
Einleitung
Funkamateure lieben das Rauschen – solange es vom Ionosphärenflüstern kommt und nicht vom Billig-Schaltnetzteil des Nachbarn. Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) ist im Amateurfunk kein akademisches Randthema, sondern tägliche Realität. Wer schon einmal versucht hat, ein schwaches DX-Signal aus einem Teppich aus Brummen, Knattern und Sägezahn zu ziehen, weiß: Störungen sind wie Zombies – sie kommen immer wieder, und sie vermehren sich.
Typische Störquellen im Alltag
- Solaranlagen: Wechselrichter sind wahre HF-Schleudern. Billige Modelle ohne Filterung verwandeln das 20 m-Band in ein Dauerfeuer aus Sägezahn.
- Schaltnetzteile: Vom Handy-Ladegerät bis zum LED-Netzteil. Klein, effizient – und manchmal lauter als ein russischer Zahlensender.
- LED-Beleuchtung: Spart Strom, aber produziert oft mehr HF als Licht.
- PLC-Adapter (Powerline Communication): Daten über Stromleitungen – für Funkamateure die akustische Entsprechung von Kreide auf der Tafel.
- Billige Elektronik aus Fernost: Wenn das CE-Zeichen aussieht wie „China Export“, weißt du, was die Stunde geschlagen hat.

Praktischer Ratgeber: Störungen aufspüren mit Amateurmitteln
1. Erste Diagnose
- Ohren auf: Mit dem Empfänger quer durchs Band drehen. Typische Muster:
- Brummen bei 50 Hz-Multiplen → Netzteil.
- Breitbandiges Rauschen → Solaranlage oder PLC.
- „Sägezahn“-Spektrum → Schaltnetzteil.
- Zeitliche Muster: Tritt die Störung nur tagsüber auf? Dann grüßt die Solaranlage. Nur abends? Wahrscheinlich LED-Licht oder TV.
2. Mobil werden
- Handfunkgerät oder tragbarer Empfänger mit Ferritstab oder kleiner Loop.
- Richtwirkung nutzen: Drehen, peilen, Signalstärke vergleichen.
- Stromkreis-Test: Sicherungen im Haus einzeln ausschalten. Wenn das Störsignal verschwindet, hast du den Übeltäter im eigenen Netz.
3. Kreative Hilfsmittel
- Portabler SDR-Stick am Laptop oder Tablet – Spektrum sichtbar machen.
- Kopfhörer: Feinste Unterschiede im Störgeräusch werden hörbar.
- Ferritkerne: Nicht nur zum Entstören, auch als improvisierte Peilantenne nutzbar.
4. Dokumentation
- Frequenz, Uhrzeit, Signalstärke notieren.
- Screenshots vom SDR-Spektrum machen.
- Humorvolle Randnotiz: „Störung klingt wie ein sterbender Toaster auf LSD.“
5. Maßnahmen
- Eigene Geräte prüfen: Manchmal ist der Schuldige im Shack.
- Filter einsetzen: Mantelwellensperren, Ferritkerne, Netzfilter.
- Nachbarschaftsdiplomatie: Freundlich erklären, dass die Solaranlage zwar Strom spart, aber gleichzeitig den Äther verpestet.
- Bundesnetzagentur: Wenn alles nichts hilft, bleibt der offizielle Weg.
Schwarzer Humor am Rande
- EMV-Suche ist wie CSI: Man findet immer Spuren – nur dass der Täter meistens ein 9,99 €-Netzteil ist.
- Funkamateure sind die einzigen Menschen, die sich freuen, wenn beim Nachbarn der Fernseher kaputtgeht – endlich wieder freie Bänder.
- Wer glaubt, dass seine Solaranlage „grün“ ist, sollte mal das 40 m-Band einschalten: Da klingt’s eher nach Apokalypse.
Fazit
EMV-Störungen sind unvermeidlich – aber nicht unbesiegbar. Mit einfachen Mitteln, etwas Spürsinn und einer Portion Galgenhumor lassen sich die meisten Störenfriede identifizieren und oft auch beseitigen.
Merke: Der Äther gehört uns allen. Aber wer ihn mit Schaltnetzteil-Gekreische zumüllt, sollte sich nicht wundern, wenn plötzlich ein Funkamateur mit Ferritkernen vor der Tür steht.
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