📡 FMT‑Hub im CB‑Funk – Technik, Regulierung und das große Spektrum‑Drama

Warum man im Wasserfall sofort sieht, wenn ein OM sein AmateurfunkgerĂ€t „nur mal kurz“ auf CB ausprobiert

🧭 1. Was ist eigentlich FMT‑Hub?

FMT‑Hub (Frequenzmodulations‑Hub) beschreibt die maximale Frequenzabweichung, die ein FM‑Signal im CB‑Funk erzeugen darf. In Deutschland ist das klar geregelt:

  • FM‑Hub im CB‑Funk: max. ±2 kHz
  • FM‑Hub im Amateurfunk (je nach Band/Modulation): oft ±2,5 kHz, ±5 kHz oder sogar ±7,5 kHz

Und genau hier beginnt das Spektakel.

🎭 Warum man im Spektrum sofort erkennt, wenn ein OM „nur mal kurz“ auf CB funkt

Weil ein AmateurfunkgerĂ€t, das auf CB „aus Versehen“ mit 5 kHz Hub sendet, im Wasserfall aussieht wie ein aufgeplatzter Farbeimer.

WĂ€hrend ein sauber eingestelltes CB‑FM‑Signal schlank und elegant wirkt, prĂ€sentiert sich der OM‑Hub wie:

CB-FM:      |----|  
OM-FM:   |--------------|

Man erkennt es sofort. Sogar schneller als ein OM erkennt, dass sein Mikrofonstecker nicht richtig drin ist.

Und natĂŒrlich kommt dann der Klassiker:

„Also mein GerĂ€t macht das schon immer so, das ist völlig normal!“

Nein, ist es nicht. Es ist einfach zu viel Hub. Und im CB‑Funk ist das so erlaubt wie ein 2‑kW‑LinearverstĂ€rker im Handschuhfach.

🔧 2. Multiformat‑CB‑GerĂ€te – die Schweizer Taschenmesser des 11‑Meter‑Bands

Moderne CB‑FunkgerĂ€te können heute mehr als nur AM und FM. Sie sind Multiformat‑GerĂ€te, also GerĂ€te, die mehrere Betriebsarten beherrschen:

  • AM
  • FM
  • SSB (USB/LSB)
  • teilweise digitale Modi (z. B. fĂŒr PMR‑Àhnliche Features, aber innerhalb der CB‑Regeln)

💡 Was macht sie besonders?

  • Sie passen sich verschiedenen europĂ€ischen LĂ€ndern an (verschiedene Kanalraster, Leistungen, Modulationsarten).
  • Sie bieten bessere Filter, saubere Modulation und flexible Betriebsarten.
  • Sie sind technisch oft hochwertiger als die alten „Kofferradios“ aus den 80ern.

Und natĂŒrlich sorgt das dafĂŒr, dass manche Ă€ltere OMs sofort skeptisch werden:

„Also frĂŒher hatten wir nur AM, und das hat gereicht!“

Ja, frĂŒher hatten wir auch Telefone mit WĂ€hlscheibe. War auch nicht besser.

đŸ“» 3. Warum auf der Triple‑Five (27.555 USB) mehr los ist als auf der Deutschen Welle

Die 27.555 MHz USB – liebevoll „Triple‑Five“ – ist die inoffizielle internationale DX‑Anruf‑ und Sammelfrequenz im 11‑Meter‑Bereich.

Und dort ist oft mehr Betrieb als auf manchem Kurzwellen-Afu Band:

  • Weltweiter DX‑Verkehr
  • Stationen aus allen Kontinenten
  • StĂ€ndige AktivitĂ€t bei guten Bedingungen
  • Ein Mix aus CB‑Funkern, Freebandern und gelegentlich verwirrten OMs

🎧 Warum so viel los ist

  1. Propagation: 27 MHz liegt perfekt im Bereich, wo Sporadic‑E, F‑Layer‑DX und Bodenwelle sich die Klinke in die Hand geben.
  2. USB‑Betrieb: Schmalbandiger, effizienter, weiter reichend.
  3. Internationaler Treffpunkt: Jeder weiß: Wenn irgendwo was geht, dann dort.
  4. Keine Musik, keine Nachrichten, keine Predigten Nur Funkverkehr. Und manchmal auch Funkverkehr, der klingt wie eine Predigt.

🏁 Fazit: CB‑Funk ist technisch spannender, als viele glauben

  • FMT‑Hub ist wichtig, weil zu viel Hub sofort auffĂ€llt – besonders, wenn ein OM sein AFU‑GerĂ€t „mal eben“ auf CB nutzt.
  • Multiformat‑GerĂ€te sind moderne Alleskönner, die CB‑Funk technisch auf ein neues Level heben.
  • Die Triple‑Five ist lebendiger als so mancher Rundfunksender – und definitiv unterhaltsamer.

Und das Beste:

CB‑Funk ist der einzige Bereich, in dem man mit 12 Watt Slegal weltweit gehört werden kann – vorausgesetzt, die Sonne hat gute Laune.

Die Korteweg–de-Vries-Gleichung: Wenn Wellen nicht mehr nett sind


Es gibt Wellen, die sich brav verhalten. Und dann gibt es die anderen – die EinzelgĂ€nger, die sich nicht auflösen, nicht zerstreuen, sondern einfach durchziehen. Willkommen in der Welt der Solitonen, mathematisch regiert von der Korteweg–de-Vries-Gleichung. Eine Gleichung, die so elegant ist, dass sie fast schon beleidigend wirkt – zumindest fĂŒr alle, die sie zu lösen versuchen.

Ursprung: Zwei NiederlÀnder und ein Wasserkanal

Ende des 19. Jahrhunderts beobachtete ein gewisser John Scott Russell eine seltsame Welle, die sich in einem Kanal ausbreitete – allein, stabil, unbeeindruckt von Reibung oder Zerfall. Zwei Mathematiker, Korteweg und de Vries, nahmen sich der Sache an und formulierten eine Gleichung, die dieses Verhalten beschrieb. Sie kombinierten zwei Effekte:

  • NichtlinearitĂ€t: Große Wellen verhalten sich anders als kleine.
  • Dispersion: Verschiedene WellenlĂ€ngen bewegen sich unterschiedlich schnell.

Das Ergebnis war eine Gleichung, die stabile Wellenformen erlaubt – Solitonen. Eine Art mathematischer Punk: gegen den Strom, aber mit Stil.

Anwendungen: Von Wasser bis Funk

Die KdV-Gleichung ist ein ChamĂ€leon. Sie taucht ĂŒberall dort auf, wo Wellen sich nicht linear benehmen – also fast ĂŒberall, wo es spannend wird:

  • Wasserwellen: Flache KanĂ€le, Gezeiten, Hafenphysik.
  • Plasmaphysik: Wellen in ionisierten Gasen, etwa in der IonosphĂ€re.
  • Optik: Lichtpulse in Glasfasern, die sich ĂŒber Kilometer nicht verformen.
  • Festkörperphysik: Gitterschwingungen, die sich wie Wellen verhalten.

Und ja, auch im Amateurfunk gibt es BerĂŒhrungspunkte – subtil, aber real.

Amateurfunk: Wenn die IonosphÀre mitrechnet

Funkamateure nutzen die IonosphĂ€re, um Signale ĂŒber den Globus zu schicken. Diese Schicht ist ein Plasma – und Plasmen sind berĂŒchtigt fĂŒr nichtlineare WellenphĂ€nomene. Die KdV-Gleichung hilft, solche Effekte zu verstehen:

  • Langstreckenverbindungen: Warum manche Signale stabil bleiben, andere zerfasern.
  • Digitale Betriebsarten: Wie sich Pulse ĂŒber große Distanzen verformen.
  • Nichtlineare Leitungen: In Experimenten mit Hochspannung oder Impulstechnik.

Die Gleichung selbst wird selten direkt gelöst – aber ihre Konsequenzen sind spĂŒrbar. Wenn dein FT8-Signal plötzlich aussieht wie ein Picasso, war vielleicht ein Soliton beteiligt.

Intuition: Warum die Welle nicht zerfÀllt

Stell dir eine Welle vor, die sich ausbreitet. Normalerweise wird sie flacher, breiter, verliert ihre Form. Aber wenn die NichtlinearitĂ€t die Dispersion genau ausgleicht, entsteht ein Gleichgewicht. Die Welle bleibt stabil – wie ein Jogger, der exakt die richtige Geschwindigkeit gefunden hat, um nicht zu stolpern.

Fazit: Die Gleichung, die keiner sieht – aber jeder spĂŒrt

Die Korteweg–de-Vries-Gleichung ist wie ein stiller Dirigent im Orchester der Wellenphysik. Sie regelt, wie sich bestimmte Wellen verhalten – ob im Wasser, im Plasma oder im Funkkanal. FĂŒr Funkamateure ist sie kein Werkzeug, sondern ein Hintergrundrauschen der Physik. Aber wer sie versteht, sieht mehr: Muster, StabilitĂ€t, und manchmal sogar Schönheit in der Chaoszone.

Und wenn du das nĂ€chste Mal ein Signal sendest, das sich ĂŒber Kontinente hinweg stabil hĂ€lt, denk daran: Vielleicht war da ein Soliton unterwegs – und die KdV-Gleichung hat ihm den Weg gezeigt.

📡 Beispiele aus der Funkpraxis

1. Langstreckenverbindungen ĂŒber die IonosphĂ€re

  • Die IonosphĂ€re ist ein dispersives Medium: verschiedene Frequenzen werden unterschiedlich stark gebrochen.
  • Bei hoher SonnenaktivitĂ€t oder schnellen Störungen können nichtlineare Effekte auftreten – etwa plötzliche Dichteschwankungen.
  • Das fĂŒhrt zu:
    • FrequenzabhĂ€ngiger Laufzeitverzerrung (Gruppenlaufzeit)
    • Signalverformung, besonders bei kurzen Pulsen
    • Mehrwegeausbreitung, die sich nicht linear ĂŒberlagert

âžĄïž Die KdV-Gleichung hilft, solche WellenphĂ€nomene in Plasmen zu modellieren – etwa die Bildung von stabilen Wellenpaketen, die sich ĂŒber große Distanzen halten.

2. Nichtlineare Übertragungsleitungen

  • In Experimenten mit Varaktoren (spannungsabhĂ€ngige KapazitĂ€ten) oder nichtlinearen InduktivitĂ€ten entstehen Leitungen, die sich nicht linear verhalten.
  • Impulse, die durch solche Leitungen laufen, können sich verformen oder stabilisieren – je nach Balance zwischen NichtlinearitĂ€t und Dispersion.
  • In der Praxis genutzt fĂŒr:
    • Impulsformung in Hochfrequenztechnik
    • Radartechnik und schnelle Pulssignale
    • EME (Earth-Moon-Earth)-Kommunikation mit extrem kurzen, hochenergetischen Signalen

âžĄïž Die KdV-Gleichung beschreibt genau solche ImpulsverlĂ€ufe – sie liefert Modelle fĂŒr stabile, nichtlineare Wellenpakete.

3. Digitale Betriebsarten mit schmaler Bandbreite

  • FT8, JT65, PSK31 und Ă€hnliche Betriebsarten nutzen extrem schmale Bandbreiten.
  • Bei langen Übertragungswegen (z. B. ĂŒber die IonosphĂ€re) kann die ModulationshĂŒllkurve durch dispersive Effekte verzerrt werden.
  • Besonders bei schnellen Modulationsformen (z. B. QAM, OFDM) in experimentellen Setups:
    • Nichtlineare Verzerrung durch VerstĂ€rker oder Leitung
    • Dispersion durch das Medium selbst

âžĄïž In der Theorie kann man die HĂŒllkurve solcher Signale mit Gleichungen beschreiben, die KdV-Ă€hnlich sind – sie zeigen, wie sich die Form des Signals ĂŒber Zeit verĂ€ndert.

4. Solitonartige Pulse in Glasfasern und Mikrowellen

  • In der optischen Kommunikation (z. B. bei HAM-Experimenten mit Laser oder Mikrowellen) entstehen bei bestimmten Bedingungen Solitonen.
  • Diese Pulse behalten ihre Form ĂŒber Kilometer – ideal fĂŒr stabile Übertragung.
  • Auch in Mikrowellen-Leitungen mit nichtlinearen Elementen können solche Pulse auftreten.

âžĄïž Die KdV-Gleichung liefert die mathematische Grundlage fĂŒr diese stabilen Pulse – sie sind das Paradebeispiel fĂŒr „Wellen mit Charakter“.

🔊 Modulationsformen und ihre Empfindlichkeit

Modulationsart Empfindlich fĂŒr NichtlinearitĂ€t Empfindlich fĂŒr Dispersion Bemerkung
AM (Amplitude Modulation) Hoch Mittel Verzerrt bei VerstÀrkersÀttigung
FM (Frequenz Modulation) Gering Hoch Frequenzverschiebung durch Dispersion
PSK (Phase Shift Keying) Mittel Hoch Phasenverzerrung bei Laufzeitunterschieden
QAM (Quadrature Amplitude Modulation) Hoch Hoch Besonders anfĂ€llig fĂŒr beide Effekte
OFDM (Orthogonal Frequency Division Multiplexing) Hoch Hoch Komplexe Korrekturmechanismen nötig
FT8 / JT65 Mittel Mittel Robust, aber bei extremen Bedingungen beeinflussbar

âžĄïž Je komplexer die Modulation, desto stĂ€rker wirken sich nichtlineare und dispersive Effekte aus – genau die Kombination, die die KdV-Gleichung beschreibt.

 

⏱ DCF77 auf KiwiSDR: Zeit hören, dekodieren


📡 Was ist DCF77 ĂŒberhaupt?

  • Sender: Mainflingen bei Frankfurt
  • Frequenz: 77,5 kHz (Langwelle)
  • Reichweite: Bis ~2000 km, wenn nicht gerade dein Nachbar mit Billig-LEDs die IonosphĂ€re grillt
  • Signal: Jede Sekunde ein Dip – 100 ms = „0“, 200 ms = „1“, die 60. Sekunde bleibt frei (die Zeit braucht eben auch mal Urlaub)

đŸ› ïž Schritt-fĂŒr-Schritt: Empfang auf KiwiSDR

  1. KiwiSDR öffnen
    • WĂ€hle einen EmpfĂ€nger in Deutschland oder NachbarlĂ€ndern.
    • Bonus: nachts ist das Signal oft sauberer, tagsĂŒber kĂ€mpfst du gegen das Brummen der Welt.
  2. Frequenz einstellen
    • Stelle exakt 77,5 kHz ein.
    • Modus: AM oder direkt die Timecode/DC77-Extension.
  3. Filter & Bandbreite
    • Bandbreite: 200–500 Hz.
    • AGC moderat, Noise-Blanker vorsichtig – sonst „heilt“ er die Dips weg.
  4. Decoder aktivieren
    • MenĂŒ „Extensions“ → Timecode/DC77 auswĂ€hlen.
    • Beobachte, wie die Bits einlaufen: Minuten, Stunden, Datum, Sommerzeit-Flag.
  5. Geduld haben
    • Mindestens 1–2 Minuten laufen lassen.
    • Nach 3 Minuten hast du eine stabile Anzeige – und die Gewissheit, dass du immer noch zu spĂ€t dran bist.

đŸ§Ș Brainstorming: Was Funkamateure mit DCF77 anstellen könnten

  • âČ PrĂ€zisions-Metronom Nutze die Sekunden-Dips als Taktgeber fĂŒr Messungen oder Synchronisation. Dein Oszilloskop wird so pedantisch wie ein Finanzbeamter.
  • 🌍 EMV-Landkarte Vergleiche verschiedene Kiwis in Europa, kartiere Störungen und SignalqualitĂ€t. Ergebnis: eine „Wetterkarte der Verzweiflung“.
  • đŸ•°ïž Club-Uhr der Schande Bau eine LED-Wand, die live DCF77 dekodiert und jedem Besucher gnadenlos anzeigt: „Du bist 12 Sekunden zu spĂ€t.“
  • 📡 Distributed Timing Synchronisiere mehrere SDRs mit DCF77 und vergleiche Jitter. Wer braucht schon GPS, wenn man die deutsche PĂŒnktlichkeit in Bits hat?
  • ⚡ Notfunk-Metronom Wenn alles zusammenbricht, bleibt DCF77 als Sekunden-Taktgeber. Ein apokalyptisches Metronom, das dich daran erinnert, dass die Welt zwar brennt, aber immerhin im Takt.
  • 🎓 Lehrprojekt Perfekt fĂŒr Workshops: Bits zĂ€hlen, ParitĂ€t prĂŒfen, Sommerzeit-Flag erklĂ€ren. PĂ€dagogisch wertvoll, emotional zerstörerisch.

☠ Schwarzer Humor am Rande

  • DCF77 ist so zuverlĂ€ssig, dass selbst dein Herzschrittmacher neidisch wĂ€re – und wenn er ausfĂ€llt, weißt du immerhin die exakte Todeszeit.
  • Sollte der Sender ausfallen, wĂŒrden Millionen Funkuhren kollektiv in die Anarchie stĂŒrzen. Stell dir vor: ein Land, in dem niemand mehr weiß, wann die Tagesschau beginnt.
  • Die Minute 60 bleibt leer – ein stilles Gedenken an all die Sekunden, die wir sinnlos im Wartezimmer verbracht haben.

✅ Fazit

Mit KiwiSDR und dem eingebauten Decoder ist der Empfang von DCF77 kinderleicht – und gleichzeitig ein Tor zu ernsthaften Amateurfunk-Experimenten. Ob als prĂ€ziser Taktgeber, als EMV-Detektiv oder als satirisches Kunstprojekt: das Zeitsignal ist mehr als nur ein „Radiowecker-Futter“.

Donnerstag, den 15.01.2026: Dieses Mal leider ohne Treffen

Manchmal kommt einfach das Leben dazwischen – und genau so ist es dieses Mal.
Unser regelmĂ€ĂŸiges Treffen am 15.01.2026  muss leider einmal ausfallen, da ein Großteil der Mitglieder der IGAFU aus ganz unterschiedlichen persönlichen GrĂŒnden aktuell verhindert ist.

Keine Sorge: Das ist keine Absage auf Dauer, sondern wirklich nur eine kleine Pause. Wir haben uns bewusst dafĂŒr entschieden, das Treffen nicht mit halber Besetzung durchzuziehen, sondern lieber beim nĂ€chsten Mal wieder in gewohnter Runde zusammenzukommen.

Wir freuen uns schon jetzt darauf, uns beim nÀchsten Termin wiederzusehen, auszutauschen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Der nÀchste Termin wird wie immer rechtzeitig bestÀtigt.

Bis dahin: Passt gut auf euch auf – und bis bald!

TCP vs. UDP – Zwei Protokolle, ein Universum voller MissverstĂ€ndnisse

Einleitung

Wenn man das Internet aufschrauben wĂŒrde (bitte nicht mit dem Schraubenzieher versuchen), wĂŒrde man tief im Inneren zwei alte Bekannte finden: TCP und UDP. Beide stammen aus den frĂŒhen Tagen des ARPANET in den 1970ern, als man noch mit Lochkarten flirtete und Router so groß wie KĂŒhlschrĂ€nke waren.

TCP und UDP sind wie zwei ungleiche BrĂŒder:

  • Der eine pedantisch, zuverlĂ€ssig, mit Checklisten und Quittungen (TCP).
  • Der andere chaotisch, schnell, freiheitsliebend – aber wehe, du erwartest PĂŒnktlichkeit oder VollstĂ€ndigkeit (UDP).

Und wie so oft im Leben gilt: Man braucht beide.

Historischer Abriss

  • TCP (Transmission Control Protocol) wurde entwickelt, um Daten zuverlĂ€ssig von A nach B zu bringen – egal, ob dazwischen ein paar Pakete verloren gehen. Es kĂŒmmert sich um Verbindungsaufbau, Fehlerkorrektur, Reihenfolge.
  • UDP (User Datagram Protocol) entstand als „leichtgewichtige“ Alternative: keine Verbindungsrituale, keine Quittungen, keine RĂŒcksicht auf Verluste. Einfach Daten rausfeuern und hoffen, dass sie ankommen.

Man könnte sagen: TCP ist der Buchhalter, UDP der Punkrocker.

Technische Unterschiede im Überblick

Merkmal TCP đŸ§Ÿ UDP 🎾
Verbindung Verbindungsorientiert (Handshake) Verbindungslos
ZuverlÀssigkeit Garantierte Zustellung, Reihenfolge, Fehlerkorrektur Keine Garantie, keine Reihenfolge
Geschwindigkeit Langsamer durch Overhead Schneller, minimaler Overhead
Typische Anwendungen Web (HTTP/HTTPS), E-Mail, DateiĂŒbertragung Streaming, VoIP, Online-Gaming, DNS
Humorvolle Analogie Einschreiben mit RĂŒckschein Flaschenpost im Sturm

Typische Einsatzgebiete

  • TCP: Webseiten, Online-Banking, Software-Downloads. Alles, wo „ein Byte fehlt“ nicht nur Ă€rgerlich, sondern potenziell teuer wĂ€re.
  • UDP: Livestreams, SprachĂŒbertragung, Gaming. Hier gilt: Lieber ein paar verlorene Pakete als eine Sekunde Verzögerung. Niemand will, dass der Fußballkommentar erst kommt, wenn das Tor schon gefallen ist.

Amateurfunk und die digitale Welt

Auch im Amateurfunk haben TCP und UDP lĂ€ngst Einzug gehalten – besonders dort, wo Funkamateure das Internet als RĂŒckgrat nutzen:

  • TCP findet man z. B. bei Remote-Rig-Steuerungen oder wenn ein SDR-Server (Software Defined Radio) ĂŒber das Netz erreichbar ist. Hier ist ZuverlĂ€ssigkeit entscheidend – niemand will, dass der VFO-Sprung mitten im QSO verschluckt wird.
  • UDP hingegen ist beliebt bei Echtzeit-Audio-Streams (z. B. Remote-Audio von der Station) oder bei Hamnet-Anwendungen. Wenn ein paar Sprachpakete verloren gehen, merkt man es kaum – aber Verzögerung wĂ€re tödlich fĂŒr den GesprĂ€chsfluss.

Man könnte sagen: Im Amateurfunk ist TCP der stille LogbuchfĂŒhrer, wĂ€hrend UDP der hektische Operator ist, der ins Mikro brĂŒllt: „Hört ihr mich noch?!“

Schwarzer Humor am Rande

  • TCP ist wie der ĂŒbervorsichtige Funkamateur, der nach jedem CQ-Ruf noch dreimal nachfragt: „War das lesbar? Bitte bestĂ€tigen! Over.“
  • UDP ist der Kollege, der einfach durch die Runde schreit, ohne zu warten, ob jemand zuhört – und dann beleidigt ist, wenn keiner antwortet.
  • Und wenn beide mal ausfallen? Nun ja, dann bleibt nur noch Rauchzeichen. Leider nicht im Frequenzplan der Bundesnetzagentur vorgesehen.

Fazit

TCP und UDP sind keine Konkurrenten, sondern Werkzeuge fĂŒr unterschiedliche Aufgaben. Wer sie versteht, kann entscheiden, wann ZuverlĂ€ssigkeit wichtiger ist als Geschwindigkeit – und umgekehrt.

Im Amateurfunk wie im Internet gilt: Manchmal braucht man den pedantischen Buchhalter, manchmal den Punkrocker. Und manchmal
 einfach nur Funkstille.

EMV-Störungssuche im Amateurfunk – Wenn der Nachbar plötzlich auf 40 m mitsendet


Einleitung

Funkamateure lieben das Rauschen – solange es vom IonosphĂ€renflĂŒstern kommt und nicht vom Billig-Schaltnetzteil des Nachbarn. Elektromagnetische VertrĂ€glichkeit (EMV) ist im Amateurfunk kein akademisches Randthema, sondern tĂ€gliche RealitĂ€t. Wer schon einmal versucht hat, ein schwaches DX-Signal aus einem Teppich aus Brummen, Knattern und SĂ€gezahn zu ziehen, weiß: Störungen sind wie Zombies – sie kommen immer wieder, und sie vermehren sich.

Typische Störquellen im Alltag

  • Solaranlagen: Wechselrichter sind wahre HF-Schleudern. Billige Modelle ohne Filterung verwandeln das 20 m-Band in ein Dauerfeuer aus SĂ€gezahn.
  • Schaltnetzteile: Vom Handy-LadegerĂ€t bis zum LED-Netzteil. Klein, effizient – und manchmal lauter als ein russischer Zahlensender.
  • LED-Beleuchtung: Spart Strom, aber produziert oft mehr HF als Licht.
  • PLC-Adapter (Powerline Communication): Daten ĂŒber Stromleitungen – fĂŒr Funkamateure die akustische Entsprechung von Kreide auf der Tafel.
  • Billige Elektronik aus Fernost: Wenn das CE-Zeichen aussieht wie „China Export“, weißt du, was die Stunde geschlagen hat.

Praktischer Ratgeber: Störungen aufspĂŒren mit Amateurmitteln

1. Erste Diagnose

  • Ohren auf: Mit dem EmpfĂ€nger quer durchs Band drehen. Typische Muster:
    • Brummen bei 50 Hz-Multiplen → Netzteil.
    • Breitbandiges Rauschen → Solaranlage oder PLC.
    • „SĂ€gezahn“-Spektrum → Schaltnetzteil.
  • Zeitliche Muster: Tritt die Störung nur tagsĂŒber auf? Dann grĂŒĂŸt die Solaranlage. Nur abends? Wahrscheinlich LED-Licht oder TV.

2. Mobil werden

  • HandfunkgerĂ€t oder tragbarer EmpfĂ€nger mit Ferritstab oder kleiner Loop.
  • Richtwirkung nutzen: Drehen, peilen, SignalstĂ€rke vergleichen.
  • Stromkreis-Test: Sicherungen im Haus einzeln ausschalten. Wenn das Störsignal verschwindet, hast du den ÜbeltĂ€ter im eigenen Netz.

3. Kreative Hilfsmittel

  • Portabler SDR-Stick am Laptop oder Tablet – Spektrum sichtbar machen.
  • Kopfhörer: Feinste Unterschiede im StörgerĂ€usch werden hörbar.
  • Ferritkerne: Nicht nur zum Entstören, auch als improvisierte Peilantenne nutzbar.

4. Dokumentation

  • Frequenz, Uhrzeit, SignalstĂ€rke notieren.
  • Screenshots vom SDR-Spektrum machen.
  • Humorvolle Randnotiz: „Störung klingt wie ein sterbender Toaster auf LSD.“

5. Maßnahmen

  • Eigene GerĂ€te prĂŒfen: Manchmal ist der Schuldige im Shack.
  • Filter einsetzen: Mantelwellensperren, Ferritkerne, Netzfilter.
  • Nachbarschaftsdiplomatie: Freundlich erklĂ€ren, dass die Solaranlage zwar Strom spart, aber gleichzeitig den Äther verpestet.
  • Bundesnetzagentur: Wenn alles nichts hilft, bleibt der offizielle Weg.

Schwarzer Humor am Rande

  • EMV-Suche ist wie CSI: Man findet immer Spuren – nur dass der TĂ€ter meistens ein 9,99 €-Netzteil ist.
  • Funkamateure sind die einzigen Menschen, die sich freuen, wenn beim Nachbarn der Fernseher kaputtgeht – endlich wieder freie BĂ€nder.
  • Wer glaubt, dass seine Solaranlage „grĂŒn“ ist, sollte mal das 40 m-Band einschalten: Da klingt’s eher nach Apokalypse.

Fazit

EMV-Störungen sind unvermeidlich – aber nicht unbesiegbar. Mit einfachen Mitteln, etwas SpĂŒrsinn und einer Portion Galgenhumor lassen sich die meisten Störenfriede identifizieren und oft auch beseitigen.

Merke: Der Äther gehört uns allen. Aber wer ihn mit Schaltnetzteil-Gekreische zumĂŒllt, sollte sich nicht wundern, wenn plötzlich ein Funkamateur mit Ferritkernen vor der TĂŒr steht.

#Kurzwelle #Amateurfunk #Funkstörungen #HFTechnik

Das Nyquist-Theorem – Warum wir Signale nicht beliebig quĂ€len dĂŒrfen


Einleitung

In der Nachrichtentechnik gibt es ein eher unscheinbares, aber gnadenlos strenges Gesetz: das Nyquist-Theorem. Es ist kein Gesetz im juristischen Sinne, sondern ein physikalisch-mathematisches Prinzip, das bestimmt, wie wir analoge Signale in digitale Daten verwandeln können, ohne dass sie dabei klingen, als hÀtte man sie durch einen Fleischwolf gedreht.

Harry Nyquist, ein schwedisch-amerikanischer Ingenieur, formulierte in den 1920er Jahren die Grundlagen, die spĂ€ter in der digitalen Signalverarbeitung unverzichtbar wurden. Sein Theorem ist so etwas wie die Bibel der Abtastung – nur dass man hier nicht an Wunder glauben darf. Wer es ignoriert, wird mit grausamem DatenmĂŒll bestraft.

Die Grundidee – Abtasten ohne Chaos

Stellen wir uns ein analoges Signal vor, etwa Sprache oder Musik. Um es digital zu speichern oder zu ĂŒbertragen, muss man es regelmĂ€ĂŸig „abtasten“. Das heißt: Man nimmt in festen ZeitabstĂ€nden Proben des Signals.

Das Nyquist-Theorem sagt:

  • Damit das rekonstruierte Signal dem Original entspricht, muss die Abtastrate mindestens doppelt so hoch sein wie die höchste Frequenz, die im Signal vorkommt.
  • Wird diese Bedingung nicht erfĂŒllt, entsteht Aliasing – ein höllisches PhĂ€nomen, bei dem Frequenzen plötzlich als völlig andere hörbar werden. Es ist, als wĂŒrde man Mozart aufnehmen und beim Abspielen klingt es wie ein sterbender Staubsauger.

Oder anders gesagt: Wer zu faul ist, genug Abtastpunkte zu nehmen, bekommt ein Signal, das klingt, als hÀtte es einen Schlaganfall erlitten.

Historische Entstehung

Nyquist arbeitete bei den Bell Labs, wo man sich mit Telefontechnik beschĂ€ftigte. Damals ging es darum, Sprache effizient ĂŒber Kupferleitungen zu ĂŒbertragen. Man stellte fest: Wenn man die Sprachbandbreite auf etwa 3,4 kHz begrenzt, reicht eine Abtastrate von 8 kHz, um Sprache verstĂ€ndlich zu digitalisieren.

Das war die Geburtsstunde der digitalen Telefonie. Ohne Nyquist wĂŒrden wir heute noch mit verrauschten Analogleitungen telefonieren – oder schlimmer: Wir mĂŒssten uns gegenseitig Brieftauben schicken.

Anwendungen in der Nachrichtentechnik

Das Nyquist-Theorem ist allgegenwÀrtig:

  • Digitale Telefonie: 8 kHz Abtastrate fĂŒr SprachĂŒbertragung. Klingt nicht nach HiFi, aber immerhin versteht man, ob die Schwiegermutter „Hallo“ sagt oder „Hölle“.
  • Audio-CDs: 44,1 kHz Abtastrate, um den hörbaren Bereich bis 20 kHz abzudecken. Alles darĂŒber hinaus wird gnadenlos abgeschnitten – so wie die TrĂ€ume eines Musikers, der glaubt, dass Ultraschall noch irgendwen interessiert.
  • DatenĂŒbertragung: In Modems, DSL oder modernen Funkstandards bestimmt Nyquist, wie viele Symbole pro Sekunde man sicher ĂŒbertragen kann, ohne dass sich die Bits gegenseitig in den RĂŒcken fallen.

Beispiele im Amateurfunk

Auch Funkamateure kommen an Nyquist nicht vorbei:

  • Digitale SprachĂŒbertragung (z. B. DMR, D-STAR, C4FM): Hier wird Sprache komprimiert und digital ĂŒbertragen. Die Abtastraten sind so gewĂ€hlt, dass Sprache verstĂ€ndlich bleibt, auch wenn sie klingt, als wĂŒrde der GesprĂ€chspartner aus einer Blechdose senden.
  • Software Defined Radio (SDR): SDRs digitalisieren ganze Frequenzbereiche. Wer ein 10-MHz-Band empfangen will, muss mindestens mit 20 Megasamples pro Sekunde abtasten. Wer das nicht tut, sieht im Spektrum plötzlich Geistersignale – Aliasing in seiner schönsten, dĂ€monischsten Form.
  • Experimentelle Übertragungen: Funkamateure, die mit zu niedrigen Abtastraten experimentieren, lernen schnell, dass Nyquist kein freundlicher Onkel ist. Er ist eher der Typ, der dir lĂ€chelnd erklĂ€rt, wie du deine Antenne falsch angeschlossen hast, und dann zusieht, wie dein Signal in den Äther krepiert.
Humor am Rande

Das Nyquist-Theorem ist gnadenlos. Es verzeiht keine Fehler. Wer es ignoriert, produziert DatenmĂŒll, der so hĂ€sslich ist, dass selbst ein Zombie im Grab die Ohren zuhalten wĂŒrde. Man könnte sagen: Nyquist ist wie der Sensenmann der Signalverarbeitung – er kommt immer dann, wenn man glaubt, man könne ein bisschen tricksen.

Fazit

Das Nyquist-Theorem ist kein optionaler Tipp, sondern ein Naturgesetz der digitalen Signalverarbeitung. Es bestimmt, wie wir Sprache, Musik und Daten zuverlĂ€ssig abtasten und rekonstruieren können. Ob in Telefonnetzen, Audio-CDs oder im Amateurfunk – ĂŒberall wacht Nyquist mit kalter PrĂ€zision.

Und wer glaubt, er könne ihn austricksen, wird schnell feststellen: Aliasing ist kein Bug, es ist die Strafe.

#Nyquist #Kurzwelle #Amateurfunk

Treffen am 03.01.2026, ab 12:00 Uhr

Mit diesem ersten Treffen am  Samstag, den 03.01.2026 im neuen Jahr,  soll unsere Interessengruppe so erfolgreich ins neue Jahr starten, wie sie das Jahr 2025 beendet hat. In angenehmer Runde kommen wir wieder zusammen, um uns auszutauschen, einen kleinen Snack zu genießen, auf das kommende Jahr zu blicken und erste Ideen sowie Termine zu besprechen. Wir freuen uns auf ein aktives und gemeinsames Jahr 2026!

                           

Was wir in 2025 mit so wenigen aktiven Funkamateuren alles geschafft haben, kann sich sehen lassen.  Hier eine Auswahl dieser AktivitÀten:

  • Beschaffung eines KĂŒhlschranks
  • Beschaffung von zwei Heizstrahlern
  • Beschaffung einer Kochplatte
  • Beschaffung verschiedener MastfĂŒĂŸe – / Halterungen fĂŒr Antennenmaste
  • Beschaffung von Werkzeug und Messmitteln
  • Beschaffung und Aufbau verschiedener Antennenmaste fĂŒr UKW und Kurzwelle
  • Beschaffung eines SchlĂŒsselkastens
  • Beauftragung und Einrichtung eines Mobilfunk-Anschluss (5G)der Telekom
  • Beschaffung von GerĂ€teeinbauschrĂ€nken, u.a. zum Aufbau des FM-Relais DB0DTM und weiterer technischer peripherer Einrichtungen
  • Beschaffung eines Yaesu FT7900 VHF / UHF FunkgerĂ€tes

 

Relaisschrank DB0DTM

Niederspannungsverteilung

  • Schaffung einer weiteren WanddurchfĂŒhrung fĂŒr die Kabel des Relais DB0DTM
  • Realisierung einer Niederspannungsverteilung nebst einem Niederspannungsverteilnetz und der dazugehörigen Steckdosen an den verschiedenen Funk-/ArbeitsplĂ€tzen.
  • Reparatur des vorhandenen 2 m / 70 cm / 23 cm / 13cm -FunkgerĂ€ts
  • Montage eines Ausgusses fĂŒr Brauchwasser
  • GrĂŒndliche Reinigung des Raums, einschließlich des Daches, Befreiung des Daches von Bewuchs
  • Inbetriebnahme des Relais DB0DTM
  • Montage von UKW- und Kurzwellenantennen
  • Weitere Gestaltung des Webauftrittes, Generierung  einer Vielzahl technisch-wissenschaftlicher BeitrĂ€ge mit Amateurfunkbezug
  • DurchfĂŒhrung verschiedener Events fĂŒr die Mitglieder der Interessengruppe und GĂ€ste
  • Installierung eines Terminplans fĂŒr regelmĂ€ĂŸige Treffen

 

 

 

🌍 Die Bodenwelle – Funkwellen auf dem Spaziergang durchs GelĂ€nde


Wer schon einmal einem Ă€lteren OM beim Fachsimpeln ĂŒber „die gute alte Bodenwelle“ zugehört hat, weiß: hier wird nicht nur Physik, sondern auch ein StĂŒck Nostalgie verhandelt. Die Bodenwelle ist die treue Begleiterin des Funkers – sie kriecht brav ĂŒber Wiesen, Felder und AutobahnraststĂ€tten, wĂ€hrend die Raumwelle lieber in die IonosphĂ€re abhaut.

Und wĂ€hrend die einen noch Tabellen aus den 1960ern zitieren, wollen wir hier nĂŒchtern (und ein bisschen boshaft) betrachten, was die Bodenwelle heute wirklich leistet.

📡 Was ist die Bodenwelle?

  • Definition: Teil der abgestrahlten Funkwelle, die sich entlang der ErdoberflĂ€che ausbreitet.
  • Eigenschaften: DĂ€mpfung durch BodenleitfĂ€higkeit, Frequenz und Antennenhöhe.
  • Besonderheit: Je niedriger die Frequenz, desto weiter reicht die Bodenwelle.

Oder in Opa-Funksprache: „Je tiefer der Ton, desto lĂ€nger der Spaziergang.“

🔊 Beispiele aus den AmateurfunkbĂ€ndern

Kurzwelle (z. B. 3,5 MHz – 80 m-Band)

  • AM/SSB: Bodenwelle bei Tag 50–150 km, nachts oft weniger relevant, da Raumwelle ĂŒbernimmt.
  • FMT (Fernmeldetechnik, sprich Rundfunk): Historisch Reichweiten bis 300 km möglich, wenn der Boden leitfĂ€hig ist (Nordsee-KĂŒste top, Alpen-Talboden flop).
  • Humor-Notiz: Wer behauptet, mit 5 W und Drahtantenne „locker 500 km Bodenwelle“ zu machen, hat vermutlich auch schon den Weihnachtsmann auf 40 m gearbeitet.

Mittelwelle (MW, 500–1600 kHz)

  • Bodenwelle: 100–300 km, bei guten Böden auch mehr.
  • Beispiel: FrĂŒherer Rundfunk auf MW – warum man den WDR in Bonn auch ohne Internet hören konnte.

UKW (2 m-Band, 144–146 MHz)

  • FM mit 3 dBi Außenantenne: 20–50 km Bodenwelle, bei freier Sicht auch 70 km.
  • SSB (schmalbandiger, effizienter): 50–150 km, mit HĂŒgelbonus auch mehr.
  • Grafikidee:
    Code
    [Sender] ~~~~~~> 30 km ~~~~~~> [EmpfÀnger]
    (FM, 2m, 3dBi)
    

    (Ja, ASCII-Kunst ist auch eine Form von Bodenwelle.)

đŸŽ™ïž Modulationsarten im Vergleich

Modulation Typische Reichweite (Bodenwelle, 3 dBi Antenne) Bemerkung
AM 30–80 km (UKW), bis 150 km (KW) Nostalgisch, ineffizient, aber charmant wie ein Röhrenradio.
FM 20–50 km (UKW), 50–100 km (KW) Robust, aber frisst Bandbreite wie Opa seine Bockwurst.
SSB 50–150 km (UKW), 100–200 km (KW) Effizient, klingt aber wie ein Zahnarztbohrer im Kopfhörer.

🧓 Spiegel fĂŒr die Funk-Senioren

NatĂŒrlich gibt es sie: die Besserwisser, die beim Vereinsabend mit strengem Blick erklĂ€ren, dass „die Bodenwelle bei 7 MHz exakt 87,3 km betrĂ€gt“. Die RealitĂ€t: BodenleitfĂ€higkeit, Antennenhöhe, Modulation, Wetter – alles spielt mit. Wer Reichweiten auf den Meter genau angibt, hat entweder einen Nobelpreis verdient oder zu viel Zeit mit Tabellen verbracht.

🚙 Und was heißt das fĂŒr den CB-Funk in Deutschland?

CB-Funk (27 MHz, 11 m-Band) ist ein Paradebeispiel:

  • FM (legal, 4 W, 3 dBi Antenne): 10–20 km Bodenwelle, bei freier Sicht auch 30 km.
  • SSB (legal, 12 W PEP): 30–80 km Bodenwelle, mit guter Antenne auch 100 km.
  • Praxis: Ideal fĂŒr regionale Kommunikation – LKW-Fahrer, Hobbyrunden, Nachbarschaftsnetzwerke.

Und ja, auch hier gilt: Wer behauptet, mit 4 W FM „locker MĂŒnchen–Hamburg Bodenwelle“ zu machen, hat wahrscheinlich auch schon Elvis auf 27 MHz gehört.

🎯 Fazit

Die Bodenwelle ist kein Mythos, sondern ein treuer, aber begrenzter Begleiter. Sie schenkt uns verlĂ€ssliche Reichweiten im Nahbereich – von der Kurzwelle bis zum UKW. FĂŒr den Amateurfunk bedeutet das: weniger Tabellenreiterei, mehr Praxis. FĂŒr den CB-Funk: ein stabiles Werkzeug, wenn man realistisch bleibt.

Oder, um es mit schwarzem Humor zu sagen: Die Bodenwelle ist wie ein alter Vereinskamerad – sie kommt zuverlĂ€ssig zum Stammtisch, aber sie lĂ€uft keine Marathonstrecke mehr.

Good to Know: Kondensatoren – kleine Energiespeicher mit großer Wirkung


Einleitung

Der Kondensator ist eines dieser Bauteile, die unscheinbar aussehen – zwei Metallplatten, ein bisschen Isoliermaterial dazwischen – und doch steckt darin eine der genialsten Ideen der Elektrotechnik. Er speichert elektrische Energie, gibt sie wieder ab und verhĂ€lt sich dabei manchmal wie ein hyperaktives Eichhörnchen: immer auf der Suche nach Ladung, die es kurz bunkern und gleich wieder loswerden kann.

Und ja, wer Kondensatoren falsch einsetzt, erlebt schnell, dass sie nicht nur langweilige Zylinder oder KĂ€stchen sind – sondern kleine Zeitbomben. Ein falsch gepolter Elektrolytkondensator verabschiedet sich gern mit einem Knall, der an Silvesterböller erinnert. Schwarzer Humor der Technik: „Wenn’s zischt, war’s wohl nicht richtig angeschlossen.“

Funktionsweise – ohne Formeln, aber mit Bildern im Kopf

Ein Kondensator besteht im Kern aus:

  • Zwei leitenden FlĂ€chen (Platten oder Folien)
  • Einem Isolator dazwischen (Dielektrikum genannt)

Wenn man Spannung anlegt, sammeln sich Elektronen auf der einen Seite, wĂ€hrend auf der anderen Seite Elektronen verdrĂ€ngt werden. Es entsteht ein elektrisches Feld – und damit gespeicherte Energie.

Man kann sich das vorstellen wie einen Wasserhahn mit Gummimembran:

  • Dreht man den Hahn auf, drĂŒckt das Wasser die Membran nach hinten.
  • LĂ€sst man los, schnellt die Membran zurĂŒck und drĂŒckt das Wasser wieder raus.

So „atmet“ ein Kondensator mit Strom – er nimmt Ladung auf und gibt sie wieder ab.

Verhalten bei Gleich- und Wechselstrom

  • Gleichstrom (DC): Ein Kondensator lĂ€dt sich auf und blockiert danach den Stromfluss. FĂŒr Kinder erklĂ€rt: Er macht die TĂŒr zu, sobald er voll ist.
  • Wechselstrom (AC): Hier wird’s spannend. Da sich die Richtung stĂ€ndig Ă€ndert, lĂ€dt und entlĂ€dt sich der Kondensator ununterbrochen. FĂŒr Kinder erklĂ€rt: Er spielt Ping-Pong mit den Elektronen.

Und genau deshalb sind Kondensatoren so wichtig in der Frequenztechnik: Sie lassen hohe Frequenzen durch, blockieren aber niedrige. Man könnte sagen: „Kondensatoren sind wie TĂŒrsteher im Club – Bass darf rein, Gleichstrom bleibt draußen.“

Anwendungen im Amateurfunk

Im Amateurfunk sind Kondensatoren unverzichtbar:

  • Filter: Sie helfen, bestimmte Frequenzen herauszufiltern. Ohne sie wĂŒrde das FunkgerĂ€t klingen, als hĂ€tte man alle Radiosender der Welt gleichzeitig eingeschaltet.
  • Abstimmkreise: Zusammen mit Spulen bilden sie Schwingkreise, die auf bestimmte Frequenzen abgestimmt werden können. So findet man die gewĂŒnschte Funkfrequenz, statt versehentlich den Polizeifunk zu stören.
  • Kopplung und Entkopplung: Kondensatoren ĂŒbertragen Signale von einer Stufe zur nĂ€chsten, blockieren aber störende Gleichspannung. Praktisch wie ein TĂŒrsteher, der nur die richtigen GĂ€ste durchlĂ€sst.
  • Stromversorgung: GlĂ€ttungskondensatoren in Netzteilen verhindern, dass das FunkgerĂ€t brummt wie ein alter KĂŒhlschrank.

Bauarten von Kondensatoren

Es gibt viele verschiedene Typen, jeder mit seinen Eigenheiten – und manchmal auch mit seiner eigenen Art, spektakulĂ€r zu sterben:

  • Keramikkondensatoren: Klein, robust, billig. Perfekt fĂŒr Hochfrequenzschaltungen.
  • Folienkondensatoren: Sehr stabil, gute Eigenschaften fĂŒr Audio- und HF-Technik.
  • Elektrolytkondensatoren (Elkos): Große KapazitĂ€ten, aber polarisiert. Falsch herum angeschlossen → Knall, Rauch, Gestank.
  • Tantal-Kondensatoren: Kompakt und zuverlĂ€ssig – bis sie explodieren. Dann sind sie kleine pyrotechnische Wunderwerke.
  • Superkondensatoren: Speichern riesige Energiemengen, fast wie Akkus. Ideal fĂŒr Pufferungen, aber nicht fĂŒr Hochfrequenz.

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