1. Einleitung
In Industrieumgebungen, in denen Amateurfunkanlagen mit Senderleistungen bis 1 kW betrieben werden, ist die DGUV V3-PrĂŒfung von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln zwingend vorgeschrieben. Sie gewĂ€hrleistet den Schutz vor elektrischen SchlĂ€gen und minimiert Haftungsrisiken fĂŒr den Betreiber.
Amateurfunkstationen bestehen oftmals aus ortsfesten Antennenanlagen auf HallendĂ€chern und ortsverĂ€nderlichen AusrĂŒstungen im BetriebsfunkÂraum. Beide Kategorien benötigen unterschiedliche PrĂŒfverfahren und Fristen, die in den VDE-Normen und der DGUV V3 klar definiert sind.
2. Rechtliche und normative Grundlagen
- DGUV Vorschrift 3 § 5 verlangt Erst und WiederholungsprĂŒfungen aller elektrischen Anlagen und Betriebsmittel vor Inbetriebnahme und in festgelegten ZeitabstĂ€nden.
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und TRBS 1203 regeln, wer als befĂ€higte Person prĂŒfen darf.
- DIN VDE 0100-600 beschreibt Erst- und WiederholungsprĂŒfungen fest installierter Niederspannungsanlagen.
- DIN VDE 0701-0702 legt die PrĂŒfmethoden fĂŒr ortsverĂ€nderliche Betriebsmittel (GerĂ€te mit Stecker) fest.
3. Ortsfeste vs. ortsverÀnderliche Funkanlagen
3.1 Ortsfeste Funkanlagen
Ortsfeste Anlagen umfassen Antennenmasten, DachdurchfĂŒhrungen, Blitzschutzableitungen und fest installierte KoaxÂkabel. Sie unterliegen einer WiederholungsprĂŒfung alle vier Jahre, wenn sie normalen Umgebungsbedingungen ausgesetzt sind.
3.2 OrtsverÀnderliche Funkanlagen
Dazu zĂ€hlen tragbare HandsprechfunkgerĂ€te, mobile Amateurfunkstationen im Schaltraum oder FRTs (Fixed Radio Terminals) mit CEE- oder Schuko-Steckern. Sie mĂŒssen nach DIN VDE 0701-0702 ĂŒblicherweise alle zwei Jahre geprĂŒft werden. In rauen Umgebungen (Baustellen, Werkhallen) kann ein halbjĂ€hrlicher Rhythmus vorgeschrieben sein.
4. Spezifische Anforderungen im Amateurfunk
4.1 ErstprĂŒfung und ErrichterÂerklĂ€rung
Die ErstprĂŒfung kann entfallen, wenn eine normgerechte ErrichtererklĂ€rung (EĂ) des Installateurs vorliegt, die bestĂ€tigt, dass die Funkanlage und alle elektrischen Komponenten den VDE-Vorschriften entsprechen. Dies ersetzt die PrĂŒfung vor Inbetriebnahme nach DGUV V3 § 5 Abs. 1 Nr. 4.
4.2 WiederholungsprĂŒfung
RegelmĂ€Ăige Inspektionen (SichtprĂŒfung, Messung von Schutzleiter- und Isolationswiderstand) und FunktionsprĂŒfungen (z. B. Auslösen von FI-Schaltern) stellen sicher, dass Antennenanlagen, Blitzschutz und Koaxkabel dauerhaft sicher bleiben. Die Ergebnisse werden im PrĂŒfprotokoll dokumentiert und mit einer PrĂŒfplakette gekennzeichnet.
5. PrĂŒfablauf und messtechnische Details
- SichtprĂŒfung: ĂberprĂŒfung auf BeschĂ€digungen an Kabeln, Steckern und Mastbefestigungen.
- Schutzleiterwiderstand: †1 Ω fĂŒr Verbindungsleitungen bis 20 m unter 16 A Bemessungsstrom.
- Isolationswiderstand: ℠1 MΩ (Schutzklasse 1) bzw. ℠2 MΩ (Schutzklasse 2) bei 500 V DC.
- Fehlerschleifenimpedanz: Nach DIN VDE 0100, um das sichere Auslösen der Ăberstromschutzeinrichtung zu garantieren.
6. Schuko-Steckdosen und Dauerstrom
Schuko-Steckdosen sind fĂŒr 16 A Dauerstrom ausgelegt, jedoch nicht fĂŒr dauerhafte Hochstromanwendungen wie HF-Endstufen. Dauerlast fĂŒhrt zu ErwĂ€rmung, Kontaktkorrosion und erhöhtem Fehlerrisiko. In industriellen Amateurfunkstationen sind CEE-Steckvorrichtungen mit 32 A und entsprechende Kabelquerschnitte (â„ 2,5 mmÂČ Cu) zu verwenden.
7. Haftung, Regresse und VersicherungsÂschutz
UnterlĂ€sst der Betreiber die DGUV V3-PrĂŒfung, drohen im Schadensfall:
- Kosten fĂŒr PersonenschĂ€den und SachschĂ€den ohne Versicherungsschutz.
- BuĂgelder bis zu mehreren Zehntausend Euro.
- Regressforderungen der Berufsgenossenschaft und Dritter.
- Strafrechtliche Konsequenzen bei fahrlÀssiger GefÀhrdung.
RegelmĂ€Ăige PrĂŒfungen reduzieren diese Risiken und sichern den Versicherungsschutz.
8. Praxistipp und Anekdote
Ein Funkamateur in einer Fabrikhalle erlebte Funkstörungen und hohen HF-Strom in der Schuko-Leitung seiner Station. Eine auĂerordentliche PrĂŒfungsnachforderung der Werksseelsorge ergab, dass das Kabel bei 20W Sendeleistung deutlich heiĂ auflief. Nach Umstellung auf CEE-Steckdose und erneuter DGUV V3-PrĂŒfung sank das Rauschniveau im Empfang enorm und das Brandrisiko war gebannt.
9. Fazit
Die DGUV V3-PrĂŒfung von ortsfesten und ortsverĂ€nderlichen Funkanlagen ist integraler Bestandteil des Arbeitsschutzes in Industrieanlagen mit Funkbetrieb. Sie sichert Gesundheit und Leben, bewahrt vor Haftung und erhĂ€lt die EmpfangsqualitĂ€t. ErrichtererklĂ€rung, normgerechte Intervalle und fachkundige DurchfĂŒhrung durch ElektrofachkrĂ€fte bzw. befĂ€higte Personen sind die Eckpfeiler einer rechts- und betriebssicheren Amateurfunkstation.
⥠Wer darf DGUV V3 PrĂŒfungen durchfĂŒhren?
Eine Elektrofachkraft im Sinne der VDE 0100 ist jemand, der:
- Fachliche Ausbildung hat (z. B. Elektroniker, Elektromeister, Ingenieur mit elektrotechnischem Schwerpunkt).
- Praktische Erfahrung nachweisen kann â also nicht nur Theorie, sondern auch den Umgang mit MessgerĂ€ten, PrĂŒfablĂ€ufen und GefĂ€hrdungsbeurteilungen beherrscht.
- Aktuelle Schulungsnachweise besitzt, die dokumentieren, dass er oder sie mit den geltenden Normen, Vorschriften und PrĂŒfverfahren vertraut ist.
đ Nur diese Kombination aus Praxis + Schulung berechtigt dazu, DGUV V3 PrĂŒfungen rechtssicher durchzufĂŒhren.
đïž Ortsfest oder nicht?
Ein gern ĂŒbersehener Punkt:
- Auch ein GerĂ€t mit Stecker kann als ortsfest gelten, wenn es so installiert ist, dass es nicht ohne Werkzeug bewegt werden kann (z. B. ein KĂŒhlschrank, der fest verschraubt ist).
- Das sorgt regelmĂ€Ăig fĂŒr Diskussionen â und fĂŒr Kopfschmerzen bei denen, die PrĂŒfprotokolle schreiben mĂŒssen.
đŻïž Rand Bemerkung
Ein Duplexer ist empfindlich, aber eine DGUV-PrĂŒfung ist gnadenlos:
- Wer glaubt, dass ein GerĂ€t mit Stecker niemals ortsfest sein kann, hat entweder die Norm nicht gelesen â oder schon den Rentenbescheid in der Tasche.
- Denn in der Elektrotechnik gilt: Alles ist relativ â auĂer die Vorschrift.
- Und wer es besser weiĂ, sitzt meistens im Ruhestand und lehnt sich zurĂŒck
⥠Zugang zu elektrischen BetriebsrÀumen
Ein elektrischer Betriebsraum (z.âŻB. Schalt- oder Verteilerraum) ist kein Abstellraum fĂŒr Putzmittel oder vergessene BĂŒrostĂŒhle, sondern ein sicherheitsrelevanter Bereich, in dem nur bestimmte Personen Zutritt haben:
- ElektrofachkrÀfte: Personen mit abgeschlossener elektrotechnischer Ausbildung, praktischer Erfahrung und aktuellem Schulungsstand.
- Elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP): Nur unter Aufsicht einer Elektrofachkraft und fĂŒr klar definierte TĂ€tigkeiten.
- Berechtigte Personen: Nur, wenn sie ausdrĂŒcklich eingewiesen wurden und eine Notwendigkeit besteht (z.âŻB. Facility-Management mit spezieller Unterweisung).
đ Alle anderen haben dort schlicht nichts verloren.
đŻïž Tiefschwarzer Humor zum Schluss
Ein elektrischer Betriebsraum ist kein Selfie-Spot:
- Wer als Nicht-Elektrofachkraft dort herumsteht, ist ungefÀhr so fehl am Platz wie ein Goldfisch im Toaster.
- Und wer das Ganze noch stolz auf Facebook postet, dokumentiert im Prinzip nur seine Bewerbung fĂŒr den Darwin Award der BG VK.
- Denn: Strom vergisst nie â und Facebook auch nicht.