đŸ§Ș Messaufbau: Resonanz und Impedanz einer 40 m‑Antenne mit NanoVNA

🔧 Ziel:

  • Resonanzfrequenz finden
  • Impedanzverlauf analysieren
  • SWR‑Minimum bestimmen
  • Anpassung bewerten
  • Mythos „SWR 1:1 = perfekt“ entlarven

🧰 Was du brauchst

Komponente Zweck
NanoVNA (z. B. H4 oder V2) HF‑MessgerĂ€t fĂŒr S11 (Reflexion)
Kalibrierset (Open/Short/Load) Genauigkeit sicherstellen
SMA‑Adapter auf PL/N/BNC Anschluss an Antenne/Kabel
Kurzes Koaxkabel (z. B. RG316) Verbindung NanoVNA ↔ Antenne
Powerbank oder USB‑Strom Mobilbetrieb
NanoVNA‑Saver Software (PC) Komfortable Auswertung
Optional: Mantelwellensperre Störungsarm messen

📡 Aufbau Schritt fĂŒr Schritt

1. Kalibrierung

  • Frequenzbereich: z. B. 6,9–7,3 MHz (fĂŒr 40 m)
  • MenĂŒ: CAL → Reset → Calibrate
  • Nacheinander anschließen:
    • OPEN → nichts angeschlossen
    • SHORT → Kurzschluss
    • LOAD → 50 Ω Abschluss
  • Kalibrierung speichern (z. B. Save 0)

💀 CB‑Funker wĂŒrden hier schon aufgeben, weil „das Ding keine Knöpfe hat“.

2. Antenne anschließen

  • Koaxkabel vom NanoVNA an die Antenne
  • Möglichst direkt am Fußpunkt, nicht im Shack
  • Mantelwellensperre dazwischen, falls nötig

3. Messung starten

  • Anzeige: SWR, Impedanz, Smith‑Chart
  • Frequenz sweepen: z. B. 6,9–7,3 MHz
  • Beobachten:
    • Wo liegt das SWR‑Minimum?
    • Wie sieht die Impedanzkurve aus?
    • Ist die Antenne resonant oder nur „ruhig“?

4. Auswertung

Parameter Bedeutung Interpretation
SWR < 2 brauchbar angepasst gut fĂŒr Praxis
Z ≈ 50 Ω perfekte Anpassung selten, aber möglich
Z = 200–600 Ω hochohmig, evtl. fĂŒr Tuner gedacht G5RV‑Alarm
ImaginĂ€rteil ≠ 0 kapazitiv/induktiv → nicht resonant Anpassnetzwerk nötig

🧠 Viele Funkamateure glauben, dass ein SWR‑Minimum automatisch Resonanz bedeutet. Der NanoVNA zeigt dir, dass das oft nur ein „Zufall durch Koax‑Verluste“ ist.

5. Optimierung

  • Antenne zu kurz? → VerlĂ€ngern
  • Antenne zu lang? → KĂŒrzen
  • Impedanz zu hoch? → Balun/Unun einsetzen
  • SWR‑Minimum außerhalb Band? → LĂ€nge anpassen oder Tuner verwenden

🧠 Was du daraus lernst

  • Deine Antenne ist nicht „gut“, weil das SWR‑Meter ruhig bleibt
  • Die Impedanz ist oft weit weg von 50 Ω
  • Der NanoVNA zeigt dir, ob du wirklich sendest – oder nur heizt
  • Du erkennst, ob dein Tuner „rettet“ oder nur „versteckt“

Treffen am Karsamstag, den 04.04.2026, 12:00 Uhr

Erinnerung! 

Am Karsamstag, den 04.04.2026, 12:00 Uhr findet unser planmĂ€ĂŸiges Treffen statt. Besondere AktivitĂ€ten sind hier nicht bekannt. Aber man muss ja auch nicht immer einen triftigen Grund haben, um gemĂŒtlich zusammen zu kommen.

Bis dahin!

 

NanoVNA – Der kleine chinesische Spiegel, der deiner Antenne die Wahrheit sagt

Ein technischer, praxisnaher Leitfaden mit tiefem Schwarz­humor fĂŒr alle, die mehr messen wollen als nur SWR‑Balken auf einem Baumarkt‑Stehwellenmeter.

1. Einleitung: Was ein VNA ĂŒberhaupt macht – und warum der NanoVNA mehr kann als so mancher Funkamateur

Ein Vektorieller Netzwerkanalysator (VNA) misst, wie ein System auf HF‑Signale reagiert. Konkret kann er:

  • Reflexionen messen (S‑Parameter, vor allem S11)
  • Durchgang messen (z. B. Filter, VerstĂ€rker, S21)
  • Impedanz bestimmen (Widerstand, InduktivitĂ€t, KapazitĂ€t)
  • Anpassung bewerten (SWR, Return Loss, Smith‑Diagramm)

Der NanoVNA ist die „China‑Version“ eines teuren Labor‑VNAs – nur kleiner, bunter und mit mehr Plastik. Er ist:

  • erstaunlich leistungsfĂ€hig
  • unfassbar preiswert
  • manchmal zickig
  • und gnadenlos ehrlich zu deiner Antenne

Kurz gesagt:

Der NanoVNA zeigt dir, dass deine „perfekt abgestimmte“ Antenne in Wahrheit ein Heizstrahler mit Funkambitionen ist.

2. StÀrken und SchwÀchen des NanoVNA

2.1 StÀrken

  • Preis: FĂŒr den Gegenwert eines mittelmĂ€ĂŸigen Handmikrofons bekommst du ein MessgerĂ€t, das frĂŒher nur Labore hatten.
  • Frequenzbereich: Je nach Version typischerweise bis 900 MHz, 1,5 GHz oder 3 GHz.
  • FunktionalitĂ€t: SWR, Impedanz, Smith‑Chart, S‑Parameter, Filtermessung, Kabelmessung, Resonanzsuche.
  • Portabel: Akku, klein, direkt an der Antenne nutzbar.
  • PC‑Anbindung: Mit Software wird er zum „Mini‑Labor“.

2.2 SchwÀchen

  • Genauigkeit: Kein High‑End‑LaborgerĂ€t. FĂŒr Amateurfunk und Praxis aber mehr als ausreichend.
  • DisplaygrĂ¶ĂŸe: Das interne Display ist eher „Augenarzt‑Test“ als Komfortanzeige.
  • Bedienung: MenĂŒs sind manchmal
 sagen wir „chinesisch inspiriert“.
  • HF‑Leistung: Ausgangsleistung ist gering – gut fĂŒr Bauteile, schlecht fĂŒr Leute, die „mit dem NanoVNA mal eben die Endstufe testen“ wollen.

3. Was man mit einem NanoVNA alles messen kann – Übersicht

3.1 Vergleichstabelle: Messmöglichkeiten mit dem NanoVNA

Messaufgabe Möglich? Port(e) Typische Anwendung
SWR von Antennen Ja CH0 (S11) Antennenbau, Abstimmung, Fehlersuche
Impedanz von Antennen Ja CH0 Anpassung, Resonanzfrequenz
KabellĂ€nge und Fehlerstelle Ja CH0 Koax prĂŒfen, Bruchstellen finden
DĂ€mpfung von Kabeln Ja CH0/CH1 QualitĂ€tsprĂŒfung, Vergleich alt/neu
Filtercharakteristik (Bandpass etc.) Ja CH0→CH1 Selbstbaufilter, Kaufteile prĂŒfen
Resonanz von Spulen/Kondensatoren Ja CH0 BauteilprĂŒfung, Eigenresonanz
Duplexer/Weichen testen Ja CH0/CH1 Relaisstellen, Multiband‑Setups
Baluns/Ununs messen Ja CH0 ÜbertragungsverhĂ€ltnis, Bandbreite
VerstĂ€rker‑Durchgang (nur S21, keine Leistung!) EingeschrĂ€nkt CH0→CH1 Kleinsignal‑Gain, Frequenzgang
SWR‑BrĂŒcken ersetzen Ja CH0 Deutlich genauer als „Zeiger wackelt“‑MessgerĂ€te

4. Was du fĂŒr den sinnvollen Einsatz brauchst

4.1 Grundausstattung

  • NanoVNA (möglichst eine Version mit halbwegs seriöser Firmware)
  • Kalibrierset: Open, Short, Load (meist beigelegt)
  • Koaxadapter: SMA auf PL, N, BNC etc.
  • Gute Koaxkabel: Kurz, hochwertig, mit vernĂŒnftigen Steckern
  • PC‑Software (z. B. NanoVNA‑Saver) fĂŒr komfortable Auswertung

4.2 Optional, aber sehr empfehlenswert

  • DĂ€mpfungsglieder (z. B. 10–30 dB)
  • MessbrĂŒcke / Directional Coupler (fĂŒr spezielle Setups)
  • Mechanische Halterung oder Stativ fĂŒr den NanoVNA
  • Externe Stromversorgung (Powerbank, USB)

Und ganz wichtig:

Geduld. Der NanoVNA misst ehrlich – aber er erklĂ€rt dir nicht, warum deine Antenne schlecht ist. Das musst du schon selbst herausfinden.

5. Praxisbeispiel 1: Antenne messen und abstimmen

5.1 Ziel

  • SWR‑Verlauf ĂŒber ein Band messen
  • Resonanzfrequenz finden
  • Anpassung verbessern

5.2 Schritt‑fĂŒr‑Schritt‑Anleitung

Schritt 1: Kalibrierung

  1. Frequenzbereich einstellen, z. B. 3–4 MHz fĂŒr 80 m oder 6,9–7,3 MHz fĂŒr 40 m.
  2. Im MenĂŒ CAL → „Reset“ → „Calibrate“.
  3. Nacheinander an CH0 anschließen:
    • OPEN (nichts angeschlossen oder Open‑Standard)
    • SHORT (Kurzschluss‑Standard)
    • LOAD (50‑Ohm‑Abschluss)
  4. Kalibrierung speichern (Save 0–4).

Schritt 2: Antenne anschließen

  1. Antenne ĂŒber kurzes, gutes Koax an CH0 anschließen.
  2. Messbereich prĂŒfen: SWR‑Kurve, Impedanz, ggf. Smith‑Chart anzeigen.

Schritt 3: Auswertung

  • Resonanzfrequenz: Dort, wo der reelle Anteil nahe 50 Ω liegt und der imaginĂ€re Anteil nahe 0.
  • SWR‑Minimum: Idealerweise im gewĂŒnschten Bandbereich.
  • Bandbreite: Bereich, in dem SWR < 2 liegt.

Schritt 4: Optimierung

  • Antenne verlĂ€ngern → Resonanzfrequenz sinkt
  • Antenne verkĂŒrzen → Resonanzfrequenz steigt
  • Anpassnetzwerk (L‑Glied, T‑Netzwerk, Balun) anpassen

Und ja:

Der NanoVNA zeigt dir gnadenlos, dass deine „fĂŒr alle BĂ€nder perfekte“ G5RV in Wahrheit auf manchen BĂ€ndern eher ein HeizlĂŒfter ist.

6. Praxisbeispiel 2: Koaxkabel prĂŒfen – LĂ€nge und Fehlerstelle

6.1 Ziel

  • KabellĂ€nge bestimmen
  • Bruchstellen oder schlechte Stecker finden

6.2 Schritt‑fĂŒr‑Schritt

Schritt 1: Frequenzbereich wÀhlen

  • Einen Bereich wĂ€hlen, in dem das Kabel elektrisch „sichtbar“ ist, z. B. 1–100 MHz.

Schritt 2: Kalibrieren (CH0)

  • Kurzkalibrierung mit Open/Short/Load.

Schritt 3: Kabel anschließen

  • Ein Ende an CH0, das andere offen lassen oder kurzschließen.

Schritt 4: TDR‑Àhnliche Auswertung

Mit geeigneter Software (z. B. NanoVNA‑Saver) kann man aus der Phasenlage und Resonanzen die KabellĂ€nge bestimmen. Alternativ:

  • ResonanzabstĂ€nde auswerten
  • Geschwindigkeit im Kabel (VerkĂŒrzungsfaktor) berĂŒcksichtigen

Praktischer Nutzen:

  • „Ist das alte Kabel noch gut?“
  • „Wo ist der Knick, den ich vor drei Wintern reingezogen habe?“

7. Praxisbeispiel 3: Bandpassfilter messen

7.1 Ziel

  • Durchlassbereich
  • Flankensteilheit
  • DĂ€mpfung außerhalb des Bandes

7.2 Aufbau

  • CH0 → Eingang des Filters
  • Ausgang des Filters → CH1

7.3 Schritt‑fĂŒr‑Schritt

  1. Frequenzbereich wĂ€hlen, z. B. 1–50 MHz.
  2. Zweitor‑Kalibrierung (CH0/CH1) durchfĂŒhren.
  3. Filter anschließen.
  4. Anzeige auf S21 (Durchgang) stellen.
  5. Kurve auswerten:
    • Maximale DurchlassdĂ€mpfung
    • Bandbreite
    • DĂ€mpfung im Sperrbereich

So findest du heraus, ob dein „super steiler China‑Bandpassfilter“ wirklich filtert – oder nur hĂŒbsch aussieht.

8. Praxisbeispiel 4: Balun/Unun testen

8.1 Ziel

  • ÜbertragungsverhĂ€ltnis
  • Bandbreite
  • Anpassung

8.2 Vorgehen

  1. Balun an CH0 anschließen, sekundĂ€rseitig mit 50 Ω (oder entsprechendem Ersatzwiderstand) abschließen.
  2. Frequenzbereich wĂ€hlen (z. B. 1–30 MHz).
  3. Impedanzverlauf und SWR messen.
  4. PrĂŒfen, ob das gewĂŒnschte ÜbersetzungsverhĂ€ltnis (z. B. 1:4, 1:9) im relevanten Bereich halbwegs konstant ist.

So erkennst du, ob dein Balun ein HF‑Bauteil ist – oder nur ein hĂŒbsch gewickelter Ferritklotz.

9. Übersicht: Was der NanoVNA in der Praxis bringt

Anwendung Nutzen Typischer Aha‑Effekt
Antennenmessung SWR, Resonanz, Anpassung „Meine Antenne war nie resonant, nur geduldig.“
KabelprĂŒfung LĂ€nge, DĂ€mpfung, Fehlerstellen „Das Koax ist der eigentliche Dummy Load.“
Filtermessung Durchlass, Sperrbereich, Flanken „Der teure Filter ist nur ein Deko‑Bauteil.“
Balun/Unun‑Test Übersetzung, Bandbreite „Mein 1:9‑Unun ist eher 1:irgendwas.“
Bauteilresonanz Spulen, Kondensatoren, Eigenresonanzen „Die Spule ist bei 20 MHz schon eine Antenne.“
Relaisstellen/Weichen Isolation, Durchgang, Frequenzverhalten „Der Duplexer ist eher ein Triplexer ins Chaos.“

10. Fazit: Der NanoVNA als ehrlicher Spiegel deiner HF‑RealitĂ€t

Der NanoVNA ist kein Spielzeug – auch wenn er so aussieht. Er ist ein extrem mĂ€chtiges Werkzeug, das:

  • Antennenmythen zerstört
  • Koax‑Legenden entlarvt
  • Filterromantik beendet
  • und Balun‑Esoterik auf den Boden der Tatsachen holt

Er zwingt dich, HF nicht zu glauben, sondern zu messen. Und genau das unterscheidet den „Knopf‑Dreher“ vom Techniker.

Wer den NanoVNA beherrscht, baut bessere Antennen, versteht seine Station und hört mehr als nur Rauschen und CB‑Gequake. Wer ihn ignoriert, bleibt bei:

„SWR ist 1:1, also muss alles gut sein.“

Persönlichkeiten des Amateurfunk: DL3SO Rudolf Binz

Rudolf Binz (DL3SO) — Funkpionier, Ingenieur und internationaler Frequenzexperte. Entdecken Sie auf unserer Seite das Leben eines Mannes, der Amateurfunk nicht nur als Hobby, sondern als BrĂŒcke zwischen Menschen und Nationen lebte — und als einer der Wegbereiter der IGAFU‑Bonn die Grundlagen fĂŒr heutige Hilfs‑ und Koordinationsnetze mitprĂ€gte.

Hier die PDF, welche er uns damals zu VerfĂŒgung stellte.

Funkerleben_3

Kirchhoffs Strom Regeln

Da stellen wir uns also mal ganz dumm und sagen: „Das da
 das is’n Stromkreis.“ Und mitten drin sitzt ein schwarzes Loch – nicht im astronomischen Sinne, sondern im pĂ€dagogischen. Ein Punkt, an dem der Strom reinfließt, rausfließt, sich wundert, warum er ĂŒberhaupt fließt, und sich dann doch wieder beruhigt, weil die Physik ihm sagt: „Junge, du musst. Kirchhoff hat’s befohlen.“

Und wĂ€hrend wir das erklĂ€ren, sitzt hinten in der Klasse der allwissende Amateurfunk‑Oberstudienrat, der seit 1978 jedem erzĂ€hlt, dass er die Kirchhoffschen Regeln schon kannte, bevor Kirchhoff ĂŒberhaupt geboren wurde. Er hebt schon den Finger, um zu sagen: „Also eigentlich
“ – aber wir ignorieren ihn höflich, wie man das bei solchen Exemplaren tun muss.

Kirchhoffs Erste Stromregel – Die Knotenregel

Die erste Regel lautet:

∑Irein=∑Iraus

Oder in der Sprache eines Lehrers mit strengem Seitenscheitel:

„Wat reinjeht, muss ooch wieder rausjehn.“

Ein Knoten ist ein Punkt, an dem mehrere Leitungen zusammenkommen. Und egal, wie viele Elektronen sich dort drĂ€ngeln – sie können nicht einfach verschwinden. Kein Elektron löst sich in Luft auf, auch wenn der Amateurfunk‑Oberlehrer hinten murmelt, dass er da mal ’ne Ausnahme gemessen hat. Hat er nicht.

Bedeutung in der Praxis

  • In jedem Knoten bleibt die Strombilanz immer ausgeglichen.
  • Es gibt keine geheimen Elektronen‑Fluchtwege.
  • Wenn drei Ströme reinfließen und zwei rausfließen, dann ist der dritte rausfließende Strom automatisch festgelegt.

Kirchhoffs Zweite Stromregel – Die Maschenregel

Die zweite Regel lautet:

∑U=0

Oder in pÀdagogisch wertvoller Form:

„Wenn wir einmal im Kreis rumlaufen, mĂŒssen wir wieder da rauskommen, wo wir reinjeganjen sind – und zwar ohne Energie zu verlieren, die wir nich vorher irgendwo aufgenommen haben.“

Eine Masche ist ein geschlossener Stromkreis. Und in diesem Kreis mĂŒssen alle Spannungen zusammen genau null ergeben. Jede Batterie, jeder Widerstand, jede LED – alles trĂ€gt seinen Teil dazu bei.

Bedeutung in der Praxis

  • Die Summe aller Spannungen in einer Masche ist immer null.
  • Energie, die eine Quelle liefert, wird von den Verbrauchern wieder „verbraten“.
  • Kein Bauteil zaubert Energie aus dem Nichts, auch wenn der Amateurfunk‑Allwissende hinten behauptet, er habe da mal ’ne Schaltung gebaut, die „mehr raus als rein“ hatte. Nein, hat er nicht. Das war ein Messfehler. Oder ein Traum.

Warum diese Regeln so fundamental sind

  • Sie folgen direkt aus der Ladungserhaltung und der Energieerhaltung.
  • Ohne sie könnte man keine Schaltungen berechnen.
  • Sie bilden die Grundlage fĂŒr Netzwerkanalyse, Simulationen und jede Form von Elektrotechnik – vom TĂŒrgong bis zum Teilchenbeschleuniger.

Und sie sind so unerschĂŒtterlich, dass selbst der Amateurfunk‑Oberstudienrat sie nicht wegdiskutieren kann, auch wenn er es seit 40 Jahren versucht.

Anwendung: Der „Amateurfunk‑Knoten“

Stell dir einen Funkstammtisch vor. Ein Knotenpunkt aus fĂŒnf MĂ€nnern, die alle gleichzeitig erklĂ€ren wollen, warum ihre Antenne die beste ist.

  • Drei reden rein.
  • Zwei reden raus.
  • Die Summe bleibt konstant: Es kommt nie etwas Sinnvolles dabei heraus.

Kirchhoff hÀtte seine Freude.

Anwendung: Die „Masche des Besserwissers“

Ein Funkamateur lÀuft im Kreis:

  1. Er erklÀrt dir, warum deine Schaltung falsch ist.
  2. Er erklÀrt dir, warum seine Schaltung richtig ist.
  3. Er erklÀrt dir, warum Kirchhoff das eigentlich anders gemeint hat.
  4. Er landet wieder am Anfang.

Die Summe seiner Aussagen ergibt: Null. Kirchhoff bestĂ€tigt: Maschenregel erfĂŒllt.

Abschließender Gedanke

Kirchhoffs Regeln sind wie gute Lehrer: streng, logisch, unbestechlich – und völlig immun gegen Besserwisserei. Sie gelten immer, ĂŒberall und ohne Ausnahme. Und wer sie einmal verstanden hat, sieht elektrische Schaltungen nie wieder als chaotisches Drahtgeflecht, sondern als geordnetes System, in dem alles seinen Platz hat.

Der Geheim Tipp ? => W3EDP-Antenne

Ein W3EDP‑Antenne ist im Kern ein erstaunlich simples, aber physikalisch hochinteressantes Gebilde: ein langes StĂŒck Draht, das sich weigert, sich wie ein klassischer Dipol zu benehmen – und genau deshalb so vielseitig ist. Der folgende Artikel verbindet technische Tiefe mit einem Augenzwinkern und fĂŒhrt durch Physik, Bau, Effizienz, Multiband‑Eigenschaften und den Vergleich zur klassischen Endfed‑Antenne.

Was die W3EDP eigentlich ist

Die W3EDP wurde in den 1930ern von Edward P. Tilton (W3EDP) populÀr gemacht. Sie besteht aus:

  • 25,6 m Strahlerdraht
  • Einer kurzen GegenkapazitĂ€t (typisch 2,5–3 m)
  • Einem Tuner (Zwingend! Ohne Tuner ist sie so kooperativ wie ein nasser Gartenschlauch)

Sie ist keine klassische Endfed, kein Dipol, kein T2LT – sie ist ein asymmetrischer Langdraht mit definierter GegenkapazitĂ€t, der auf vielen BĂ€ndern zufĂ€llig erstaunlich gut funktioniert.

Die Physik dahinter

Die W3EDP arbeitet als unsymmetrischer Strahler, der ĂŒber die kurze GegenkapazitĂ€t und die Erde (oder das Shack‑Umfeld) einen RĂŒckstrompfad bildet.

Wichtige physikalische Effekte

  • Strahlung durch Stromverteilung: Der 25,6‑m‑Draht ist auf vielen AmateurfunkbĂ€ndern irgendwo zwischen Viertelwelle und Mehrfachresonanz. Dadurch entstehen komplexe Stromknoten und ‑bĂ€uche, die eine breite Nutzbarkeit ermöglichen.
  • GegenkapazitĂ€t statt klassischem Radial: Die kurze Leitung wirkt wie ein kapazitiver Gegengewichtsersatz. Sie ist zu kurz, um selbst zu strahlen, aber lang genug, um den RĂŒckstrompfad zu stabilisieren.
  • Hohe Impedanz → Tunerpflicht: Die Impedanz kann zwischen 20 Ω und mehreren kΩ liegen. Ein Tuner ist daher nicht optional, sondern integraler Bestandteil des Systems.

MultibandfÀhigkeit

Die W3EDP deckt typischerweise folgende BĂ€nder gut ab:

  • 80 m
  • 40 m
  • 20 m
  • 17 m
  • 15 m
  • 12 m
  • 10 m

Auf 30 m und 60 m ist sie oft ebenfalls nutzbar, aber der Tuner muss dann etwas mehr schuften.

Der Trick: Die DrahtlĂ€nge von 25,6 m ist ein Kompromiss, der auf vielen BĂ€ndern irgendeine Resonanz erzeugt, die der Tuner dann in Form bringt.

Effizienz

Die Effizienz hÀngt stark vom Aufbau ab:

Vorteile fĂŒr die Effizienz

  • Langer Strahler → gute Abstrahlung
  • Wenig Verluste im Draht selbst
  • Kaum Spulen oder Traps → geringe ohmsche Verluste

Nachteile

  • RĂŒckstrom ĂŒber die Umgebung Wenn das Gegengewicht schlecht liegt, kann die Effizienz leiden.
  • Tunerverluste Besonders bei hohen Impedanzen.

Realistische EinschÀtzung

Eine gut aufgebaute W3EDP erreicht 60–85 % Effizienz, je nach Band und Aufbauhöhe. Das ist fĂŒr eine Multiband‑Antenne ohne Spulen absolut respektabel.

Bauanleitung

Material

  • 25,6 m Kupferlitze (1–2 mmÂČ)
  • 2,5–3 m Gegengewichtsdraht
  • 1:1 Mantelwellensperre (optional, aber empfehlenswert)
  • Tuner (extern oder im TRX)
  • Isolatoren, Seil, Befestigungsmaterial

Aufbau

  1. Strahler auslegen: 25,6 m Draht möglichst hoch und frei spannen. Formen: Sloper, L‑Form, Inverted‑L, horizontal – alles möglich.
  2. Gegengewicht anschließen: 2,5–3 m Draht am Tuner‑GehĂ€use oder Massepunkt befestigen. Möglichst gestreckt am Boden oder entlang der Wand.
  3. Tuner anschließen: Der Strahler kommt an den „Hot“-Ausgang, das Gegengewicht an Masse.
  4. Mantelwellensperre setzen: 1–2 m hinter dem Tuner, um HF im Shack zu reduzieren.
  5. Abstimmen und testen: Auf jedem Band kurz abstimmen und SWR prĂŒfen.

Vor- und Nachteile der W3EDP

Vorteile

  • Extrem breitbandig
  • Sehr einfach zu bauen
  • Keine Traps, keine Spulen, keine Baluns nötig
  • Gute Effizienz fĂŒr eine Multiband‑Antenne
  • Flexibel im Aufbau

Nachteile

  • Tuner zwingend erforderlich
  • HF im Shack möglich, wenn Gegengewicht schlecht liegt
  • Nicht so berechenbar wie ein Dipol
  • Auf 80 m manchmal etwas zickig

Möglicher Gewinn

Der Gewinn hÀngt stark von der Aufbauform ab. Typische Werte:

  • Horizontal gespannt: 1–2 dBi
  • Sloper: 2–3 dBi in Hauptabstrahlrichtung
  • Inverted‑L: 0–2 dBi, aber gute NVIS‑Eigenschaften auf 80/40 m

FĂŒr eine Multiband‑Antenne ohne Spulen ist das absolut solide.

Vergleich: W3EDP vs. klassische Endfed

Eine klassische Endfed (EFHW) ist resonant und nutzt einen 49:1 oder 64:1 Übertrager.

Vergleichstabelle

Merkmal W3EDP Endfed (EFHW)
Resonanz Nicht resonant Resonant
Tuner nötig Ja Meist nein
MultibandfÀhigkeit Sehr gut Gut, aber bandabhÀngig
Aufbauaufwand Sehr gering Mittel
HF im Shack Möglich Weniger wahrscheinlich
Effizienz Mittel bis gut Gut bis sehr gut
FlexibilitÀt Hoch Mittel
LĂ€nge 25,6 m BandabhĂ€ngig (z. B. 40 m: 20 m Draht)

Fazit des Vergleichs

  • Die W3EDP ist die Schweizer Taschenmesser‑Antenne: flexibel, unkompliziert, multibandfĂ€hig.
  • Die Endfed ist der PrĂ€zisionsschraubendreher: effizient, resonant, aber weniger flexibel.

Wer maximale Einfachheit und Bandbreite will, nimmt die W3EDP. Wer maximale Effizienz und reproduzierbare Ergebnisse will, nimmt die EFHW.

Persönlichkeiten der Nachrichtentechnik: Oliver Heaviside

Oliver Heaviside gehört zu den faszinierendsten, exzentrischsten und zugleich unterschĂ€tztesten Figuren der Elektrotechnik und Nachrichtentechnik. Seine Arbeiten prĂ€gen bis heute die theoretischen Grundlagen des Amateurfunks – von der Ausbreitung elektromagnetischer Wellen bis zur mathematischen Beschreibung von Leitungen. Wer ĂŒber Funk spricht, sollte diesen Mann kennen, der Maxwell verstand, bevor es cool war, und der die Mathematik so verbog, dass sie endlich tat, was Ingenieure brauchten.

đŸŽ© Ein Leben zwischen Genie, Isolation und TelegraphendrĂ€hten

Heaviside wurde 1850 in London geboren und litt frĂŒh an einer schweren Scharlacherkrankung, die ihn nahezu taub machte. Diese Behinderung isolierte ihn sozial, doch sie trieb ihn auch in die Welt der BĂŒcher und Formeln. Er verließ die Schule mit 16 Jahren und wurde – dank seines Onkels Charles Wheatstone – Telegraphist. Dort begann seine lebenslange Obsession: die elektrische Übertragung ĂŒber Leitungen zu verstehen und zu verbessern.

Seine Karriere als Telegraphist war kurz, denn seine zunehmende Taubheit zwang ihn 1874 zum RĂŒckzug. Danach lebte er zurĂŒckgezogen, arbeitete aber mit einer IntensitĂ€t, die man heute wohl als „Hardcore-Deep-Work“ bezeichnen wĂŒrde. Er reformulierte Maxwell, erfand neue mathematische Werkzeuge und sagte sogar die Existenz der ionosphĂ€rischen Reflexionsschicht voraus – Jahrzehnte bevor sie experimentell bestĂ€tigt wurde.

⚡ Warum Heaviside fĂŒr Amateurfunker ein heimlicher Held ist

1. Die Kennelly–Heaviside-Schicht (heute: E-Schicht der IonosphĂ€re)

Heaviside postulierte, dass eine elektrisch leitfĂ€hige Schicht in der oberen AtmosphĂ€re Radiowellen reflektiert. Ohne diese Schicht gĂ€be es kein Kurzwellen-DX, keine nĂ€chtlichen Überreichweiten – und viele Funkamateure mĂŒssten sich ein anderes Hobby suchen, vielleicht Briefmarken.

2. Die Telegraphengleichungen

Die berĂŒhmten Telegrapher’s Equations beschreiben, wie Signale sich in Leitungen ausbreiten. FĂŒr Funkamateure sind sie die Grundlage fĂŒr:

  • Koaxialkabel-Design
  • Impedanzanpassung
  • Stehwellenverhalten
  • DĂ€mpfungsberechnung

Ohne Heaviside wĂ€re das SWR-Meter heute vermutlich ein mystisches Orakel, das man mit Opfergaben besĂ€nftigen mĂŒsste.

3. Impedanz – ein Begriff von Heaviside

Er prÀgte den Begriff impedance und machte damit die Wechselstromtechnik erst wirklich handhabbar.

4. Operational Calculus – Mathematik fĂŒr Praktiker

Heaviside entwickelte eine Methode zur Lösung von Differentialgleichungen, die der Laplace-Transformation entspricht, aber viel pragmatischer gedacht war. Ingenieure liebten es, Mathematiker hassten es – ein Klassiker.

📡 Heaviside und die Nachrichtentechnik: Der Mann, der Maxwell ordnete

Maxwells ursprĂŒngliche Formulierung des Elektromagnetismus bestand aus 20 Gleichungen in 20 Variablen – ein Albtraum fĂŒr jeden, der jemals versucht hat, eine Antenne zu berechnen. Heaviside reduzierte sie auf vier elegante Vektorgleichungen, die wir heute als Maxwell-Heaviside-Gleichungen kennen.

Diese Vereinfachung machte den Weg frei fĂŒr:

  • moderne Antennentheorie
  • Funkwellenausbreitung
  • Hochfrequenztechnik
  • elektromagnetische Simulation

Kurz: Ohne Heaviside wÀre die Nachrichtentechnik heute so benutzerfreundlich wie ein Röhrenoszilloskop ohne Bedienknöpfe.

🧠 Einflusslinien: Wer prĂ€gte Heaviside – und wen prĂ€gte er?

Heavisides geistige Ahnen

  • James Clerk Maxwell – sein grĂ¶ĂŸtes Vorbild; Heaviside machte Maxwells Theorie erst praktisch nutzbar.
  • Charles Wheatstone – sein Onkel und Mentor, Pionier der Telegraphie.
  • Michael Faraday – inspirierte Heavisides feldtheoretisches Denken.

Heavisides intellektuelle Nachfahren

  • Arthur E. Kennelly – Co-Namensgeber der Heaviside-Schicht.
  • Hendrik Lorentz – nutzte Heavisides Formulierungen fĂŒr die Lorentz-Heaviside-Einheiten.
  • Alle modernen Elektrotechniker – von Antennenbauern bis zu HF-Ingenieuren.
  • Funkamateure weltweit – ob sie es wissen oder nicht.

đŸ•łïž Ein Hauch schwarzer Humor – ganz im Sinne des Amateurfunks

Heaviside lebte exzentrisch, streitbar und oft verarmt. Er strich seine WĂ€nde rosa, weil er glaubte, das beruhige die Nerven. Er warf Mathematikern vor, sie seien „zu pedantisch“, und Ingenieuren, sie seien „zu unprĂ€zise“. Ein Mann, der zwischen den Welten stand – wie ein Funkamateur, der auf 80 m CQ ruft und nur FT8-Signale hört.

Wenn Heaviside heute leben wĂŒrde, wĂ€re er vermutlich der Typ, der im Ortsverband behauptet, SWR 1:1 sei „fĂŒr AnfĂ€nger“ und dass man Antennen eigentlich nur mit Vektoranalysis abstimmen sollte.

📘 Tabellarischer Überblick ĂŒber Heavisides zentrale BeitrĂ€ge

Bereich Beitrag Bedeutung
Elektromagnetismus Vereinfachung der Maxwell-Gleichungen Grundlage der modernen EM-Theorie
Nachrichtentechnik Telegraphengleichungen Modellierung von Leitungen, Koax, Impedanz
Hochfrequenztechnik Begriff „Impedanz“ Standardbegriff der AC- und HF-Technik
Mathematik Heaviside-Operatoren, Step-Funktion VorlÀufer der Laplace-Transformation
Funkwellenausbreitung Vorhersage der Heaviside-Schicht Ermöglicht Kurzwellenfernverbindungen
Vektorrechnung UnabhĂ€ngige Entwicklung des VektorkalkĂŒls Fundament fĂŒr EM-Simulationen

planmĂ€ĂŸiges Treffen am 19.03.2026

Hallo liebe Funkfreunde!

Donnerstag, der 19.03.2026, 17:00 Uhr, ist der Termin fĂŒr unser planmĂ€ĂŸiges Treffen. Es zeichnet sich aufgrund von RĂŒckmeldungen ab, dass viele Mitglieder der Interessengemeinschaft verhindert sind. Somit ist noch nicht absehbar, dass das geplante Treffen auch tatsĂ€chlich stattfindet.

73 Helmut

🌐 Bandbreite als begrenzende Ressource – und warum die Rauschleistungsdichte unser Schicksal besiegelt


Ein technisch anspruchsvoller, unterhaltsamer und leicht schwarzhumoriger Blick auf die Grundlagen der Nachrichtentechnik – von den AnfĂ€ngen bis zum Amateurfunk.

đŸ•°ïž 1. Ein kurzer historischer RĂŒckblick: Als Bandbreite noch ein Mythos war

In den frĂŒhen Tagen der Funktechnik war Bandbreite wie ein Goldschatz, den niemand verstand, aber jeder verschwendete. Die ersten Funkpioniere sendeten Signale, die so breit waren, dass man sie heute als „Spektralverschmutzung“ bezeichnen wĂŒrde.

Dann kamen Nyquist und Shannon – die beiden MĂ€nner, die der Nachrichtentechnik sagten:

„Ordnung muss sein. Und Bandbreite ist nicht unendlich. Also benehmt euch.“

Damit begann die Ära der strukturierten Kommunikation.

📡 2. Bandbreite – die Autobahn der Information

Stell dir Bandbreite wie eine Autobahn vor:

  • Mehr Spuren → mehr Daten
  • Mehr Spuren → mehr Stau durch Rauschen
  • Mehr Spuren → mehr Ärger mit der Regulierungsbehörde

🔍 Warum Bandbreite begrenzt ist:

  • Physik: Antennen und Filter haben natĂŒrliche Grenzen.
  • Regulierung: Frequenzen werden zugeteilt wie knappe ParkplĂ€tze.
  • Praxis: Breite Signale stören andere – und niemand mag den Spektrum‑Rowdy.

Moderne Systeme wie 5G, WLAN, Glasfaser oder Satelliteninternet kÀmpfen alle mit derselben Frage:

Wie viel Information passt durch diesen Kanal, bevor die Naturgesetze uns auslachen?

🔊 3. Rauschleistungsdichte – der unsichtbare Gegenspieler

Rauschen ist der natĂŒrliche Feind jeder Übertragung. Es ist wie ein schlecht gelaunter Mitbewohner: immer da, immer laut, nie eingeladen.

📌 Was ist Rauschleistungsdichte?

  • Sie beschreibt, wie viel Rauschenergie pro Hertz Bandbreite existiert.
  • Je grĂ¶ĂŸer die Bandbreite, desto mehr Rauschen sammelt man ein.
  • Mehr Bandbreite bedeutet also nicht automatisch bessere Übertragung – manchmal nur mehr Chaos.

Shannon hat das mathematisch bewiesen. Ingenieure zitieren ihn bis heute – und verfluchen ihn gleichzeitig.

⚙ 4. Moderne Nachrichtentechnik: Ein Balanceakt

Heute nutzen wir:

  • OFDM, um Bandbreite in kleine HĂ€ppchen zu zerlegen
  • MIMO, um mehrere Datenströme gleichzeitig zu ĂŒbertragen
  • Fehlerkorrekturcodes, um das Rauschen auszutricksen
  • Adaptive Modulation, um sich dem Kanal anzupassen

Doch egal wie modern die Technik wird – Bandbreite und Rauschen bleiben die Naturgesetze, die alles bestimmen.

💡 Merksatz:

Die Nachrichtentechnik ist ein Tanz zwischen dem Wunsch nach mehr Datenrate und den Grenzen der Physik.

đŸ“» 5. Amateurfunk: Das lebende Labor der Nachrichtentechnik

Amateurfunker sind die letzten echten Abenteurer der Funkwelt. Sie arbeiten mit:

  • begrenzter Bandbreite
  • begrenzter Sendeleistung
  • viel Rauschen
  • und noch mehr KreativitĂ€t

Beispiele:

  • CW (Morse): ultranarrow, kommt durch, wenn alles andere stirbt
  • SSB: effizienter als AM, aber anspruchsvoll
  • FT8: so schmalbandig, dass es fast schon Zen ist
  • QRP‑Betrieb: „Wie weit komme ich mit 5 Watt und Hoffnung?“

Amateurfunk zeigt, wie man mit wenig Bandbreite und viel Rauschen trotzdem die Welt erreicht.

đŸ–€ 6. Schwarzer Humor am Rande

  • Bandbreite ist wie Lebenszeit: Man merkt erst, wie wertvoll sie ist, wenn sie weg ist.
  • Rauschen ist wie BĂŒrokratie: Es wĂ€chst proportional zu allem, was man tut.
  • Shannon ist der Mathematiker, der dir sagt, wie schnell du fahren darfst – und du weißt, dass er recht hat, selbst wenn du ihn dafĂŒr hasst.

🎯 7. Fazit: Die ewige Balance

Bandbreite und Rauschleistungsdichte sind die beiden KrĂ€fte, die die Nachrichtentechnik formen – damals wie heute. Wer sie versteht, versteht das Fundament moderner Kommunikation. Wer sie ignoriert, wird vom Rauschen verschluckt.

Radioaktive Strahlung als Kommunikationsmedium – Mythos, Physik

Die Idee klingt wie aus einem Science-Fiction-Roman, den jemand unter Einfluss von zu viel Kaffee und zu wenig Schlaf geschrieben hat: Kann man mit radioaktiver Strahlung Nachrichten ĂŒbertragen? Gibt es so etwas wie radioaktive Funkwellen? Und wenn ja – warum hat noch kein Funkamateur versucht, damit seinen Nachbarn auf 80 m zu ĂŒbertönen?

â˜ąïž 1. Was ist radioaktive Strahlung – und was nicht?

Radioaktive Strahlung ist keine elektromagnetische Welle, sondern besteht aus Teilchen oder hochenergetischer EM-Strahlung, die nicht kohÀrent, nicht moduliert und nicht steuerbar ist:

  • Alpha-Strahlung: Heliumkerne, Reichweite gering, Kommunikationsreichweite noch geringer.
  • Beta-Strahlung: Elektronen/Positronen, etwas weiter, aber immer noch kein brauchbarer TrĂ€ger fĂŒr Morsezeichen.
  • Gamma-Strahlung: Elektromagnetisch, ja – aber extrem hochfrequent, unmodulierbar und entsteht zufĂ€llig beim Zerfall.

Gamma-Strahlung ist zwar technisch eine EM-Welle, aber sie ist kein Funk. Sie ist eher wie ein schlecht gelaunter Laserpointer, der zufÀllig in alle Richtungen feuert und dabei alles ionisiert, was ihm zu nahe kommt.

Kurz: Radioaktive Strahlung ist ein miserabler Kommunikationskanal. Sie ist ungerichtet, unzuverlÀssig, zufÀllig und tötet den EmpfÀnger schneller, als er die Nachricht dekodieren könnte.

â˜ąïž 2. Historischer Überblick: Wer hat’s versucht?

2.1 FrĂŒhe Experimente (1900–1930)

In der FrĂŒhzeit der Kernphysik gab es tatsĂ€chlich Überlegungen, ob man die IntensitĂ€t radioaktiver Quellen messen und als Signal nutzen könnte. Das Problem: Die Zerfallsrate folgt dem Poisson-Prozess – also reinem Zufall. Modulation? Fehlanzeige.

Einige Forscher versuchten, die Ionisationskammer als Detektor fĂŒr schwache Signale zu nutzen. Das funktionierte – aber nur, um Strahlung zu messen, nicht um sie zu erzeugen.

2.2 Kalter Krieg: „Nuclear Communication“

Im Kalten Krieg wurde alles untersucht, was irgendwie nach „geheim“ klang. Dazu gehörte auch die Idee, ob man mit Neutronenstrahlung durch Fels oder Wasser kommunizieren könnte.

Ergebnis:

  • Ja, Neutronen durchdringen Materie.
  • Nein, man kann sie nicht modulieren.
  • Und ja, der EmpfĂ€nger stirbt trotzdem.

2.3 Moderne Forschung: Neutrino-Kommunikation

Neutrinos sind die „Ghost Particles“ des Universums. Man kann sie theoretisch zur Kommunikation nutzen – und es wurde 2012 tatsĂ€chlich demonstriert.

Aber:

  • Man braucht einen Teilchenbeschleuniger als Sender.
  • Und einen kilometergroßen Detektor als EmpfĂ€nger.
  • Datenrate: 0,1 Bit pro Sekunde.
  • Energieverbrauch: genug, um ein kleines Land zu heizen.

FĂŒr den Amateurfunker bedeutet das: Selbst wenn du die Endstufe auf 1 Terawatt hochdrehst – es reicht nicht.

â˜ąïž 3. Warum radioaktive Strahlung keine Funkwellen ersetzt

3.1 Keine Modulation

Funk lebt von Modulation: AM, FM, SSB, QAM, OFDM, PSK – alles basiert auf kontrollierten Schwingungen. Radioaktiver Zerfall ist dagegen so kontrollierbar wie ein Fieldday mit 30 Funkamateuren und nur einer Grillwurst.

3.2 Keine gerichtete Abstrahlung

Eine Antenne bĂŒndelt EM-Wellen. Radioaktive Quellen strahlen isotrop – also in alle Richtungen. Das ist fĂŒr Kommunikation schlecht, fĂŒr Krebsentstehung hervorragend.

3.3 Keine Frequenzkontrolle

Funkwellen haben definierte Frequenzen. Radioaktive Strahlung hat Energieniveaus, die zufĂ€llig entstehen. Das ist, als wĂŒrde man versuchen, CW zu geben, wĂ€hrend jemand anders zufĂ€llig auf der Taste herumhĂ€mmert.

â˜ąïž 4. Praktische Beispiele – wo Strahlung doch      kommuniziert

4.1 GeigerzĂ€hler als „EmpfĂ€nger“

Ein GeigerzĂ€hler klickt, wenn Strahlung eintrifft. Man könnte theoretisch Morsezeichen „klicken“ lassen, indem man eine Quelle abschirmt und freigibt.

Das wĂ€re dann die weltweit erste Kommunikation, bei der der EmpfĂ€nger nach 30 Minuten eine BleischĂŒrze braucht.

4.2 Radon als „NachrichtentrĂ€ger“

Radon diffundiert durch den Boden. Man könnte theoretisch Informationen durch kontrollierte Radonfreisetzung ĂŒbertragen.

Datenrate: 1 Bit pro Tag. EmpfÀnger: ein Lungenarzt.

4.3 Strahlungsbasierte Sensorik

In der Industrie nutzt man radioaktive Quellen zur FĂŒllstandsmessung oder MaterialprĂŒfung. Das ist Kommunikation – aber nur zwischen Maschine und MessgerĂ€t, nicht zwischen Menschen.

â˜ąïž 5. Warum Funkamateure das Thema lieben wĂŒrden

Weil es:

  • exotisch klingt
  • gefĂ€hrlich wirkt
  • garantiert niemand sonst macht
  • und man damit auf jedem OV-Abend glĂ€nzen könnte

Man stelle sich vor:

„Ich arbeite jetzt auf dem neuen Band: 0,0000000000000001 nm. Meine Antenne ist ein StĂŒck Uran. SWR ist egal – der Dipol glĂŒht sowieso.“

Oder der Klassiker:

„Ich habe QRP gemacht – 1 ”Curie Output. Der EmpfĂ€nger hat’s nicht ĂŒberlebt, aber das Signal war sauber.“

â˜ąïž 6. Fazit

Radioaktive Strahlung ist faszinierend, gefĂ€hrlich und physikalisch hochkomplex – aber als Kommunikationsmedium völlig ungeeignet. Sie ist unmodulierbar, ungerichtet, zufĂ€llig und tödlich. Kurz: Der schlechteste FunktrĂ€ger der Welt.

Wenn Funkamateure wirklich damit arbeiten könnten, gÀbe es lÀngst ein neues Contest-Format:

„CQ CQ CQ – hier ist DL0ATOM, bitte nur kurze DurchgĂ€nge, mein Dosimeter piept schon wieder.“

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