Die G5RV – eine Antenne zwischen Genie und Wahnsinn

Ein technischer, aber unterhaltsamer Blick auf einen Klassiker, der seit Jahrzehnten mehr Diskussionen auslöst als jedes neue Icom‑Firmware‑Update.

1. Ein kurzer Blick zurück: Die Geschichte der G5RV

Die G5RV‑Antenne wurde in den 1940er‑Jahren von Louis Varney (G5RV) entwickelt – einem Mann, der offenbar beschlossen hatte, dass Funkamateure ruhig ein bisschen leiden dürfen, solange sie dafür eine Multiband‑Antenne bekommen. Ursprünglich war sie für 20 Meter optimiert, aber wie so oft im Amateurfunk wurde sie später zum „Multiband‑Wunder“ verklärt, das angeblich alles kann – außer Kaffee kochen.

Varney selbst hätte vermutlich gelacht, wenn er wüsste, wie viele Funkamateure heute glauben, die G5RV sei eine Art heilige Antenne, die nur funktioniert, wenn man sie exakt nach Mondphase und Sternzeichen ausrichtet.

2. Das technische Prinzip – Physik ohne Kopfweh

Die G5RV ist im Kern ein symmetrisch gespeister Dipol, aber mit einem entscheidenden Zusatz:

Der Trick: ein definierter Abschnitt Hühnerleiter als Impedanztransformator

Die Konstruktion besteht aus:

  • einem 31‑m‑Dipol (für die klassische Full‑Size‑Version)
  • einem Hühnerleiter‑Stück von ca. 10,36 m
  • einem Übergang auf Koaxkabel

Der Hühnerleiter wirkt als Impedanztransformator, der auf mehreren Bändern brauchbare Anpassungen erzeugt. Das ist kein Zauber, sondern clevere HF‑Technik: Die Leitungslänge ist so gewählt, dass sie auf 20 m eine günstige Impedanz liefert – und auf anderen Bändern zumindest etwas, das ein Tuner nicht sofort in die Knie zwingt.

Warum funktioniert das?

  • Der Dipol ist auf 20 m nahezu resonant.
  • Die Hühnerleiter transformiert die Impedanz so, dass das Koaxkabel nicht sofort weinend davonläuft.
  • Auf anderen Bändern entstehen Oberwellenmoden, die der Tuner meist noch bändigen kann.

Kurz gesagt: Die G5RV ist ein HF‑Kompromiss, aber ein erstaunlich gut funktionierender.

3. Die Stärken der G5RV – wo sie glänzt

1. 20‑Meter‑Band: Ihr Heimatplanet

Hier spielt sie ihre volle Stärke aus. Effizient, sauber, gutmütig – fast so, als hätte Varney sie genau dafür gebaut. (Spoiler: Hat er.)

2. 40 m und 80 m: brauchbar bis gut

Mit einem ordentlichen Tuner liefert sie solide Ergebnisse. Nicht perfekt, aber absolut praxistauglich.

3. 15 m, 12 m, 10 m: überraschend effektiv

Dank Oberwellenmoden funktioniert sie auf vielen höheren Bändern erstaunlich gut. Manchmal sogar besser als moderne Multiband‑Drahtmonster, die aussehen wie ein UFO‑Fangnetz.

4. Platzbedarf: moderat

31 m Gesamtlänge sind nicht winzig, aber im Vergleich zu Voll‑Resonanz‑Antennen für 80 m ist die G5RV fast schon „kompakt“.

4. Auf welchen Bändern arbeitet die G5RV effektiv?

Band Effektivität Bemerkung
80 m mittel Tuner Pflicht, aber brauchbar
40 m gut gute Abstrahlung, stabile Leistung
30 m mittel funktioniert, aber nicht optimal
20 m sehr gut das Band, für das sie gebaut wurde
17 m mittel Tuner nötig
15 m gut Oberwellenbetrieb
12 m gut ebenfalls Oberwellen
10 m gut oft erstaunlich effektiv

Die G5RV ist also keine „Allband‑Antenne“, aber eine Multiband‑Antenne mit klaren Stärken.

5. Tiefschwarzer Humor aus der HF‑Hölle

Die G5RV ist eine Antenne, die Funkamateure in zwei Lager spaltet:

  • Die einen schwören, sie sei die beste Drahtantenne seit der Erfindung des Kupfers.
  • Die anderen behaupten, sie sei ein HF‑Verbrechen, das nur mit einem Tuner und einem Exorzisten funktioniert.

Die Wahrheit liegt – wie so oft im Amateurfunk – irgendwo dazwischen.

Und während moderne Funkamateure über SDR‑Technik, digitale Modi und 4‑kW‑Endstufen philosophieren, hängt die G5RV stoisch im Garten und denkt sich:

„Ich war schon Multiband, als ihr noch mit dem Lötkolben die Finger verbrannt habt.“

6. Fazit – warum die G5RV bis heute beliebt ist

Die G5RV ist:

  • technisch clever
  • historisch bedeutsam
  • erstaunlich leistungsfähig
  • und ein hervorragender Kompromiss für Multibandbetrieb

Sie ist keine Wunderantenne, aber eine ehrliche, robuste und effektive Lösung für Funkamateure, die viele Bänder mit einem einzigen Draht abdecken wollen – ohne dass der Garten aussieht wie ein Antennen‑Friedhof.

Und sie erinnert uns daran, dass Amateurfunk nicht nur aus perfekter Technik besteht, sondern auch aus Tradition, Pragmatismus und einer guten Portion Selbstironie.

🧪 Messaufbau: Resonanz und Impedanz einer 40 m‑Antenne mit NanoVNA

🔧 Ziel:

  • Resonanzfrequenz finden
  • Impedanzverlauf analysieren
  • SWR‑Minimum bestimmen
  • Anpassung bewerten
  • Mythos „SWR 1:1 = perfekt“ entlarven

🧰 Was du brauchst

Komponente Zweck
NanoVNA (z. B. H4 oder V2) HF‑Messgerät für S11 (Reflexion)
Kalibrierset (Open/Short/Load) Genauigkeit sicherstellen
SMA‑Adapter auf PL/N/BNC Anschluss an Antenne/Kabel
Kurzes Koaxkabel (z. B. RG316) Verbindung NanoVNA ↔ Antenne
Powerbank oder USB‑Strom Mobilbetrieb
NanoVNA‑Saver Software (PC) Komfortable Auswertung
Optional: Mantelwellensperre Störungsarm messen

📡 Aufbau Schritt für Schritt

1. Kalibrierung

  • Frequenzbereich: z. B. 6,9–7,3 MHz (für 40 m)
  • Menü: CALResetCalibrate
  • Nacheinander anschließen:
    • OPEN → nichts angeschlossen
    • SHORT → Kurzschluss
    • LOAD → 50 Ω Abschluss
  • Kalibrierung speichern (z. B. Save 0)

💀 CB‑Funker würden hier schon aufgeben, weil „das Ding keine Knöpfe hat“.

2. Antenne anschließen

  • Koaxkabel vom NanoVNA an die Antenne
  • Möglichst direkt am Fußpunkt, nicht im Shack
  • Mantelwellensperre dazwischen, falls nötig

3. Messung starten

  • Anzeige: SWR, Impedanz, Smith‑Chart
  • Frequenz sweepen: z. B. 6,9–7,3 MHz
  • Beobachten:
    • Wo liegt das SWR‑Minimum?
    • Wie sieht die Impedanzkurve aus?
    • Ist die Antenne resonant oder nur „ruhig“?

4. Auswertung

Parameter Bedeutung Interpretation
SWR < 2 brauchbar angepasst gut für Praxis
Z ≈ 50 Ω perfekte Anpassung selten, aber möglich
Z = 200–600 Ω hochohmig, evtl. für Tuner gedacht G5RV‑Alarm
Imaginärteil ≠ 0 kapazitiv/induktiv → nicht resonant Anpassnetzwerk nötig

🧠 Viele Funkamateure glauben, dass ein SWR‑Minimum automatisch Resonanz bedeutet. Der NanoVNA zeigt dir, dass das oft nur ein „Zufall durch Koax‑Verluste“ ist.

5. Optimierung

  • Antenne zu kurz? → Verlängern
  • Antenne zu lang? → Kürzen
  • Impedanz zu hoch? → Balun/Unun einsetzen
  • SWR‑Minimum außerhalb Band? → Länge anpassen oder Tuner verwenden

🧠 Was du daraus lernst

  • Deine Antenne ist nicht „gut“, weil das SWR‑Meter ruhig bleibt
  • Die Impedanz ist oft weit weg von 50 Ω
  • Der NanoVNA zeigt dir, ob du wirklich sendest – oder nur heizt
  • Du erkennst, ob dein Tuner „rettet“ oder nur „versteckt“

Treffen am Karsamstag, den 04.04.2026, 12:00 Uhr

Erinnerung! 

Am Karsamstag, den 04.04.2026, 12:00 Uhr findet unser planmäßiges Treffen statt. Besondere Aktivitäten sind hier nicht bekannt. Aber man muss ja auch nicht immer einen triftigen Grund haben, um gemütlich zusammen zu kommen.

Bis dahin!

 

NanoVNA – Der kleine chinesische Spiegel, der deiner Antenne die Wahrheit sagt

Ein technischer, praxisnaher Leitfaden mit tiefem Schwarz­humor für alle, die mehr messen wollen als nur SWR‑Balken auf einem Baumarkt‑Stehwellenmeter.

1. Einleitung: Was ein VNA überhaupt macht – und warum der NanoVNA mehr kann als so mancher Funkamateur

Ein Vektorieller Netzwerkanalysator (VNA) misst, wie ein System auf HF‑Signale reagiert. Konkret kann er:

  • Reflexionen messen (S‑Parameter, vor allem S11)
  • Durchgang messen (z. B. Filter, Verstärker, S21)
  • Impedanz bestimmen (Widerstand, Induktivität, Kapazität)
  • Anpassung bewerten (SWR, Return Loss, Smith‑Diagramm)

Der NanoVNA ist die „China‑Version“ eines teuren Labor‑VNAs – nur kleiner, bunter und mit mehr Plastik. Er ist:

  • erstaunlich leistungsfähig
  • unfassbar preiswert
  • manchmal zickig
  • und gnadenlos ehrlich zu deiner Antenne

Kurz gesagt:

Der NanoVNA zeigt dir, dass deine „perfekt abgestimmte“ Antenne in Wahrheit ein Heizstrahler mit Funkambitionen ist.

2. Stärken und Schwächen des NanoVNA

2.1 Stärken

  • Preis: Für den Gegenwert eines mittelmäßigen Handmikrofons bekommst du ein Messgerät, das früher nur Labore hatten.
  • Frequenzbereich: Je nach Version typischerweise bis 900 MHz, 1,5 GHz oder 3 GHz.
  • Funktionalität: SWR, Impedanz, Smith‑Chart, S‑Parameter, Filtermessung, Kabelmessung, Resonanzsuche.
  • Portabel: Akku, klein, direkt an der Antenne nutzbar.
  • PC‑Anbindung: Mit Software wird er zum „Mini‑Labor“.

2.2 Schwächen

  • Genauigkeit: Kein High‑End‑Laborgerät. Für Amateurfunk und Praxis aber mehr als ausreichend.
  • Displaygröße: Das interne Display ist eher „Augenarzt‑Test“ als Komfortanzeige.
  • Bedienung: Menüs sind manchmal… sagen wir „chinesisch inspiriert“.
  • HF‑Leistung: Ausgangsleistung ist gering – gut für Bauteile, schlecht für Leute, die „mit dem NanoVNA mal eben die Endstufe testen“ wollen.

3. Was man mit einem NanoVNA alles messen kann – Übersicht

3.1 Vergleichstabelle: Messmöglichkeiten mit dem NanoVNA

Messaufgabe Möglich? Port(e) Typische Anwendung
SWR von Antennen Ja CH0 (S11) Antennenbau, Abstimmung, Fehlersuche
Impedanz von Antennen Ja CH0 Anpassung, Resonanzfrequenz
Kabellänge und Fehlerstelle Ja CH0 Koax prüfen, Bruchstellen finden
Dämpfung von Kabeln Ja CH0/CH1 Qualitätsprüfung, Vergleich alt/neu
Filtercharakteristik (Bandpass etc.) Ja CH0→CH1 Selbstbaufilter, Kaufteile prüfen
Resonanz von Spulen/Kondensatoren Ja CH0 Bauteilprüfung, Eigenresonanz
Duplexer/Weichen testen Ja CH0/CH1 Relaisstellen, Multiband‑Setups
Baluns/Ununs messen Ja CH0 Übertragungsverhältnis, Bandbreite
Verstärker‑Durchgang (nur S21, keine Leistung!) Eingeschränkt CH0→CH1 Kleinsignal‑Gain, Frequenzgang
SWR‑Brücken ersetzen Ja CH0 Deutlich genauer als „Zeiger wackelt“‑Messgeräte

4. Was du für den sinnvollen Einsatz brauchst

4.1 Grundausstattung

  • NanoVNA (möglichst eine Version mit halbwegs seriöser Firmware)
  • Kalibrierset: Open, Short, Load (meist beigelegt)
  • Koaxadapter: SMA auf PL, N, BNC etc.
  • Gute Koaxkabel: Kurz, hochwertig, mit vernünftigen Steckern
  • PC‑Software (z. B. NanoVNA‑Saver) für komfortable Auswertung

4.2 Optional, aber sehr empfehlenswert

  • Dämpfungsglieder (z. B. 10–30 dB)
  • Messbrücke / Directional Coupler (für spezielle Setups)
  • Mechanische Halterung oder Stativ für den NanoVNA
  • Externe Stromversorgung (Powerbank, USB)

Und ganz wichtig:

Geduld. Der NanoVNA misst ehrlich – aber er erklärt dir nicht, warum deine Antenne schlecht ist. Das musst du schon selbst herausfinden.

5. Praxisbeispiel 1: Antenne messen und abstimmen

5.1 Ziel

  • SWR‑Verlauf über ein Band messen
  • Resonanzfrequenz finden
  • Anpassung verbessern

5.2 Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung

Schritt 1: Kalibrierung

  1. Frequenzbereich einstellen, z. B. 3–4 MHz für 80 m oder 6,9–7,3 MHz für 40 m.
  2. Im Menü CAL → „Reset“ → „Calibrate“.
  3. Nacheinander an CH0 anschließen:
    • OPEN (nichts angeschlossen oder Open‑Standard)
    • SHORT (Kurzschluss‑Standard)
    • LOAD (50‑Ohm‑Abschluss)
  4. Kalibrierung speichern (Save 0–4).

Schritt 2: Antenne anschließen

  1. Antenne über kurzes, gutes Koax an CH0 anschließen.
  2. Messbereich prüfen: SWR‑Kurve, Impedanz, ggf. Smith‑Chart anzeigen.

Schritt 3: Auswertung

  • Resonanzfrequenz: Dort, wo der reelle Anteil nahe 50 Ω liegt und der imaginäre Anteil nahe 0.
  • SWR‑Minimum: Idealerweise im gewünschten Bandbereich.
  • Bandbreite: Bereich, in dem SWR < 2 liegt.

Schritt 4: Optimierung

  • Antenne verlängern → Resonanzfrequenz sinkt
  • Antenne verkürzen → Resonanzfrequenz steigt
  • Anpassnetzwerk (L‑Glied, T‑Netzwerk, Balun) anpassen

Und ja:

Der NanoVNA zeigt dir gnadenlos, dass deine „für alle Bänder perfekte“ G5RV in Wahrheit auf manchen Bändern eher ein Heizlüfter ist.

6. Praxisbeispiel 2: Koaxkabel prüfen – Länge und Fehlerstelle

6.1 Ziel

  • Kabellänge bestimmen
  • Bruchstellen oder schlechte Stecker finden

6.2 Schritt‑für‑Schritt

Schritt 1: Frequenzbereich wählen

  • Einen Bereich wählen, in dem das Kabel elektrisch „sichtbar“ ist, z. B. 1–100 MHz.

Schritt 2: Kalibrieren (CH0)

  • Kurzkalibrierung mit Open/Short/Load.

Schritt 3: Kabel anschließen

  • Ein Ende an CH0, das andere offen lassen oder kurzschließen.

Schritt 4: TDR‑ähnliche Auswertung

Mit geeigneter Software (z. B. NanoVNA‑Saver) kann man aus der Phasenlage und Resonanzen die Kabellänge bestimmen. Alternativ:

  • Resonanzabstände auswerten
  • Geschwindigkeit im Kabel (Verkürzungsfaktor) berücksichtigen

Praktischer Nutzen:

  • „Ist das alte Kabel noch gut?“
  • „Wo ist der Knick, den ich vor drei Wintern reingezogen habe?“

7. Praxisbeispiel 3: Bandpassfilter messen

7.1 Ziel

  • Durchlassbereich
  • Flankensteilheit
  • Dämpfung außerhalb des Bandes

7.2 Aufbau

  • CH0 → Eingang des Filters
  • Ausgang des Filters → CH1

7.3 Schritt‑für‑Schritt

  1. Frequenzbereich wählen, z. B. 1–50 MHz.
  2. Zweitor‑Kalibrierung (CH0/CH1) durchführen.
  3. Filter anschließen.
  4. Anzeige auf S21 (Durchgang) stellen.
  5. Kurve auswerten:
    • Maximale Durchlassdämpfung
    • Bandbreite
    • Dämpfung im Sperrbereich

So findest du heraus, ob dein „super steiler China‑Bandpassfilter“ wirklich filtert – oder nur hübsch aussieht.

8. Praxisbeispiel 4: Balun/Unun testen

8.1 Ziel

  • Übertragungsverhältnis
  • Bandbreite
  • Anpassung

8.2 Vorgehen

  1. Balun an CH0 anschließen, sekundärseitig mit 50 Ω (oder entsprechendem Ersatzwiderstand) abschließen.
  2. Frequenzbereich wählen (z. B. 1–30 MHz).
  3. Impedanzverlauf und SWR messen.
  4. Prüfen, ob das gewünschte Übersetzungsverhältnis (z. B. 1:4, 1:9) im relevanten Bereich halbwegs konstant ist.

So erkennst du, ob dein Balun ein HF‑Bauteil ist – oder nur ein hübsch gewickelter Ferritklotz.

9. Übersicht: Was der NanoVNA in der Praxis bringt

Anwendung Nutzen Typischer Aha‑Effekt
Antennenmessung SWR, Resonanz, Anpassung „Meine Antenne war nie resonant, nur geduldig.“
Kabelprüfung Länge, Dämpfung, Fehlerstellen „Das Koax ist der eigentliche Dummy Load.“
Filtermessung Durchlass, Sperrbereich, Flanken „Der teure Filter ist nur ein Deko‑Bauteil.“
Balun/Unun‑Test Übersetzung, Bandbreite „Mein 1:9‑Unun ist eher 1:irgendwas.“
Bauteilresonanz Spulen, Kondensatoren, Eigenresonanzen „Die Spule ist bei 20 MHz schon eine Antenne.“
Relaisstellen/Weichen Isolation, Durchgang, Frequenzverhalten „Der Duplexer ist eher ein Triplexer ins Chaos.“

10. Fazit: Der NanoVNA als ehrlicher Spiegel deiner HF‑Realität

Der NanoVNA ist kein Spielzeug – auch wenn er so aussieht. Er ist ein extrem mächtiges Werkzeug, das:

  • Antennenmythen zerstört
  • Koax‑Legenden entlarvt
  • Filterromantik beendet
  • und Balun‑Esoterik auf den Boden der Tatsachen holt

Er zwingt dich, HF nicht zu glauben, sondern zu messen. Und genau das unterscheidet den „Knopf‑Dreher“ vom Techniker.

Wer den NanoVNA beherrscht, baut bessere Antennen, versteht seine Station und hört mehr als nur Rauschen und CB‑Gequake. Wer ihn ignoriert, bleibt bei:

„SWR ist 1:1, also muss alles gut sein.“

Persönlichkeiten des Amateurfunk: DL3SO Rudolf Binz

Rudolf Binz (DL3SO) — Funkpionier, Ingenieur und internationaler Frequenzexperte. Entdecken Sie auf unserer Seite das Leben eines Mannes, der Amateurfunk nicht nur als Hobby, sondern als Brücke zwischen Menschen und Nationen lebte — und als einer der Wegbereiter der IGAFU‑Bonn die Grundlagen für heutige Hilfs‑ und Koordinationsnetze mitprägte.

Hier die PDF, welche er uns damals zu Verfügung stellte.

Funkerleben_3

Kirchhoffs Strom Regeln

Da stellen wir uns also mal ganz dumm und sagen: „Das da… das is’n Stromkreis.“ Und mitten drin sitzt ein schwarzes Loch – nicht im astronomischen Sinne, sondern im pädagogischen. Ein Punkt, an dem der Strom reinfließt, rausfließt, sich wundert, warum er überhaupt fließt, und sich dann doch wieder beruhigt, weil die Physik ihm sagt: „Junge, du musst. Kirchhoff hat’s befohlen.“

Und während wir das erklären, sitzt hinten in der Klasse der allwissende Amateurfunk‑Oberstudienrat, der seit 1978 jedem erzählt, dass er die Kirchhoffschen Regeln schon kannte, bevor Kirchhoff überhaupt geboren wurde. Er hebt schon den Finger, um zu sagen: „Also eigentlich…“ – aber wir ignorieren ihn höflich, wie man das bei solchen Exemplaren tun muss.

Kirchhoffs Erste Stromregel – Die Knotenregel

Die erste Regel lautet:

∑Irein=∑Iraus

Oder in der Sprache eines Lehrers mit strengem Seitenscheitel:

„Wat reinjeht, muss ooch wieder rausjehn.“

Ein Knoten ist ein Punkt, an dem mehrere Leitungen zusammenkommen. Und egal, wie viele Elektronen sich dort drängeln – sie können nicht einfach verschwinden. Kein Elektron löst sich in Luft auf, auch wenn der Amateurfunk‑Oberlehrer hinten murmelt, dass er da mal ’ne Ausnahme gemessen hat. Hat er nicht.

Bedeutung in der Praxis

  • In jedem Knoten bleibt die Strombilanz immer ausgeglichen.
  • Es gibt keine geheimen Elektronen‑Fluchtwege.
  • Wenn drei Ströme reinfließen und zwei rausfließen, dann ist der dritte rausfließende Strom automatisch festgelegt.

Kirchhoffs Zweite Stromregel – Die Maschenregel

Die zweite Regel lautet:

∑U=0

Oder in pädagogisch wertvoller Form:

„Wenn wir einmal im Kreis rumlaufen, müssen wir wieder da rauskommen, wo wir reinjeganjen sind – und zwar ohne Energie zu verlieren, die wir nich vorher irgendwo aufgenommen haben.“

Eine Masche ist ein geschlossener Stromkreis. Und in diesem Kreis müssen alle Spannungen zusammen genau null ergeben. Jede Batterie, jeder Widerstand, jede LED – alles trägt seinen Teil dazu bei.

Bedeutung in der Praxis

  • Die Summe aller Spannungen in einer Masche ist immer null.
  • Energie, die eine Quelle liefert, wird von den Verbrauchern wieder „verbraten“.
  • Kein Bauteil zaubert Energie aus dem Nichts, auch wenn der Amateurfunk‑Allwissende hinten behauptet, er habe da mal ’ne Schaltung gebaut, die „mehr raus als rein“ hatte. Nein, hat er nicht. Das war ein Messfehler. Oder ein Traum.

Warum diese Regeln so fundamental sind

  • Sie folgen direkt aus der Ladungserhaltung und der Energieerhaltung.
  • Ohne sie könnte man keine Schaltungen berechnen.
  • Sie bilden die Grundlage für Netzwerkanalyse, Simulationen und jede Form von Elektrotechnik – vom Türgong bis zum Teilchenbeschleuniger.

Und sie sind so unerschütterlich, dass selbst der Amateurfunk‑Oberstudienrat sie nicht wegdiskutieren kann, auch wenn er es seit 40 Jahren versucht.

Anwendung: Der „Amateurfunk‑Knoten“

Stell dir einen Funkstammtisch vor. Ein Knotenpunkt aus fünf Männern, die alle gleichzeitig erklären wollen, warum ihre Antenne die beste ist.

  • Drei reden rein.
  • Zwei reden raus.
  • Die Summe bleibt konstant: Es kommt nie etwas Sinnvolles dabei heraus.

Kirchhoff hätte seine Freude.

Anwendung: Die „Masche des Besserwissers“

Ein Funkamateur läuft im Kreis:

  1. Er erklärt dir, warum deine Schaltung falsch ist.
  2. Er erklärt dir, warum seine Schaltung richtig ist.
  3. Er erklärt dir, warum Kirchhoff das eigentlich anders gemeint hat.
  4. Er landet wieder am Anfang.

Die Summe seiner Aussagen ergibt: Null. Kirchhoff bestätigt: Maschenregel erfüllt.

Abschließender Gedanke

Kirchhoffs Regeln sind wie gute Lehrer: streng, logisch, unbestechlich – und völlig immun gegen Besserwisserei. Sie gelten immer, überall und ohne Ausnahme. Und wer sie einmal verstanden hat, sieht elektrische Schaltungen nie wieder als chaotisches Drahtgeflecht, sondern als geordnetes System, in dem alles seinen Platz hat.

Der Geheim Tipp ? => W3EDP-Antenne

Ein W3EDP‑Antenne ist im Kern ein erstaunlich simples, aber physikalisch hochinteressantes Gebilde: ein langes Stück Draht, das sich weigert, sich wie ein klassischer Dipol zu benehmen – und genau deshalb so vielseitig ist. Der folgende Artikel verbindet technische Tiefe mit einem Augenzwinkern und führt durch Physik, Bau, Effizienz, Multiband‑Eigenschaften und den Vergleich zur klassischen Endfed‑Antenne.

Was die W3EDP eigentlich ist

Die W3EDP wurde in den 1930ern von Edward P. Tilton (W3EDP) populär gemacht. Sie besteht aus:

  • 25,6 m Strahlerdraht
  • Einer kurzen Gegenkapazität (typisch 2,5–3 m)
  • Einem Tuner (Zwingend! Ohne Tuner ist sie so kooperativ wie ein nasser Gartenschlauch)

Sie ist keine klassische Endfed, kein Dipol, kein T2LT – sie ist ein asymmetrischer Langdraht mit definierter Gegenkapazität, der auf vielen Bändern zufällig erstaunlich gut funktioniert.

Die Physik dahinter

Die W3EDP arbeitet als unsymmetrischer Strahler, der über die kurze Gegenkapazität und die Erde (oder das Shack‑Umfeld) einen Rückstrompfad bildet.

Wichtige physikalische Effekte

  • Strahlung durch Stromverteilung: Der 25,6‑m‑Draht ist auf vielen Amateurfunkbändern irgendwo zwischen Viertelwelle und Mehrfachresonanz. Dadurch entstehen komplexe Stromknoten und ‑bäuche, die eine breite Nutzbarkeit ermöglichen.
  • Gegenkapazität statt klassischem Radial: Die kurze Leitung wirkt wie ein kapazitiver Gegengewichtsersatz. Sie ist zu kurz, um selbst zu strahlen, aber lang genug, um den Rückstrompfad zu stabilisieren.
  • Hohe Impedanz → Tunerpflicht: Die Impedanz kann zwischen 20 Ω und mehreren kΩ liegen. Ein Tuner ist daher nicht optional, sondern integraler Bestandteil des Systems.

Multibandfähigkeit

Die W3EDP deckt typischerweise folgende Bänder gut ab:

  • 80 m
  • 40 m
  • 20 m
  • 17 m
  • 15 m
  • 12 m
  • 10 m

Auf 30 m und 60 m ist sie oft ebenfalls nutzbar, aber der Tuner muss dann etwas mehr schuften.

Der Trick: Die Drahtlänge von 25,6 m ist ein Kompromiss, der auf vielen Bändern irgendeine Resonanz erzeugt, die der Tuner dann in Form bringt.

Effizienz

Die Effizienz hängt stark vom Aufbau ab:

Vorteile für die Effizienz

  • Langer Strahler → gute Abstrahlung
  • Wenig Verluste im Draht selbst
  • Kaum Spulen oder Traps → geringe ohmsche Verluste

Nachteile

  • Rückstrom über die Umgebung Wenn das Gegengewicht schlecht liegt, kann die Effizienz leiden.
  • Tunerverluste Besonders bei hohen Impedanzen.

Realistische Einschätzung

Eine gut aufgebaute W3EDP erreicht 60–85 % Effizienz, je nach Band und Aufbauhöhe. Das ist für eine Multiband‑Antenne ohne Spulen absolut respektabel.

Bauanleitung

Material

  • 25,6 m Kupferlitze (1–2 mm²)
  • 2,5–3 m Gegengewichtsdraht
  • 1:1 Mantelwellensperre (optional, aber empfehlenswert)
  • Tuner (extern oder im TRX)
  • Isolatoren, Seil, Befestigungsmaterial

Aufbau

  1. Strahler auslegen: 25,6 m Draht möglichst hoch und frei spannen. Formen: Sloper, L‑Form, Inverted‑L, horizontal – alles möglich.
  2. Gegengewicht anschließen: 2,5–3 m Draht am Tuner‑Gehäuse oder Massepunkt befestigen. Möglichst gestreckt am Boden oder entlang der Wand.
  3. Tuner anschließen: Der Strahler kommt an den „Hot“-Ausgang, das Gegengewicht an Masse.
  4. Mantelwellensperre setzen: 1–2 m hinter dem Tuner, um HF im Shack zu reduzieren.
  5. Abstimmen und testen: Auf jedem Band kurz abstimmen und SWR prüfen.

Vor- und Nachteile der W3EDP

Vorteile

  • Extrem breitbandig
  • Sehr einfach zu bauen
  • Keine Traps, keine Spulen, keine Baluns nötig
  • Gute Effizienz für eine Multiband‑Antenne
  • Flexibel im Aufbau

Nachteile

  • Tuner zwingend erforderlich
  • HF im Shack möglich, wenn Gegengewicht schlecht liegt
  • Nicht so berechenbar wie ein Dipol
  • Auf 80 m manchmal etwas zickig

Möglicher Gewinn

Der Gewinn hängt stark von der Aufbauform ab. Typische Werte:

  • Horizontal gespannt: 1–2 dBi
  • Sloper: 2–3 dBi in Hauptabstrahlrichtung
  • Inverted‑L: 0–2 dBi, aber gute NVIS‑Eigenschaften auf 80/40 m

Für eine Multiband‑Antenne ohne Spulen ist das absolut solide.

Vergleich: W3EDP vs. klassische Endfed

Eine klassische Endfed (EFHW) ist resonant und nutzt einen 49:1 oder 64:1 Übertrager.

Vergleichstabelle

Merkmal W3EDP Endfed (EFHW)
Resonanz Nicht resonant Resonant
Tuner nötig Ja Meist nein
Multibandfähigkeit Sehr gut Gut, aber bandabhängig
Aufbauaufwand Sehr gering Mittel
HF im Shack Möglich Weniger wahrscheinlich
Effizienz Mittel bis gut Gut bis sehr gut
Flexibilität Hoch Mittel
Länge 25,6 m Bandabhängig (z. B. 40 m: 20 m Draht)

Fazit des Vergleichs

  • Die W3EDP ist die Schweizer Taschenmesser‑Antenne: flexibel, unkompliziert, multibandfähig.
  • Die Endfed ist der Präzisionsschraubendreher: effizient, resonant, aber weniger flexibel.

Wer maximale Einfachheit und Bandbreite will, nimmt die W3EDP. Wer maximale Effizienz und reproduzierbare Ergebnisse will, nimmt die EFHW.

Persönlichkeiten der Nachrichtentechnik: Oliver Heaviside

Oliver Heaviside gehört zu den faszinierendsten, exzentrischsten und zugleich unterschätztesten Figuren der Elektrotechnik und Nachrichtentechnik. Seine Arbeiten prägen bis heute die theoretischen Grundlagen des Amateurfunks – von der Ausbreitung elektromagnetischer Wellen bis zur mathematischen Beschreibung von Leitungen. Wer über Funk spricht, sollte diesen Mann kennen, der Maxwell verstand, bevor es cool war, und der die Mathematik so verbog, dass sie endlich tat, was Ingenieure brauchten.

🎩 Ein Leben zwischen Genie, Isolation und Telegraphendrähten

Heaviside wurde 1850 in London geboren und litt früh an einer schweren Scharlacherkrankung, die ihn nahezu taub machte. Diese Behinderung isolierte ihn sozial, doch sie trieb ihn auch in die Welt der Bücher und Formeln. Er verließ die Schule mit 16 Jahren und wurde – dank seines Onkels Charles Wheatstone – Telegraphist. Dort begann seine lebenslange Obsession: die elektrische Übertragung über Leitungen zu verstehen und zu verbessern.

Seine Karriere als Telegraphist war kurz, denn seine zunehmende Taubheit zwang ihn 1874 zum Rückzug. Danach lebte er zurückgezogen, arbeitete aber mit einer Intensität, die man heute wohl als „Hardcore-Deep-Work“ bezeichnen würde. Er reformulierte Maxwell, erfand neue mathematische Werkzeuge und sagte sogar die Existenz der ionosphärischen Reflexionsschicht voraus – Jahrzehnte bevor sie experimentell bestätigt wurde.

⚡ Warum Heaviside für Amateurfunker ein heimlicher Held ist

1. Die Kennelly–Heaviside-Schicht (heute: E-Schicht der Ionosphäre)

Heaviside postulierte, dass eine elektrisch leitfähige Schicht in der oberen Atmosphäre Radiowellen reflektiert. Ohne diese Schicht gäbe es kein Kurzwellen-DX, keine nächtlichen Überreichweiten – und viele Funkamateure müssten sich ein anderes Hobby suchen, vielleicht Briefmarken.

2. Die Telegraphengleichungen

Die berühmten Telegrapher’s Equations beschreiben, wie Signale sich in Leitungen ausbreiten. Für Funkamateure sind sie die Grundlage für:

  • Koaxialkabel-Design
  • Impedanzanpassung
  • Stehwellenverhalten
  • Dämpfungsberechnung

Ohne Heaviside wäre das SWR-Meter heute vermutlich ein mystisches Orakel, das man mit Opfergaben besänftigen müsste.

3. Impedanz – ein Begriff von Heaviside

Er prägte den Begriff impedance und machte damit die Wechselstromtechnik erst wirklich handhabbar.

4. Operational Calculus – Mathematik für Praktiker

Heaviside entwickelte eine Methode zur Lösung von Differentialgleichungen, die der Laplace-Transformation entspricht, aber viel pragmatischer gedacht war. Ingenieure liebten es, Mathematiker hassten es – ein Klassiker.

📡 Heaviside und die Nachrichtentechnik: Der Mann, der Maxwell ordnete

Maxwells ursprüngliche Formulierung des Elektromagnetismus bestand aus 20 Gleichungen in 20 Variablen – ein Albtraum für jeden, der jemals versucht hat, eine Antenne zu berechnen. Heaviside reduzierte sie auf vier elegante Vektorgleichungen, die wir heute als Maxwell-Heaviside-Gleichungen kennen.

Diese Vereinfachung machte den Weg frei für:

  • moderne Antennentheorie
  • Funkwellenausbreitung
  • Hochfrequenztechnik
  • elektromagnetische Simulation

Kurz: Ohne Heaviside wäre die Nachrichtentechnik heute so benutzerfreundlich wie ein Röhrenoszilloskop ohne Bedienknöpfe.

🧠 Einflusslinien: Wer prägte Heaviside – und wen prägte er?

Heavisides geistige Ahnen

  • James Clerk Maxwell – sein größtes Vorbild; Heaviside machte Maxwells Theorie erst praktisch nutzbar.
  • Charles Wheatstone – sein Onkel und Mentor, Pionier der Telegraphie.
  • Michael Faraday – inspirierte Heavisides feldtheoretisches Denken.

Heavisides intellektuelle Nachfahren

  • Arthur E. Kennelly – Co-Namensgeber der Heaviside-Schicht.
  • Hendrik Lorentz – nutzte Heavisides Formulierungen für die Lorentz-Heaviside-Einheiten.
  • Alle modernen Elektrotechniker – von Antennenbauern bis zu HF-Ingenieuren.
  • Funkamateure weltweit – ob sie es wissen oder nicht.

🕳️ Ein Hauch schwarzer Humor – ganz im Sinne des Amateurfunks

Heaviside lebte exzentrisch, streitbar und oft verarmt. Er strich seine Wände rosa, weil er glaubte, das beruhige die Nerven. Er warf Mathematikern vor, sie seien „zu pedantisch“, und Ingenieuren, sie seien „zu unpräzise“. Ein Mann, der zwischen den Welten stand – wie ein Funkamateur, der auf 80 m CQ ruft und nur FT8-Signale hört.

Wenn Heaviside heute leben würde, wäre er vermutlich der Typ, der im Ortsverband behauptet, SWR 1:1 sei „für Anfänger“ und dass man Antennen eigentlich nur mit Vektoranalysis abstimmen sollte.

📘 Tabellarischer Überblick über Heavisides zentrale Beiträge

Bereich Beitrag Bedeutung
Elektromagnetismus Vereinfachung der Maxwell-Gleichungen Grundlage der modernen EM-Theorie
Nachrichtentechnik Telegraphengleichungen Modellierung von Leitungen, Koax, Impedanz
Hochfrequenztechnik Begriff „Impedanz“ Standardbegriff der AC- und HF-Technik
Mathematik Heaviside-Operatoren, Step-Funktion Vorläufer der Laplace-Transformation
Funkwellenausbreitung Vorhersage der Heaviside-Schicht Ermöglicht Kurzwellenfernverbindungen
Vektorrechnung Unabhängige Entwicklung des Vektorkalküls Fundament für EM-Simulationen

planmäßiges Treffen am 19.03.2026

Hallo liebe Funkfreunde!

Donnerstag, der 19.03.2026, 17:00 Uhr, ist der Termin für unser planmäßiges Treffen. Es zeichnet sich aufgrund von Rückmeldungen ab, dass viele Mitglieder der Interessengemeinschaft verhindert sind. Somit ist noch nicht absehbar, dass das geplante Treffen auch tatsächlich stattfindet.

73 Helmut

🌐 Bandbreite als begrenzende Ressource – und warum die Rauschleistungsdichte unser Schicksal besiegelt


Ein technisch anspruchsvoller, unterhaltsamer und leicht schwarzhumoriger Blick auf die Grundlagen der Nachrichtentechnik – von den Anfängen bis zum Amateurfunk.

🕰️ 1. Ein kurzer historischer Rückblick: Als Bandbreite noch ein Mythos war

In den frühen Tagen der Funktechnik war Bandbreite wie ein Goldschatz, den niemand verstand, aber jeder verschwendete. Die ersten Funkpioniere sendeten Signale, die so breit waren, dass man sie heute als „Spektralverschmutzung“ bezeichnen würde.

Dann kamen Nyquist und Shannon – die beiden Männer, die der Nachrichtentechnik sagten:

„Ordnung muss sein. Und Bandbreite ist nicht unendlich. Also benehmt euch.“

Damit begann die Ära der strukturierten Kommunikation.

📡 2. Bandbreite – die Autobahn der Information

Stell dir Bandbreite wie eine Autobahn vor:

  • Mehr Spuren → mehr Daten
  • Mehr Spuren → mehr Stau durch Rauschen
  • Mehr Spuren → mehr Ärger mit der Regulierungsbehörde

🔍 Warum Bandbreite begrenzt ist:

  • Physik: Antennen und Filter haben natürliche Grenzen.
  • Regulierung: Frequenzen werden zugeteilt wie knappe Parkplätze.
  • Praxis: Breite Signale stören andere – und niemand mag den Spektrum‑Rowdy.

Moderne Systeme wie 5G, WLAN, Glasfaser oder Satelliteninternet kämpfen alle mit derselben Frage:

Wie viel Information passt durch diesen Kanal, bevor die Naturgesetze uns auslachen?

🔊 3. Rauschleistungsdichte – der unsichtbare Gegenspieler

Rauschen ist der natürliche Feind jeder Übertragung. Es ist wie ein schlecht gelaunter Mitbewohner: immer da, immer laut, nie eingeladen.

📌 Was ist Rauschleistungsdichte?

  • Sie beschreibt, wie viel Rauschenergie pro Hertz Bandbreite existiert.
  • Je größer die Bandbreite, desto mehr Rauschen sammelt man ein.
  • Mehr Bandbreite bedeutet also nicht automatisch bessere Übertragung – manchmal nur mehr Chaos.

Shannon hat das mathematisch bewiesen. Ingenieure zitieren ihn bis heute – und verfluchen ihn gleichzeitig.

⚙️ 4. Moderne Nachrichtentechnik: Ein Balanceakt

Heute nutzen wir:

  • OFDM, um Bandbreite in kleine Häppchen zu zerlegen
  • MIMO, um mehrere Datenströme gleichzeitig zu übertragen
  • Fehlerkorrekturcodes, um das Rauschen auszutricksen
  • Adaptive Modulation, um sich dem Kanal anzupassen

Doch egal wie modern die Technik wird – Bandbreite und Rauschen bleiben die Naturgesetze, die alles bestimmen.

💡 Merksatz:

Die Nachrichtentechnik ist ein Tanz zwischen dem Wunsch nach mehr Datenrate und den Grenzen der Physik.

📻 5. Amateurfunk: Das lebende Labor der Nachrichtentechnik

Amateurfunker sind die letzten echten Abenteurer der Funkwelt. Sie arbeiten mit:

  • begrenzter Bandbreite
  • begrenzter Sendeleistung
  • viel Rauschen
  • und noch mehr Kreativität

Beispiele:

  • CW (Morse): ultranarrow, kommt durch, wenn alles andere stirbt
  • SSB: effizienter als AM, aber anspruchsvoll
  • FT8: so schmalbandig, dass es fast schon Zen ist
  • QRP‑Betrieb: „Wie weit komme ich mit 5 Watt und Hoffnung?“

Amateurfunk zeigt, wie man mit wenig Bandbreite und viel Rauschen trotzdem die Welt erreicht.

🖤 6. Schwarzer Humor am Rande

  • Bandbreite ist wie Lebenszeit: Man merkt erst, wie wertvoll sie ist, wenn sie weg ist.
  • Rauschen ist wie Bürokratie: Es wächst proportional zu allem, was man tut.
  • Shannon ist der Mathematiker, der dir sagt, wie schnell du fahren darfst – und du weißt, dass er recht hat, selbst wenn du ihn dafür hasst.

🎯 7. Fazit: Die ewige Balance

Bandbreite und Rauschleistungsdichte sind die beiden Kräfte, die die Nachrichtentechnik formen – damals wie heute. Wer sie versteht, versteht das Fundament moderner Kommunikation. Wer sie ignoriert, wird vom Rauschen verschluckt.

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