Ein W3EDP‑Antenne ist im Kern ein erstaunlich simples, aber physikalisch hochinteressantes Gebilde: ein langes Stück Draht, das sich weigert, sich wie ein klassischer Dipol zu benehmen – und genau deshalb so vielseitig ist. Der folgende Artikel verbindet technische Tiefe mit einem Augenzwinkern und führt durch Physik, Bau, Effizienz, Multiband‑Eigenschaften und den Vergleich zur klassischen Endfed‑Antenne.

Was die W3EDP eigentlich ist
Die W3EDP wurde in den 1930ern von Edward P. Tilton (W3EDP) populär gemacht. Sie besteht aus:
- 25,6 m Strahlerdraht
- Einer kurzen Gegenkapazität (typisch 2,5–3 m)
- Einem Tuner (Zwingend! Ohne Tuner ist sie so kooperativ wie ein nasser Gartenschlauch)
Sie ist keine klassische Endfed, kein Dipol, kein T2LT – sie ist ein asymmetrischer Langdraht mit definierter Gegenkapazität, der auf vielen Bändern zufällig erstaunlich gut funktioniert.
Die Physik dahinter
Die W3EDP arbeitet als unsymmetrischer Strahler, der über die kurze Gegenkapazität und die Erde (oder das Shack‑Umfeld) einen Rückstrompfad bildet.
Wichtige physikalische Effekte
- Strahlung durch Stromverteilung: Der 25,6‑m‑Draht ist auf vielen Amateurfunkbändern irgendwo zwischen Viertelwelle und Mehrfachresonanz. Dadurch entstehen komplexe Stromknoten und ‑bäuche, die eine breite Nutzbarkeit ermöglichen.
- Gegenkapazität statt klassischem Radial: Die kurze Leitung wirkt wie ein kapazitiver Gegengewichtsersatz. Sie ist zu kurz, um selbst zu strahlen, aber lang genug, um den Rückstrompfad zu stabilisieren.
- Hohe Impedanz → Tunerpflicht: Die Impedanz kann zwischen 20 Ω und mehreren kΩ liegen. Ein Tuner ist daher nicht optional, sondern integraler Bestandteil des Systems.
Multibandfähigkeit
Die W3EDP deckt typischerweise folgende Bänder gut ab:
- 80 m
- 40 m
- 20 m
- 17 m
- 15 m
- 12 m
- 10 m
Auf 30 m und 60 m ist sie oft ebenfalls nutzbar, aber der Tuner muss dann etwas mehr schuften.
Der Trick: Die Drahtlänge von 25,6 m ist ein Kompromiss, der auf vielen Bändern irgendeine Resonanz erzeugt, die der Tuner dann in Form bringt.
Effizienz
Die Effizienz hängt stark vom Aufbau ab:
Vorteile für die Effizienz
- Langer Strahler → gute Abstrahlung
- Wenig Verluste im Draht selbst
- Kaum Spulen oder Traps → geringe ohmsche Verluste
Nachteile
- Rückstrom über die Umgebung Wenn das Gegengewicht schlecht liegt, kann die Effizienz leiden.
- Tunerverluste Besonders bei hohen Impedanzen.
Realistische Einschätzung
Eine gut aufgebaute W3EDP erreicht 60–85 % Effizienz, je nach Band und Aufbauhöhe. Das ist für eine Multiband‑Antenne ohne Spulen absolut respektabel.

Bauanleitung
Material
- 25,6 m Kupferlitze (1–2 mm²)
- 2,5–3 m Gegengewichtsdraht
- 1:1 Mantelwellensperre (optional, aber empfehlenswert)
- Tuner (extern oder im TRX)
- Isolatoren, Seil, Befestigungsmaterial
Aufbau
- Strahler auslegen: 25,6 m Draht möglichst hoch und frei spannen. Formen: Sloper, L‑Form, Inverted‑L, horizontal – alles möglich.
- Gegengewicht anschließen: 2,5–3 m Draht am Tuner‑Gehäuse oder Massepunkt befestigen. Möglichst gestreckt am Boden oder entlang der Wand.
- Tuner anschließen: Der Strahler kommt an den „Hot“-Ausgang, das Gegengewicht an Masse.
- Mantelwellensperre setzen: 1–2 m hinter dem Tuner, um HF im Shack zu reduzieren.
- Abstimmen und testen: Auf jedem Band kurz abstimmen und SWR prüfen.
Vor- und Nachteile der W3EDP
Vorteile
- Extrem breitbandig
- Sehr einfach zu bauen
- Keine Traps, keine Spulen, keine Baluns nötig
- Gute Effizienz für eine Multiband‑Antenne
- Flexibel im Aufbau
Nachteile
- Tuner zwingend erforderlich
- HF im Shack möglich, wenn Gegengewicht schlecht liegt
- Nicht so berechenbar wie ein Dipol
- Auf 80 m manchmal etwas zickig
Möglicher Gewinn
Der Gewinn hängt stark von der Aufbauform ab. Typische Werte:
- Horizontal gespannt: 1–2 dBi
- Sloper: 2–3 dBi in Hauptabstrahlrichtung
- Inverted‑L: 0–2 dBi, aber gute NVIS‑Eigenschaften auf 80/40 m
Für eine Multiband‑Antenne ohne Spulen ist das absolut solide.
Vergleich: W3EDP vs. klassische Endfed
Eine klassische Endfed (EFHW) ist resonant und nutzt einen 49:1 oder 64:1 Übertrager.
Vergleichstabelle
| Merkmal | W3EDP | Endfed (EFHW) |
|---|---|---|
| Resonanz | Nicht resonant | Resonant |
| Tuner nötig | Ja | Meist nein |
| Multibandfähigkeit | Sehr gut | Gut, aber bandabhängig |
| Aufbauaufwand | Sehr gering | Mittel |
| HF im Shack | Möglich | Weniger wahrscheinlich |
| Effizienz | Mittel bis gut | Gut bis sehr gut |
| Flexibilität | Hoch | Mittel |
| Länge | 25,6 m | Bandabhängig (z. B. 40 m: 20 m Draht) |
Fazit des Vergleichs
- Die W3EDP ist die Schweizer Taschenmesser‑Antenne: flexibel, unkompliziert, multibandfähig.
- Die Endfed ist der Präzisionsschraubendreher: effizient, resonant, aber weniger flexibel.
Wer maximale Einfachheit und Bandbreite will, nimmt die W3EDP. Wer maximale Effizienz und reproduzierbare Ergebnisse will, nimmt die EFHW.