Antenne scheint zu funktionieren?

Apr. 29
Heinrich Hertz ist derjenige, der elektromagnetische Wellen nicht nur theoretisch verstand, sondern sie sichtbar machte – im wahrsten Sinne des Wortes. Ohne ihn gäbe es keinen Amateurfunk, keine Nachrichtentechnik und keine Diskussionen darüber, ob 100 Watt Sendeleistung „noch QRP“ ist.
Geboren 1857 in Hamburg, zeigte Hertz früh mathematische Begabung. Er studierte bei Hermann von Helmholtz und arbeitete später in Karlsruhe und Bonn. Seine Experimente zwischen 1886 und 1889 machten ihn weltberühmt: Er erzeugte und detektierte elektromagnetische Wellen – und bewies damit Maxwells Theorie.
Hertz baute Funkenstrecken, die Radiowellen erzeugten. Diese frühen Sender waren ineffizient, laut und gefährlich – also perfekt geeignet für Funkamateure, wenn sie heute noch erlaubt wären.
Hertz zeigte, dass:
Ohne Hertz gäbe es keine Dipole, keine Yagis und keine Diskussionen darüber, ob ein Draht von 20,3 m Länge „genau richtig“ ist oder „eigentlich 20,1 m sein müsste“.
Er entwickelte Methoden zur Messung von:
Damit legte er die Grundlage für moderne HF-Messtechnik.
Hertz sagte einmal: „Es ist völlig nutzlos.“ Er meinte damit seine Entdeckung der Radiowellen. Ironischerweise ist genau diese „nutzlose“ Entdeckung heute Grundlage für alles – von WLAN bis Amateurfunk. Ein schöner Beweis dafür, dass Forscher manchmal die schlechtesten Propheten sind.
| Bereich | Beitrag | Bedeutung |
|---|---|---|
| HF-Technik | Nachweis elektromagnetischer Wellen | Grundlage des Radios |
| Antennentheorie | Resonanz, Dipole | Basis moderner Antennen |
| Messtechnik | Wellenlängenmessung | Fundament der HF-Metrologie |
| Physik | Bestätigung von Maxwell | Revolution der Elektrodynamik |
Beeinflusst von: Maxwell, Helmholtz Beeinflusste: Marconi, alle Funktechniker, moderne Kommunikationstechnik
Apr. 26
Ein kompakter Follow‑up‑Artikel mit kurzer Einordnung und tiefem technischen Fokus

Die klassische Windom-Antenne ist ein asymmetrisch gespeister Dipol, bei dem der Speisepunkt etwa bei 1/3 der Gesamtlänge liegt. Dadurch trifft man eine Impedanz, die auf mehreren Oberwellen brauchbar ist – und schon hat man eine Multiband-Antenne, ohne für jedes Band einen eigenen Draht in den Garten hängen zu müssen.
Ein Balun sorgt dafür, dass das unsymmetrische Koaxkabel und der halbwegs symmetrische Strahler sich nicht gegenseitig in die elektromagnetische Therapie schicken. Das Ergebnis: eine robuste, einfache und erstaunlich vielseitige Antenne.
Doch dann kam die Carolina Windom – und brachte eine neue Idee ins Spiel.
Die Carolina Windom ist keine völlig neue Antenne, sondern eine Weiterentwicklung, die einen entscheidenden Zusatz nutzt:
Das klingt nach Antennen-Voodoo, ist aber technisch sauber gelöst. Und genau das macht sie so interessant.
Unterhalb des Baluns wird ein definiertes Stück Koax absichtlich zum Strahler gemacht. Das geschieht so:
Damit entsteht eine kontrollierte vertikale Strahlungskomponente, die die klassische Windom nicht besitzt.
Die Carolina Windom ist damit eine Art Hybridantenne, die zwei Strahlungsarten kombiniert.
Die Carolina Windom verwendet typischerweise:
Der Balun ist entscheidend, denn er bestimmt:
Ein schlechter Balun macht aus einer Carolina Windom schnell eine „Carolina Chaos“.
Bei der klassischen Windom sitzt die Sperre direkt am Balun.
Bei der Carolina Windom dagegen:
Diese Positionierung ist der Schlüssel zur vertikalen Komponente.
Die Carolina Windom erzeugt:
Das Ergebnis ist kein perfektes, symmetrisches Diagramm – aber eines, das in der Praxis sehr gute Reichweiten liefert.
Viele Funkamateure berichten:
Kurz: Sie strahlt dahin, wo man es braucht – nicht dahin, wo es schön aussieht.
Gesamtlänge: ca. 20 m
Koax-Radiator:
Mantelwellensperre:
Speisung:
Aufhängung:
Sie ist eine Antenne, die nicht nur „funktioniert“, sondern performt – und das ohne exotische Bauteile oder komplizierte Konstruktion.
Die Carolina Windom ist eine Windom 2.0:
Sie ist ideal für Funkamateure, die:
Kurz gesagt: Die Carolina Windom ist die Windom für alle, die mehr wollen als nur „es geht irgendwie“.

Apr. 25
Kein Fake ist, dass unser geplantes Treffen am 2. Mai ausfällt.
Der Grund liegt auf der Hand!
Freitag, der 1. Mai, ist bekanntermaßen ein Feiertag.
Der 2. Mai ist ein Samstag und den, so haben wir beschlossen, wollen wir mit unseren Familien zusammen begehen.
Am 9. Mai werden wir stattdessen im Shack in der Friesdorfer Straße 197 zu einem Arbeitstreffen zusammenkommen. Bis dahin, alles Gute!
Apr. 22
Arthur Edwin Kennelly ist einer der großen, stillen Architekten der Nachrichtentechnik. Ein Mann, der zwischen Labor, Hörsaal und Funkgeschichte pendelte und dabei half, die Grundlagen der Hochfrequenztechnik zu formen. Während Heaviside als exzentrischer Einzelgänger galt, war Kennelly der pragmatische Ingenieur, der Theorie und Praxis miteinander verschweißte – wie ein sauber verlöteter PL-Stecker.
Kennelly wurde 1861 in Indien geboren, wuchs in England auf und begann seine Karriere – wie viele Pioniere der Nachrichtentechnik – in der Telegraphie. Er arbeitete für die Eastern Telegraph Company, bevor er in die USA wechselte und dort mit Thomas Edison zusammenarbeitete. Diese Zeit prägte ihn: Er lernte, dass elektrische Systeme nicht nur mathematisch elegant, sondern auch robust, fehlertolerant und notfalls mit einem Schraubenzieher zu reparieren sein müssen.
Später wurde er Professor an der Harvard University und am MIT – eine seltene Doppelrolle, die zeigt, wie sehr seine Expertise gefragt war.
Kennelly formulierte 1902 unabhängig von Heaviside die Hypothese einer elektrisch leitfähigen Atmosphärenschicht, die Radiowellen reflektiert. Diese Schicht – heute als E-Schicht der Ionosphäre bekannt – ist der Grund, warum Funkamateure nachts auf 40 m plötzlich Stationen aus Übersee hören, obwohl sie tagsüber nur das Rauschen der Nachbarschaft empfangen.
Ohne Kennelly wäre DX-Betrieb vielleicht ein Mythos, den alte OMs am Lagerfeuer erzählen.
Kennelly arbeitete an mathematischen Modellen für:
Viele dieser Modelle sind heute Standardwerkzeug im Amateurfunk – auch wenn kaum jemand weiß, dass Kennelly sie entwickelt oder verfeinert hat.
Kennelly war ein Brückenbauer zwischen Theorie und Praxis. Er übersetzte die oft abstrakten Formulierungen von Maxwell und Heaviside in Werkzeuge, die Ingenieure tatsächlich anwenden konnten.
Dazu gehören:
Er war einer der ersten, der die Bedeutung komplexer Zahlen in der Elektrotechnik systematisch erklärte – ein Konzept, das heute jeder Funkamateur spätestens beim Antennenabgleich verflucht und gleichzeitig bewundert.
Kennelly war weniger exzentrisch als Heaviside, aber er hatte einen trockenen Humor. Er soll einmal gesagt haben, dass die meisten Ingenieure „komplexe Zahlen für schwarze Magie halten, bis sie merken, dass reale Schaltungen sich noch schlimmer verhalten“.
Ein Satz, der jedem Funkamateur aus der Seele spricht, der jemals eine Antenne gebaut hat, die theoretisch resonant sein sollte – und dann im Realbetrieb SWR 5:1 zeigt.
| Bereich | Beitrag | Bedeutung |
|---|---|---|
| Funkwellenausbreitung | Kennelly–Heaviside-Schicht | Grundlage des Kurzwellen-DX |
| Elektrotechnik | Komplexe Impedanzmodelle | Fundament moderner AC-Analyse |
| Nachrichtentechnik | Leitungs- und Dämpfungsmodelle | Basis für HF- und NF-Übertragung |
| Normierung | Arbeiten zu elektrischen Einheiten | Einfluss auf internationale Standards |
| Mathematik | Anwendung komplexer Zahlen in der Elektrotechnik | Vereinfachung von AC-Berechnungen |
Apr. 19
Die Windom-Antenne ist so etwas wie der alte, leicht verschrobene Onkel des Amateurfunks: seit Jahrzehnten dabei, manchmal unterschätzt, gelegentlich belächelt, aber wenn’s drauf ankommt, liefert er zuverlässig ab. Und wie jeder gute Onkel hat auch die Windom eine Geschichte, ein paar Eigenheiten und eine gewisse Resistenz gegen moderne Trends – was sie in der Funkwelt erstaunlich sympathisch macht.

Die Windom-Antenne wurde in den 1920er-Jahren von Loren G. Windom (W8GZ) beschrieben. Damals, als Funkamateure noch mit Röhren experimentierten, die heißer wurden als die Herdplatte, und Antennen eher nach dem Motto „Hoffentlich fällt sie nicht runter“ gebaut wurden.
Windoms Idee war revolutionär: Eine unsymmetrisch gespeiste Dipolantenne, die über einen einzigen Speisepunkt mehrere Bänder abdecken kann. Das war zu einer Zeit, als Multibandbetrieb ungefähr so einfach war wie ein spontaner Mondflug.
Die klassische Windom ist im Grunde ein Dipol, der nicht in der Mitte, sondern seitlich versetzt gespeist wird – typischerweise bei etwa 1/3 der Gesamtlänge.
Warum das funktioniert:
Die Physik dahinter ist elegant: Ein Dipol hat auf seinen Oberwellen ähnliche Stromverteilungen, und die versetzte Einspeisung trifft zufällig mehrere dieser Punkte so, dass ein brauchbarer Kompromiss entsteht. Kurz gesagt: Die Windom ist die Antenne für alle, die Multiband wollen, aber keine Lust auf Spaghetti aus Drähten haben.
Windom-Fans behaupten gern, sie sei die „eierlegende Wollmilchsau“. Das stimmt nicht ganz – aber sie ist erstaunlich vielseitig.
Die Windom-Antenne ist ein Stück Funkgeschichte, das sich hartnäckiger hält als mancher Ortsverbandsschrank voller vergilbter QSL‑Karten. Sie ist technisch clever, erstaunlich vielseitig und gleichzeitig ein wunderbarer Spiegel für jene Funkamateure, die seit 40 Jahren dieselbe Antenne, denselben Transceiver und dieselbe Meinung benutzen. Zeit also für einen Blick auf Physik, Praxis und ein wenig humorvolle Selbstreflexion.
Die Windom-Antenne wurde 1929 von Loren G. Windom (W8GZ) beschrieben. Damals, als Sender noch glühten, Netzteile brummten und Antennen eher zufällig funktionierten, entdeckte Windom, dass ein seitlich gespeister Dipol mehrere Bänder bedienen kann, ohne dass man für jedes Band einen eigenen Draht in den Garten hängen muss.
Für damalige Verhältnisse war das revolutionär – und für heutige Funkamateure, die sich ungern von Bewährtem trennen, ist es ein beruhigendes Stück Tradition. Manche behaupten sogar, die Windom sei die letzte Antenne, die man wirklich braucht. Andere behaupten das Gleiche über ihren Röhren-Transceiver von 1963.
Die Windom ist im Kern ein Dipol, der nicht in der Mitte, sondern asymmetrisch gespeist wird – typischerweise bei etwa 1/3 der Gesamtlänge.
Die Stromverteilung auf den Oberwellen ähnelt sich so weit, dass die Einspeiseposition mehrfach „passt“. Das ist kein Wunderwerk, sondern eher ein glücklicher physikalischer Zufall – aber einer, der seit fast 100 Jahren zuverlässig funktioniert.
Die Windom ist keine Wunderantenne, aber sie ist ein sehr guter Kompromiss für Multibandbetrieb.
| Band | Bewertung |
|---|---|
| 80 m | brauchbar |
| 40 m | sehr gut |
| 20 m | sehr gut |
| 15 m | gut |
| 10 m | gut |
| 6 m | gelegentlich nutzbar |
Kurz gesagt: Die Windom ist wie ein erfahrener Funkamateur – nicht perfekt, aber erstaunlich leistungsfähig, wenn man sie richtig behandelt.
Hier ein Beispiel für eine 40‑m‑Windom, die mehrere Bänder abdeckt.
Gesamtlänge: 20 m
Der Bau ist unkompliziert – was erklärt, warum die Windom so beliebt ist. Sie funktioniert, ohne dass man ein Ingenieursstudium oder eine Garage voller Messgeräte braucht.
Der Amateurfunk ist ein Hobby voller Leidenschaft, Technik und gelegentlicher Realitätsverweigerung. Die Windom-Antenne zeigt das wunderbar:
Und wenn jemand behauptet, moderne Antennen seien überlegen, dann lächelt die Windom nur müde und denkt sich: „Ich war Multiband, bevor du überhaupt wusste, wie man ein Koaxkabel richtig herum anschließt.“
Die Windom-Antenne ist ein technisch cleverer Klassiker, der Multibandbetrieb mit einfacher Konstruktion verbindet. Sie ist effizient, robust und ideal für Funkamateure, die eine unkomplizierte, vielseitige Lösung suchen.
Sie ist nicht perfekt – aber sie ist zuverlässig, traditionsreich und erstaunlich leistungsfähig. Und sie erinnert uns daran, dass Amateurfunk nicht nur aus Technik besteht, sondern auch aus Humor, Selbstironie und der Fähigkeit, über die eigenen Gewohnheiten zu schmunzeln.

Apr. 17
Hallo zusammen,
die folgenden Funkflohmärkte stehen vor der Türe:
Apr. 15
Das Ohmsche Gesetz lautet:
Oder in der Sprache eines Lehrers mit strengem Seitenscheitel:
„Wenn du mehr Spannung gibst, fließt mehr Strom. Wenn du mehr Widerstand einbaust, fließt weniger. Und wenn du beides gleichzeitig machst, dann weiß der Strom auch nicht mehr, wo ihm der Kopf steht.“
Mehr Spannung → mehr Strom → schneller heiß. Weniger Spannung → lauwarmer Tee → schlechte Laune.
Ein Ladekabel mit zu dünnem Querschnitt hat hohen Widerstand. Ergebnis: Das Handy lädt so langsam, dass man zwischendurch ein neues Handy kaufen könnte.
Wenn ein Lämpchen durchbrennt, steigt der Widerstand. Ergebnis: Die ganze Kette geht aus – und der Amateurfunker behauptet, er könne das „mit einem Multimeter und einem Bier“ in fünf Minuten reparieren. Er braucht dann aber doch drei Stunden und zwei Bier.
Wasser + Mensch + Strom = sehr niedriger Widerstand. Ergebnis: Keine gute Idee. (Ohm hätte das vermutlich als Fußnote erwähnt.)
Je enger das Rohr, desto weniger Wasser kommt durch. Je mehr Druck, desto mehr fließt.
Wenn der Widerstand hoch ist, redet er weniger. Wenn der Widerstand niedrig ist, redet er ununterbrochen. Wenn die Spannung hoch ist, redet er trotz Widerstand.
Mehr Hunger → mehr Pizza. Mehr schlechtes Gewissen → weniger Pizza. Mehr Hunger und schlechtes Gewissen → Konflikt, der nur durch Nachtisch lösbar ist.
Der typische Funkamateur kennt das Ohmsche Gesetz natürlich auswendig. Er erklärt es auch jedem – ob derjenige will oder nicht.
Beispielhafte Szene:
„Also Jungchen, dat Ohmsche Gesetz, dat is ganz einfach. Wenn du da 12 Volt draufgibst und der Widerstand 6 Ohm hat, dann fließen 2 Ampere. Dat weiß doch jeder! Ich hab dat schon gemessen, da warst du noch Quarz im Oszillator!“
Und dann zeigt er dir stolz einen selbstgebauten Dummy‑Load, der aussieht wie ein Heizlüfter aus dem Jahr 1952, aber angeblich „bis 500 Watt locker wegsteckt“. Tut er auch – allerdings in Form von Rauch.

Das Ohmsche Gesetz ist simpel, aber fundamental. Es erklärt, warum Strom fließt, wie viel fließt und was passiert, wenn man Bauteile kombiniert. Es steckt in jedem Gerät, das wir benutzen – vom Toaster bis zum Funkgerät.
Und wer es einmal verstanden hat, kann nicht nur Schaltungen berechnen, sondern auch beim nächsten Amateurfunk‑Stammtisch souverän nicken, wenn der Oberstudienrat wieder erklärt, dass er das alles schon wusste, bevor Ohm überhaupt geboren wurde.
Apr. 14
Ja, ist denn schon wieder Donnerstag?
Dann erinnern wir Dich an unser planmäßiges Treffen am kommenden Donnerstag, den 16.04.26, um 17:00 Uhr in der Friesdorfer Straße 197 (ganz oben, wo die Antennen wachsen!).
Du kommst doch? Es wird – wie jedes Treffen – unterhaltsam und informativ.
Apr. 12
Du kennst das: Auf dem OV-Abend wird wieder darüber gestritten, ob 100 W „QRP genug“ sind, und irgendwer erklärt dir, dass „früher mit einem nassen Bindfaden um den Balkon alles besser ging“. Währenddessen sitzen im Hintergrund ein paar Milliwatt und funken leise um die Welt. Das ist WSPR.

WSPR steht für „Weak Signal Propagation Reporter“ – eine digitale Betriebsart und ein Protokoll, das speziell dafür entwickelt wurde, extrem schwache Signale auszuwerten und damit Funkwellenausbreitung messbar zu machen.
Kernidee:
Damit kannst du sehen:
WSPR ist also eher ein wissenschaftliches Messinstrument als eine klassische Betriebsart. Wer damit „Plaudern“ will, hat das Konzept ungefähr so verstanden wie jemand, der mit einem Oszilloskop versucht, E-Mails zu schreiben.

Typische Anwendungen:
Kurz: WSPR ist das Gegenteil von „gefühlt geht das gut“ – es liefert dir harte Daten, die dem Bauchgefühl der Besserwisser gern mal ins Gesicht springen.
WSPR stammt aus der Feder von Joseph Hooton Taylor Jr., K1JT, Nobelpreisträger für Physik (Pulsare, Gravitationswellen, so Kleinkram) und Funkamateur.
Er hat eine ganze Familie von digitalen Betriebsarten geschaffen (WSJT, JT65, FT8, usw.), alle mit einem Ziel: extrem schwache Signale zuverlässig dekodieren. WSPR ist dabei die Variante, die speziell auf Ausbreitungsbeobachtung optimiert ist.
Die Software ist Open Source, wird von einem kleinen Entwicklerteam weiter gepflegt und läuft auf praktisch allem, was eine Soundkarte und ein halbwegs funktionierendes Betriebssystem hat.
Während also manche im Shack noch darüber diskutieren, ob ein Computer „echter Amateurfunk“ ist, haben Taylor & Co. längst dafür gesorgt, dass ein paar Milliwatt mit mathematischer Präzision um den Globus flüstern.
Ein WSPR-Signal klingt wie ein leicht nerviger, sehr schmalbandiger Ton, der über knapp zwei Minuten ganz langsam seine Frequenz ändert. Hinter diesem scheinbar simplen „Pfeifen“ steckt eine ziemlich raffinierte Struktur.

Diese Informationen werden komprimiert, codiert und mit Fehlerkorrektur versehen, sodass am Ende eine relativ kleine Datenmenge entsteht, die extrem robust übertragen werden kann.
WSPR verwendet 4-FSK, also eine Frequenzumtastung mit vier verschiedenen Tonfrequenzen.
Die eigentliche Kunst passiert aber nicht in der HF, sondern in der Signalverarbeitung:
Ergebnis: WSPR-Signale können noch dekodiert werden, wenn sie deutlich unter der Hörschwelle liegen – typischerweise bis etwa 20–30 dB unter dem Rauschen in einem 2,5 kHz-Audiofenster.
Oder anders gesagt: Während der „Alles-Könner“ im Shack behauptet, „da ist nix zu hören“, hat WSPR längst 50 Spots in 10 000 km Entfernung gesammelt.
| Aspekt | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Bandbreite | Extrem schmal, nur wenige Hertz – sehr effizient im Spektrum. | Nicht für hohe Datenraten geeignet, nur Minimalinformationen. |
| Empfindlichkeit | Dekodierbar weit unterhalb der Hörschwelle. | Erfordert exakte Frequenz- und Zeitsynchronisation. |
| Robustheit | Fehlerkorrektur macht das System sehr tolerant gegenüber Störungen. | Wenn es zu gestört ist, gibt es keine „halben“ Dekodierungen – alles oder nichts. |
| Implementierung | Relativ einfach mit SSB-TRX + Soundkarte realisierbar. | Präzise Taktung und Frequenzstabilität sind Pflicht, Billig-Quarze können nerven. |
| Ausbreitungsanalyse | Ideal für statistische Auswertung und globale Karten. | Für echte Kommunikation (Dialog) ungeeignet. |
| Leistungsbedarf | Funktioniert mit wenigen Milliwatt – perfekt für QRP und Solar. | Hohe Sendeleistung ist sinnlos, aber wird trotzdem gern „aus Prinzip“ genutzt. |
| Betriebsabwicklung | Vollautomatisierbar, 24/7-Betrieb möglich. | Wer „Funkgespräch“ erwartet, wird bitter enttäuscht – es funkt ohne dich. |
| HF-Sauberkeit | Schmalbandig, gut kontrollierbar, wenig Nebenaussendungen bei sauberem Setup. | Schlechte Soundkarten, falsche Pegel oder übersteuerte PA ruinieren alles. |
Mit WSPR kannst du sehr nüchtern testen:
Wenn deine „supergeheime Balkonantenne“ mit 5 W WSPR weltweit kaum Spots erzeugt, liegt das Problem selten an der Ionosphäre.
WSPR zeigt gnadenlos:
WSPR ist ein wunderbares Werkzeug, um Aussagen wie:
„Mit der Antenne kommst du niemals über 500 km!“
durch einen einfachen Blick auf die WSPR-Karte zu entkräften. Wenn die Spots aus Übersee im Log stehen, ist die Diskussion meist schneller vorbei als der nächste OV-Klönschnack.
Ohne in Konfigurationsorgien abzudriften, sieht ein typischer Ablauf so aus:
Und ja: Das Ganze funktioniert auch komplett empfangsseitig – ein reiner WSPR-Empfänger ist ein hervorragendes Werkzeug, um die Ausbreitung zu beobachten, ohne selbst zu senden.
WSPR ist im Kern eine freundliche, aber sehr direkte Antwort auf viele liebgewonnene Mythen im Hobby:
WSPR sagt:
Wer das nicht mag, kann natürlich weiter behaupten, dass früher alles besser war. Der Rest schaut sich währenddessen in Ruhe die WSPR-Karte an und sieht in Echtzeit, wie die Welt funkt.