signal ist oft winzig. Wenn dein Empfänger 5 dB NF hat, aber das Signal nur 2 dB über dem Grundrauschen liegt, hörst du:
Nichts. Absolut nichts. (Außer vielleicht den Nachbarn, der wieder mit 500 W auf 11 m „legal“ funkt.)
6.2. Der Vorverstärker ist der König
Ein guter LNA mit niedriger Rauschzahl entscheidet über Erfolg oder Frust. Er bestimmt, ob dein SDR ein DX‑Signal sieht – oder nur ein weißes Rauschteppich‑Gemälde.
6.3. CB‑Funk und die Rauschzahl
Im CB‑Funk ist die Rauschzahl oft zweitrangig, weil:
- die Bandbreite groß ist
- die Gerätequalität… flexibel ist
- und die Nutzer ohnehin lauter sind als jedes Rauschen
7. Wie man die Rauschzahl verbessert
7.1. Das erste Glied optimieren
- LNA direkt an der Antenne
- LNB mit niedriger NF
- Mastnaher Vorverstärker
7.2. Verluste vor dem Verstärker vermeiden
Jeder dB Verlust vor dem LNA erhöht die effektive Rauschzahl dramatisch.
Also:
- kurze Koaxwege
- hochwertige Stecker
- keine unnötigen Filter vor dem LNA
- und bitte kein „Baumarkt‑Koax, das schon beim Auspacken rauscht“
7.3. Antenne verbessern
Eine bessere Antenne verbessert das SNR vor dem Verstärker. Das ist die eleganteste Lösung – und die, die Funkamateure am seltensten wählen, weil:
„Warum eine bessere Antenne bauen, wenn man stattdessen 12 Vorverstärker in Serie schalten kann?“
7.4. Temperatur niedrig halten
Kühlere Bauteile rauschen weniger. Aber bitte keine LNAs in den Kühlschrank legen – Kondenswasser ist ein schlechter HF‑Leiter.
8. Fazit: Die Rauschzahl ist der heimliche Boss
Die Rauschzahl entscheidet, ob du:
- ein schwaches DX‑Signal hörst
- oder nur das Eigenrauschen deines Empfängers
- oder den CB‑Funker aus dem Nachbardorf, der wieder „Test, Test“ ruft
Sie ist die wichtigste Kenngröße für:
- Vorverstärker
- Empfänger
- SDRs
- LNBs
- jedes ernsthafte Empfangssystem
Wer die Rauschzahl versteht, versteht den Funk. Wer sie ignoriert, hört nur Rauschen – und gelegentlich den eigenen Frust.
Apr. 05
Die G5RV – eine Antenne zwischen Genie und Wahnsinn
Ein technischer, aber unterhaltsamer Blick auf einen Klassiker, der seit Jahrzehnten mehr Diskussionen auslöst als jedes neue Icom‑Firmware‑Update.

1. Ein kurzer Blick zurück: Die Geschichte der G5RV
Die G5RV‑Antenne wurde in den 1940er‑Jahren von Louis Varney (G5RV) entwickelt – einem Mann, der offenbar beschlossen hatte, dass Funkamateure ruhig ein bisschen leiden dürfen, solange sie dafür eine Multiband‑Antenne bekommen. Ursprünglich war sie für 20 Meter optimiert, aber wie so oft im Amateurfunk wurde sie später zum „Multiband‑Wunder“ verklärt, das angeblich alles kann – außer Kaffee kochen.
Varney selbst hätte vermutlich gelacht, wenn er wüsste, wie viele Funkamateure heute glauben, die G5RV sei eine Art heilige Antenne, die nur funktioniert, wenn man sie exakt nach Mondphase und Sternzeichen ausrichtet.
2. Das technische Prinzip – Physik ohne Kopfweh
Die G5RV ist im Kern ein symmetrisch gespeister Dipol, aber mit einem entscheidenden Zusatz:
Der Trick: ein definierter Abschnitt Hühnerleiter als Impedanztransformator
Die Konstruktion besteht aus:
- einem 31‑m‑Dipol (für die klassische Full‑Size‑Version)
- einem Hühnerleiter‑Stück von ca. 10,36 m
- einem Übergang auf Koaxkabel
Der Hühnerleiter wirkt als Impedanztransformator, der auf mehreren Bändern brauchbare Anpassungen erzeugt. Das ist kein Zauber, sondern clevere HF‑Technik: Die Leitungslänge ist so gewählt, dass sie auf 20 m eine günstige Impedanz liefert – und auf anderen Bändern zumindest etwas, das ein Tuner nicht sofort in die Knie zwingt.
Warum funktioniert das?
- Der Dipol ist auf 20 m nahezu resonant.
- Die Hühnerleiter transformiert die Impedanz so, dass das Koaxkabel nicht sofort weinend davonläuft.
- Auf anderen Bändern entstehen Oberwellenmoden, die der Tuner meist noch bändigen kann.
Kurz gesagt: Die G5RV ist ein HF‑Kompromiss, aber ein erstaunlich gut funktionierender.
3. Die Stärken der G5RV – wo sie glänzt
1. 20‑Meter‑Band: Ihr Heimatplanet
Hier spielt sie ihre volle Stärke aus. Effizient, sauber, gutmütig – fast so, als hätte Varney sie genau dafür gebaut. (Spoiler: Hat er.)
2. 40 m und 80 m: brauchbar bis gut
Mit einem ordentlichen Tuner liefert sie solide Ergebnisse. Nicht perfekt, aber absolut praxistauglich.
3. 15 m, 12 m, 10 m: überraschend effektiv
Dank Oberwellenmoden funktioniert sie auf vielen höheren Bändern erstaunlich gut. Manchmal sogar besser als moderne Multiband‑Drahtmonster, die aussehen wie ein UFO‑Fangnetz.
4. Platzbedarf: moderat
31 m Gesamtlänge sind nicht winzig, aber im Vergleich zu Voll‑Resonanz‑Antennen für 80 m ist die G5RV fast schon „kompakt“.

4. Auf welchen Bändern arbeitet die G5RV effektiv?
| Band | Effektivität | Bemerkung |
|---|---|---|
| 80 m | mittel | Tuner Pflicht, aber brauchbar |
| 40 m | gut | gute Abstrahlung, stabile Leistung |
| 30 m | mittel | funktioniert, aber nicht optimal |
| 20 m | sehr gut | das Band, für das sie gebaut wurde |
| 17 m | mittel | Tuner nötig |
| 15 m | gut | Oberwellenbetrieb |
| 12 m | gut | ebenfalls Oberwellen |
| 10 m | gut | oft erstaunlich effektiv |
Die G5RV ist also keine „Allband‑Antenne“, aber eine Multiband‑Antenne mit klaren Stärken.
5. Tiefschwarzer Humor aus der HF‑Hölle
Die G5RV ist eine Antenne, die Funkamateure in zwei Lager spaltet:
- Die einen schwören, sie sei die beste Drahtantenne seit der Erfindung des Kupfers.
- Die anderen behaupten, sie sei ein HF‑Verbrechen, das nur mit einem Tuner und einem Exorzisten funktioniert.
Die Wahrheit liegt – wie so oft im Amateurfunk – irgendwo dazwischen.
Und während moderne Funkamateure über SDR‑Technik, digitale Modi und 4‑kW‑Endstufen philosophieren, hängt die G5RV stoisch im Garten und denkt sich:
„Ich war schon Multiband, als ihr noch mit dem Lötkolben die Finger verbrannt habt.“
6. Fazit – warum die G5RV bis heute beliebt ist
Die G5RV ist:
- technisch clever
- historisch bedeutsam
- erstaunlich leistungsfähig
- und ein hervorragender Kompromiss für Multibandbetrieb
Sie ist keine Wunderantenne, aber eine ehrliche, robuste und effektive Lösung für Funkamateure, die viele Bänder mit einem einzigen Draht abdecken wollen – ohne dass der Garten aussieht wie ein Antennen‑Friedhof.
Und sie erinnert uns daran, dass Amateurfunk nicht nur aus perfekter Technik besteht, sondern auch aus Tradition, Pragmatismus und einer guten Portion Selbstironie.
Apr. 02
🧪 Messaufbau: Resonanz und Impedanz einer 40 m‑Antenne mit NanoVNA
🔧 Ziel:
- Resonanzfrequenz finden
- Impedanzverlauf analysieren
- SWR‑Minimum bestimmen
- Anpassung bewerten
- Mythos „SWR 1:1 = perfekt“ entlarven
🧰 Was du brauchst
| Komponente | Zweck |
|---|---|
| NanoVNA (z. B. H4 oder V2) | HF‑Messgerät für S11 (Reflexion) |
| Kalibrierset (Open/Short/Load) | Genauigkeit sicherstellen |
| SMA‑Adapter auf PL/N/BNC | Anschluss an Antenne/Kabel |
| Kurzes Koaxkabel (z. B. RG316) | Verbindung NanoVNA ↔ Antenne |
| Powerbank oder USB‑Strom | Mobilbetrieb |
| NanoVNA‑Saver Software (PC) | Komfortable Auswertung |
| Optional: Mantelwellensperre | Störungsarm messen |
📡 Aufbau Schritt für Schritt
1. Kalibrierung
- Frequenzbereich: z. B. 6,9–7,3 MHz (für 40 m)
- Menü:
CAL→Reset→Calibrate - Nacheinander anschließen:
- OPEN → nichts angeschlossen
- SHORT → Kurzschluss
- LOAD → 50 Ω Abschluss
- Kalibrierung speichern (z. B.
Save 0)
💀 CB‑Funker würden hier schon aufgeben, weil „das Ding keine Knöpfe hat“.
2. Antenne anschließen
- Koaxkabel vom NanoVNA an die Antenne
- Möglichst direkt am Fußpunkt, nicht im Shack
- Mantelwellensperre dazwischen, falls nötig
3. Messung starten
- Anzeige:
SWR,Impedanz,Smith‑Chart - Frequenz sweepen: z. B. 6,9–7,3 MHz
- Beobachten:
- Wo liegt das SWR‑Minimum?
- Wie sieht die Impedanzkurve aus?
- Ist die Antenne resonant oder nur „ruhig“?
4. Auswertung
| Parameter | Bedeutung | Interpretation |
|---|---|---|
| SWR < 2 | brauchbar angepasst | gut für Praxis |
| Z ≈ 50 Ω | perfekte Anpassung | selten, aber möglich |
| Z = 200–600 Ω | hochohmig, evtl. für Tuner gedacht | G5RV‑Alarm |
| Imaginärteil ≠ 0 | kapazitiv/induktiv → nicht resonant | Anpassnetzwerk nötig |
🧠 Viele Funkamateure glauben, dass ein SWR‑Minimum automatisch Resonanz bedeutet. Der NanoVNA zeigt dir, dass das oft nur ein „Zufall durch Koax‑Verluste“ ist.
5. Optimierung
- Antenne zu kurz? → Verlängern
- Antenne zu lang? → Kürzen
- Impedanz zu hoch? → Balun/Unun einsetzen
- SWR‑Minimum außerhalb Band? → Länge anpassen oder Tuner verwenden
🧠 Was du daraus lernst
- Deine Antenne ist nicht „gut“, weil das SWR‑Meter ruhig bleibt
- Die Impedanz ist oft weit weg von 50 Ω
- Der NanoVNA zeigt dir, ob du wirklich sendest – oder nur heizt
- Du erkennst, ob dein Tuner „rettet“ oder nur „versteckt“
März 30
Treffen am Karsamstag, den 04.04.2026, 12:00 Uhr
Erinnerung!
Am Karsamstag, den 04.04.2026, 12:00 Uhr findet unser planmäßiges Treffen statt. Besondere Aktivitäten sind hier nicht bekannt. Aber man muss ja auch nicht immer einen triftigen Grund haben, um gemütlich zusammen zu kommen.
Bis dahin!
März 29
NanoVNA – Der kleine chinesische Spiegel, der deiner Antenne die Wahrheit sagt
Ein technischer, praxisnaher Leitfaden mit tiefem Schwarzhumor für alle, die mehr messen wollen als nur SWR‑Balken auf einem Baumarkt‑Stehwellenmeter.

1. Einleitung: Was ein VNA überhaupt macht – und warum der NanoVNA mehr kann als so mancher Funkamateur
Ein Vektorieller Netzwerkanalysator (VNA) misst, wie ein System auf HF‑Signale reagiert. Konkret kann er:
- Reflexionen messen (S‑Parameter, vor allem S11)
- Durchgang messen (z. B. Filter, Verstärker, S21)
- Impedanz bestimmen (Widerstand, Induktivität, Kapazität)
- Anpassung bewerten (SWR, Return Loss, Smith‑Diagramm)
Der NanoVNA ist die „China‑Version“ eines teuren Labor‑VNAs – nur kleiner, bunter und mit mehr Plastik. Er ist:
- erstaunlich leistungsfähig
- unfassbar preiswert
- manchmal zickig
- und gnadenlos ehrlich zu deiner Antenne
Kurz gesagt:
Der NanoVNA zeigt dir, dass deine „perfekt abgestimmte“ Antenne in Wahrheit ein Heizstrahler mit Funkambitionen ist.
2. Stärken und Schwächen des NanoVNA
2.1 Stärken
- Preis: Für den Gegenwert eines mittelmäßigen Handmikrofons bekommst du ein Messgerät, das früher nur Labore hatten.
- Frequenzbereich: Je nach Version typischerweise bis 900 MHz, 1,5 GHz oder 3 GHz.
- Funktionalität: SWR, Impedanz, Smith‑Chart, S‑Parameter, Filtermessung, Kabelmessung, Resonanzsuche.
- Portabel: Akku, klein, direkt an der Antenne nutzbar.
- PC‑Anbindung: Mit Software wird er zum „Mini‑Labor“.
2.2 Schwächen
- Genauigkeit: Kein High‑End‑Laborgerät. Für Amateurfunk und Praxis aber mehr als ausreichend.
- Displaygröße: Das interne Display ist eher „Augenarzt‑Test“ als Komfortanzeige.
- Bedienung: Menüs sind manchmal… sagen wir „chinesisch inspiriert“.
- HF‑Leistung: Ausgangsleistung ist gering – gut für Bauteile, schlecht für Leute, die „mit dem NanoVNA mal eben die Endstufe testen“ wollen.
3. Was man mit einem NanoVNA alles messen kann – Übersicht
3.1 Vergleichstabelle: Messmöglichkeiten mit dem NanoVNA
| Messaufgabe | Möglich? | Port(e) | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| SWR von Antennen | Ja | CH0 (S11) | Antennenbau, Abstimmung, Fehlersuche |
| Impedanz von Antennen | Ja | CH0 | Anpassung, Resonanzfrequenz |
| Kabellänge und Fehlerstelle | Ja | CH0 | Koax prüfen, Bruchstellen finden |
| Dämpfung von Kabeln | Ja | CH0/CH1 | Qualitätsprüfung, Vergleich alt/neu |
| Filtercharakteristik (Bandpass etc.) | Ja | CH0→CH1 | Selbstbaufilter, Kaufteile prüfen |
| Resonanz von Spulen/Kondensatoren | Ja | CH0 | Bauteilprüfung, Eigenresonanz |
| Duplexer/Weichen testen | Ja | CH0/CH1 | Relaisstellen, Multiband‑Setups |
| Baluns/Ununs messen | Ja | CH0 | Übertragungsverhältnis, Bandbreite |
| Verstärker‑Durchgang (nur S21, keine Leistung!) | Eingeschränkt | CH0→CH1 | Kleinsignal‑Gain, Frequenzgang |
| SWR‑Brücken ersetzen | Ja | CH0 | Deutlich genauer als „Zeiger wackelt“‑Messgeräte |
4. Was du für den sinnvollen Einsatz brauchst
4.1 Grundausstattung
- NanoVNA (möglichst eine Version mit halbwegs seriöser Firmware)
- Kalibrierset: Open, Short, Load (meist beigelegt)
- Koaxadapter: SMA auf PL, N, BNC etc.
- Gute Koaxkabel: Kurz, hochwertig, mit vernünftigen Steckern
- PC‑Software (z. B. NanoVNA‑Saver) für komfortable Auswertung
4.2 Optional, aber sehr empfehlenswert
- Dämpfungsglieder (z. B. 10–30 dB)
- Messbrücke / Directional Coupler (für spezielle Setups)
- Mechanische Halterung oder Stativ für den NanoVNA
- Externe Stromversorgung (Powerbank, USB)
Und ganz wichtig:
Geduld. Der NanoVNA misst ehrlich – aber er erklärt dir nicht, warum deine Antenne schlecht ist. Das musst du schon selbst herausfinden.

5. Praxisbeispiel 1: Antenne messen und abstimmen
5.1 Ziel
- SWR‑Verlauf über ein Band messen
- Resonanzfrequenz finden
- Anpassung verbessern
5.2 Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung
Schritt 1: Kalibrierung
- Frequenzbereich einstellen, z. B. 3–4 MHz für 80 m oder 6,9–7,3 MHz für 40 m.
- Im Menü CAL → „Reset“ → „Calibrate“.
- Nacheinander an CH0 anschließen:
- OPEN (nichts angeschlossen oder Open‑Standard)
- SHORT (Kurzschluss‑Standard)
- LOAD (50‑Ohm‑Abschluss)
- Kalibrierung speichern (Save 0–4).
Schritt 2: Antenne anschließen
- Antenne über kurzes, gutes Koax an CH0 anschließen.
- Messbereich prüfen: SWR‑Kurve, Impedanz, ggf. Smith‑Chart anzeigen.
Schritt 3: Auswertung
- Resonanzfrequenz: Dort, wo der reelle Anteil nahe 50 Ω liegt und der imaginäre Anteil nahe 0.
- SWR‑Minimum: Idealerweise im gewünschten Bandbereich.
- Bandbreite: Bereich, in dem SWR < 2 liegt.
Schritt 4: Optimierung
- Antenne verlängern → Resonanzfrequenz sinkt
- Antenne verkürzen → Resonanzfrequenz steigt
- Anpassnetzwerk (L‑Glied, T‑Netzwerk, Balun) anpassen
Und ja:
Der NanoVNA zeigt dir gnadenlos, dass deine „für alle Bänder perfekte“ G5RV in Wahrheit auf manchen Bändern eher ein Heizlüfter ist.
6. Praxisbeispiel 2: Koaxkabel prüfen – Länge und Fehlerstelle
6.1 Ziel
- Kabellänge bestimmen
- Bruchstellen oder schlechte Stecker finden
6.2 Schritt‑für‑Schritt
Schritt 1: Frequenzbereich wählen
- Einen Bereich wählen, in dem das Kabel elektrisch „sichtbar“ ist, z. B. 1–100 MHz.
Schritt 2: Kalibrieren (CH0)
- Kurzkalibrierung mit Open/Short/Load.
Schritt 3: Kabel anschließen
- Ein Ende an CH0, das andere offen lassen oder kurzschließen.
Schritt 4: TDR‑ähnliche Auswertung
Mit geeigneter Software (z. B. NanoVNA‑Saver) kann man aus der Phasenlage und Resonanzen die Kabellänge bestimmen. Alternativ:
- Resonanzabstände auswerten
- Geschwindigkeit im Kabel (Verkürzungsfaktor) berücksichtigen
Praktischer Nutzen:
- „Ist das alte Kabel noch gut?“
- „Wo ist der Knick, den ich vor drei Wintern reingezogen habe?“
7. Praxisbeispiel 3: Bandpassfilter messen
7.1 Ziel
- Durchlassbereich
- Flankensteilheit
- Dämpfung außerhalb des Bandes
7.2 Aufbau
- CH0 → Eingang des Filters
- Ausgang des Filters → CH1
7.3 Schritt‑für‑Schritt
- Frequenzbereich wählen, z. B. 1–50 MHz.
- Zweitor‑Kalibrierung (CH0/CH1) durchführen.
- Filter anschließen.
- Anzeige auf S21 (Durchgang) stellen.
- Kurve auswerten:
- Maximale Durchlassdämpfung
- Bandbreite
- Dämpfung im Sperrbereich
So findest du heraus, ob dein „super steiler China‑Bandpassfilter“ wirklich filtert – oder nur hübsch aussieht.
8. Praxisbeispiel 4: Balun/Unun testen
8.1 Ziel
- Übertragungsverhältnis
- Bandbreite
- Anpassung
8.2 Vorgehen
- Balun an CH0 anschließen, sekundärseitig mit 50 Ω (oder entsprechendem Ersatzwiderstand) abschließen.
- Frequenzbereich wählen (z. B. 1–30 MHz).
- Impedanzverlauf und SWR messen.
- Prüfen, ob das gewünschte Übersetzungsverhältnis (z. B. 1:4, 1:9) im relevanten Bereich halbwegs konstant ist.
So erkennst du, ob dein Balun ein HF‑Bauteil ist – oder nur ein hübsch gewickelter Ferritklotz.
9. Übersicht: Was der NanoVNA in der Praxis bringt
| Anwendung | Nutzen | Typischer Aha‑Effekt |
|---|---|---|
| Antennenmessung | SWR, Resonanz, Anpassung | „Meine Antenne war nie resonant, nur geduldig.“ |
| Kabelprüfung | Länge, Dämpfung, Fehlerstellen | „Das Koax ist der eigentliche Dummy Load.“ |
| Filtermessung | Durchlass, Sperrbereich, Flanken | „Der teure Filter ist nur ein Deko‑Bauteil.“ |
| Balun/Unun‑Test | Übersetzung, Bandbreite | „Mein 1:9‑Unun ist eher 1:irgendwas.“ |
| Bauteilresonanz | Spulen, Kondensatoren, Eigenresonanzen | „Die Spule ist bei 20 MHz schon eine Antenne.“ |
| Relaisstellen/Weichen | Isolation, Durchgang, Frequenzverhalten | „Der Duplexer ist eher ein Triplexer ins Chaos.“ |
10. Fazit: Der NanoVNA als ehrlicher Spiegel deiner HF‑Realität
Der NanoVNA ist kein Spielzeug – auch wenn er so aussieht. Er ist ein extrem mächtiges Werkzeug, das:
- Antennenmythen zerstört
- Koax‑Legenden entlarvt
- Filterromantik beendet
- und Balun‑Esoterik auf den Boden der Tatsachen holt
Er zwingt dich, HF nicht zu glauben, sondern zu messen. Und genau das unterscheidet den „Knopf‑Dreher“ vom Techniker.
Wer den NanoVNA beherrscht, baut bessere Antennen, versteht seine Station und hört mehr als nur Rauschen und CB‑Gequake. Wer ihn ignoriert, bleibt bei:
„SWR ist 1:1, also muss alles gut sein.“
März 28
Persönlichkeiten des Amateurfunk: DL3SO Rudolf Binz
Rudolf Binz (DL3SO) — Funkpionier, Ingenieur und internationaler Frequenzexperte. Entdecken Sie auf unserer Seite das Leben eines Mannes, der Amateurfunk nicht nur als Hobby, sondern als Brücke zwischen Menschen und Nationen lebte — und als einer der Wegbereiter der IGAFU‑Bonn die Grundlagen für heutige Hilfs‑ und Koordinationsnetze mitprägte.
Hier die PDF, welche er uns damals zu Verfügung stellte.
