⚡ Transiente Überspannungen – Wenn Spannung plötzlich zu viel wird


🧭 Historischer Hintergrund: Von Blitzen und Blödsinn

Die Geschichte der transienten Überspannungen beginnt mit einem Naturphänomen, das schon die alten Römer für göttliche Launen hielten: Blitze. Doch erst mit der Elektrifizierung im 19. Jahrhundert wurde klar: Diese himmlischen Stromstöße sind nicht nur spektakulär, sondern auch technisch verheerend.

  • 1880er Jahre: Erste Berichte über Telegraphenanlagen, die nach Gewittern „plötzlich sehr ruhig“ waren – weil sie schlichtweg durchgebrannt waren.
  • 20. Jahrhundert: Mit dem Aufkommen von Funktechnik, Rundfunk und später Computern wurde klar: Nicht nur direkte Blitzeinschläge, sondern auch Schaltvorgänge, elektromagnetische Impulse und Induktionsphänomene können gefährliche Spannungsspitzen erzeugen.

📚 Was sind transiente Überspannungen?

Transiente Überspannungen sind kurzzeitige, plötzliche Spannungsspitzen, die weit über die normale Betriebsspannung hinausgehen. Sie dauern oft nur Mikrosekunden – aber das reicht, um Bauteile zu grillen wie ein Steak auf dem Funkgrill.

🔍 Ursachen:

  • Direkte oder nahegelegene Blitzeinschläge
  • Schaltvorgänge in Stromnetzen
  • Induktive Kopplung durch benachbarte Leitungen
  • Elektrostatische Entladungen (ESD)
  • HF-Einstrahlung durch starke Sender

🧪 Beispiele aus der Praxis

🏠 Haustechnik

  • Überspannung durch Blitzeinschlag → defekte Router, Fernseher, Waschmaschinen
  • Schaltvorgänge im Netz → flackernde LED-Beleuchtung

🏭 Industrie

  • Maschinensteuerungen reagieren auf Spannungsspitzen mit Fehlfunktionen oder Totalausfall
  • SPS-Systeme sind besonders empfindlich

📡 Amateurfunk

  • Antennen wirken wie Blitzableiter mit Sendelust
  • Koaxkabel leiten Spannungsspitzen direkt ins Shack
  • Transceiver verabschieden sich mit einem leisen „Puff“
  • Und der OM (Old Man) sagt: „Das war früher nicht so – da hat man noch mit Röhren gearbeitet!“

📡 Transiente Überspannungen im Amateurfunk

🎯 Typische Szenarien:

  • Blitzschlag in die Antenne → Spannungsspitze über Koaxleitung
  • HF-Einstrahlung in Steuerleitungen
  • Schaltvorgänge im Stromnetz → induktive Kopplung in Netzteilen

🧓 Schwarzer Humor:

Im Funkclub wird gern diskutiert, ob man „früher nicht einfach den Stecker gezogen hat“. Heute zieht man eher den Stecker – nachdem das Funkgerät schon gegrillt wurde. Und der alte OM erklärt, dass sein Röhrengerät das alles überlebt hätte – was stimmt, weil es nicht angeschlossen war.

🔍 Wie erkennt man transiente Überspannungen?

🧪 Symptome:

  • Plötzlicher Ausfall von Geräten
  • Verbrannte Bauteile
  • Sicherungen, die „ohne Grund“ fliegen
  • Messwerte, die sich plötzlich ändern
  • HF-Störungen oder Aussetzer

🧰 Messmittel:

  • Oszilloskop mit Speicherfunktion → Zeigt Spannungsspitzen im Mikrosekundenbereich
  • Transientenrekorder → Speziell für Netzanalysen
  • HF-Leistungsmesser → Zeigt plötzliche Einbrüche oder Peaks
  • EMV-Tester → Misst elektromagnetische Störgrößen

🛡️ Was kann man dagegen tun?

✔️ 1. Überspannungsschutzgeräte (SPD)

  • Ableiter für Netzspannung
  • Koax-Ableiter für Antennenleitungen
  • Blitzschutz nach VDE 0855

✔️ 2. Antennenerdung

  • Direkter Potentialausgleich
  • Blitzstrom wird abgeleitet, nicht ins Shack geführt

✔️ 3. Trennung bei Gewitter

  • Antenne abklemmen
  • Netzstecker ziehen
  • Funker ins Kellerloch schicken (optional)

✔️ 4. HF-Filter & Ferrite

  • Verhindern Einkopplung in Steuerleitungen
  • Reduzieren Mantelwellen

✔️ 5. Solide Erdung

  • Alle Geräte auf gleichem Potential
  • Keine „fliegenden Masseverbindungen“ wie im Bastelkeller von OM Horst

🧓 Funkclub-Folklore: Der OM und die Überspannung

  • „Ich hab noch nie einen Blitz gesehen, der meine Antenne getroffen hat.“ → Ja, weil du bei Gewitter den Fernseher schaust.
  • „Mein Röhrengerät hat das überlebt.“ → Weil es seit 1983 nicht mehr eingeschaltet wurde.
  • „Ich hab da so einen Eigenbau-Ableiter mit Bierdeckel und Kupferdraht.“ → Und der funktioniert genauso gut wie ein Regenschirm gegen Meteoriten.

📎 Fazit

Transiente Überspannungen sind kein Mythos, sondern reale Bedrohungen – besonders im Amateurfunk. Mit etwas Sachverstand, guter Erdung und dem Mut, auch mal neue Technik statt Nostalgie zu verwenden, lässt sich viel Schaden vermeiden.

Und wenn der OM wieder sagt: „Früher war alles besser“, dann antworte ruhig: „Früher war auch die Spannung stabil – weil niemand gesendet hat.“